Dann war’s nur noch ein Standort

Künzelsau - Ein Windkraft-Verweigerer will Stefan Neumann nicht sein. Der Künzelsauer Bürgermeister stellt klar: "Wir wollen auch etwas ausweisen." Wobei "etwas" so viel bedeutet wie "einen Standort und nicht mehr". Zumindest wenn es nach dem Willen des Rathauschefs geht.

Von unserem Redakteur Matthias Stolla

Dann war’s nur noch ein Standort
Wenn Bürgemeister Neumann richtig gezirkelt hat, bleibt als einzig denkbarer Windkraftstandort auf Künzelsauer Markung eine Fläche bei Belsenberg.Foto: Stefanie Jani

Künzelsau - Ein Windkraft-Verweigerer will Stefan Neumann nicht sein. Der Künzelsauer Bürgermeister stellt klar: "Wir wollen auch etwas ausweisen." Wobei "etwas" so viel bedeutet wie "einen Standort und nicht mehr". Zumindest wenn es nach dem Willen des Rathauschefs geht.

Viel mehr hält auch der Regionalverband Heilbronn-Franken auf Künzelsauer Markung nicht für möglich. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten neuen Windatlas hervor, der das Potenzial in der Region aufzeigt. Demnach kommen in Künzelsau zwei Standorte in Frage: die Höhe nordöstlich von Belsenberg und eine Fläche zwischen dem Kügelhof und Nitzenhausen. Dazu kommen noch zwei weitere mögliche Standorte in der Nähe der Markungsgrenze auf Kupferzeller und Ingelfinger Gebiet.

Kriterien

Stefan Neumann gefällt die Auswahl: "Das sind gute Kriterien." Grundsätzlich will er das Verfahren in enger Abstimmung und "Seite an Seite mit dem Regionalverband" beschreiten. Auch wenn die Landesregierung sich den Ausbau der Windkraft auf die Fahnen geschrieben hat und unter anderem im Künzelsauer Gemeinderat durchaus auch Fürsprecher hat − der Bürgermeister bleibt zurückhaltend. "Die Dinger werden ja nicht kleiner", sagt er und sorgt sich sowohl um das Landschaftsbild als auch um die Wohnqualität in der Stadt, ihren Dörfern, Weilern und Höfen. In dem Punkt dreht sich alles um die Frage des Mindestabstands. Und da hat Neumann einfach zum Zirkel gegriffen und auf der Landkarte munter Kreise um Wohnplätze gezogen. Dabei ist ihm aufgefallen: "Legt man 1500 Meter Abstand zu Grunde, bleibt in Künzelsau kein Standort übrig." Bei 1000 Metern verringert sich das Künzelsauer Potenzial auf die Fläche bei Belsenberg an der Grenze zu Ingelfingen.

Offen ist allerdings, ob Neumanns gezirkelte Abstände tatsächlich relevant sind. Der Bürgermeister hat sich nicht auf Stadt und Stadtteile beschränkt, sondern jeden Wohnplatz berücksichtigt, auch die ganz kleinen. "Ich würde da keinen Unterschied machen zwischen dem Rodachshof und der Stadt", sagt er und begründet das mit Erfahrungen aus seiner alten Heimat in der Uckermark in Brandenburg: "Da drehen sich Windkrafträder zum Teil direkt an der Ortsgrenze. Da kriegst du eine Macke."

Siedlungsflächen

Für Neumann ist der Fall klar: "Von Siedlungsflächen brauchst du 1000 Meter Abstand." Ob es die Landesregierung dabei belassen will, ist noch offen. Wie so vieles, sagt Stefan Neumann und ärgert sich: "Ich halte nicht den Kopf hin für Dinge, die die Landesregierung nicht richtig gemacht hat."

Beispiel Artenschutz: In vielen Künzelsauer Stadtteilen schränken FFH-Schutzgebiete die Entwicklung neuer Baugebiete erheblich ein. Neumann fordert, auch die Ausweisung von Windkraftstandorten müsse − trotz aller Begeisterung für regenerative Energien − auf den Naturschutz Rücksicht nehmen: "Ich kann nicht einfach sagen, Artenschutz ist mir jetzt auf einmal egal."

Gerade in der Nähe von FFH-Gebieten fordert der Künzelsauer Bürgermeister deshalb artenschutzrechtliche Prüfungen, ähnlich wie bei Bauvorhaben. Das dauert. Für Neumann aber bleibt der Faktor Zeit nachrangig: "Ich will rechtssichere Gutachten machen und nicht vor dem Verwaltungsgericht landen."