Buchenbach im Feierfieber

Mulfingen  Festumzug unter dem Motto "Im Wandel der Zeit - domols & heid" als Höhepunkt beim dreitägigen Sommerfest mit Kinderfest in Buchenbach. Gesellschaftskritik inklusive.

Von Isabell Kähny

 

Sonntagnachmittag in Buchenbach: Hunderte Menschen säumen die Straßen, warten gespannt, was da kommen mag. Wo sonst sonntägliche Ruhe herrscht, sind alle Generation auf den Beinen, um den Festumzug beim Sommerfest mit Kinderfest aktiv mitzugestalten oder zu bestaunen.

Dann geht es los und die Zuschauer staunen nicht schlecht über die aufwendigen Wagen, die unter dem Motto "Im Wandel der Zeit - domols & heid" auf sie zurollen. Und dabei gibt es auch jede Menge zu lernen.

Wie früher Wäsche gewaschen wurde zum Beispiel: erst eingeweicht, dann geschrubbt und schließlich auf die Wäscheleine. Alle Arbeitsschritte werden hier akribisch umgesetzt.

Büstenhalter und Schlafanzüge hängen schließlich an der Leine und trocknen bei den eher kühlen Temperaturen von um die 20 Grad nur mäßig.

Kleidung aus Asien und der Online-Handel

Während früher Kleidung noch selbst hergestellt wurde, stammt sie heute vorwiegend aus Asien. Als Asiatinnen verkleidete Damen sind es dann auch, die in gelben Shirts an ihren Nähmaschinen auf dem Wagen sitzen und fleißig für den Handel produzieren.

Gelb gekleidet sind auch die Postboten, die einen prall gefüllten Wagen mit Paketen bekannter Online-Händler hinter sich herziehen. Die Botschaft: Heute musst du nicht mehr einkaufen gehen, weil der Postbote alles bringt. Liebevoll gestaltete Seifenkisten rollen dahinter durch die Straße.

Flimmerkiste statt Seifenkiste

Heute wisse kaum einer mehr, was es mit Seifenkisten auf sich hat, befinden die Unzugsteilnehmer. Stattdessen sitze der Nachwuchs vor der Glotze und zocke Video-Spiele: früher Seifenkisten, heute hinter der Kiste.

Auch die Küchenmaschine Thermomix bekommt ihren eigenen Themenwagen: "Häckseln, Kochen, Schneiden, Backen, da bleibt mehr Zeit für andere Sachen."

Während der Umzug gemächlich an ihnen vorbeizieht, kommen bei den Kindern Faschingsgefühle auf: Süßigkeiten in Hülle und Fülle fliegen durch die Luft, während sich die Erwachsenen über selbst gebackene Flachswinkel und einen Schnaps freuen.

Herausforderung für alle Beteiligten

"Ich finde das ehrenamtliche Engagement, das da dahintersteckt, beeindruckend", so Kim Wagner aus Kupferzell über den Umzug. Sie ist mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern zum ersten Mal auf dem Buchenbacher Kinderfest - und nicht das letzte Mal, versichert sie.

"Es läuft sehr gut dieses Jahr", freut sich Ortsvorsteher Dieter Baumann. "Es ist schon eine Herausforderung, dieses Fest auf die Beine zu stellen", sagt er und berichtet von viel Bastelarbeit.

"Wir fangen immer nach Ostern mit dem Bauen und Gestalten der Festwagen an", erzählt Walter Oechsle. Er ist stolz auf die vielen ehrenamtlichen Helfer. "Hier helfen alle Vereine von Buchenbach zusammen: der Sportclub, die Landfrauen, der Musikverein und der Gesangverein", so der Vorsitzende des Sportclubs. "Es festigt die Dorfgemeinschaft unwahrscheinlich", betont er.

Lange Tradition in Buchenbach

Auch die Gemeinde ist als Veranstalter mit an Bord, zudem die Nachbardörfer, die längst ein fester Bestandteil des 1887 ins Leben gerufenen Kinderfests sind.Um die 450 Personen sind beim Umzug involviert. Hinzu kommen hunderte Helfer im und um das Festzelt. "Jedes Jahr könnten wir das nicht machen", resümiert Oechsle.

Nicht nur der Umzug ist ein Highlight an diesem Festwochenende. Am Samstag fand ein Spiele-Nachmittag statt. Etwa 100 Kinder hatten Spaß an verschiedenen Spielstationen. "Wir hatten auch Freitag schon ordentlich Gäste", berichtet Baumann.

Also ein rundum gelungenes Festwochenende? "Wir wollen die Tradition aufrecht erhalten", sagt Baumann. Also dann, bis in zwei Jahren.

 

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