Bau der neuen Alexander-Gerst-Sternwarte beginnt

Künzelsau  Der Astronaut Alexander Gerst kam zum Spatenstich der neuen Sternwarte auf dem Gelände des Schlosses Stetten, die nach ihm benannt wird. Unter den Gästen war auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Von Ralf Reichert

Den Schlüssel für die geplante Sternwarte auf Schloß Stetten hatte All-Star Alexander Gerst bei seiner zweiten Weltraum-Mission „Horizons“ schon mal im Gepäck. Mit diesem himmlischen Beistand konnte also fast nichts mehr schiefgehen. Am Samstag nun griff der Astronaut aus Künzelsau vor Ort zum Spaten und gab damit das Zeichen: Der Bau kann beginnen. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier war dabei. Die Sternwarte soll 2020 stehen und wird nach Alexander Gerst benannt. In der Region gibt es bisher Sternwarten in Weikersheim und Heilbronn.

Der Ehrenbürger von Künzelsau ist ein guter Freund des Bauherrn: Christian von Stetten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete spielte schon länger mit dem Gedanken, diesen Bau auf dem Gelände von Schloß Stetten zu verwirklichen. Die Idee war ihm bei Gersts erster Weltraum-Mission „Blue Dot“ gekommen. 2016 stellte er den Bauantrag, dann stand das Projekt plötzlich auf der Kippe. Der Grund: ein Windpark in vier Kilometern Entfernung auf Gemarkung Braunsbach. Entscheidende Störquelle: die Blinklichter. Sie irritieren die Sternsucher – und machten den Betrieb einer Sternwarte unmöglich.

Schon bei Gersts erster Weltraum-Mission kam Christian von Stetten die Idee

Beim ersten Spatenstich (von links): Wolfgang von Stetten, ESA-Direktor Jan Wörner, Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR, Christian von Stetten, Alexander Gerst, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Reinhold Würth und Landrat Matthias Neth. Foto: Ralf Reichert

Die zweite ISS-Mission von Alexander Gerst motivierte von Stetten dann nochmals, dafür zu sorgen, dass die Positionslichter der Windräder mit abschaltbaren Lichtern ausgestattet werden. Ende November 2018 kam er diesem Ziel einen großen Schritt näher: Der Bundestag beschloss einige Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz. Ein Bestandteil ist, dass Betreiber von Windkraftanlagen verpflichtet werden, sogenannte Transponder- Abschaltanlagen in ihre Windräder einzubauen. Das heißt: Die Blinklichter sind in der Regel aus und gehen nur noch an, wenn sich ein Flugzeug nähert. Dies gilt für alle neuen Anlagen ab 2020 und für alle alten ab 2021.

Damit stand dem Bau der Sternwarte nichts mehr im Wege. Zumal die Stadt Künzelsau diesen längst genehmigt hatte. Und für Christian von Stetten war klar: Sie wird nicht nur den Namen von Alexander Gerst tragen. Sondern er wird auch den ersten Spaten setzen und die fertige Sternwarte einweihen.

Vor der großen Welcome-Party in der Innenstadt am Samstag wurde der Baustart nun im Beisein von Alexander Gerst zelebriert. Den Schlüssel für die Original-Eingangstüre, die bereits vor Ort aufgestellt war, hatte Gerst natürlich auch dabei. Von Stetten hatte ihm diesen Glücksbringer kurz vor dem Start zur internationalen Raumstation ISS auf dem Weltraumbahnhof in Baikonur mitgegeben.

Es war übrigens sein Haustürschlüssel, einen anderen hatte er nicht dabei. Jan Wörner, Generaldirektor der European Space Agency (ESA), war es schließlich, der Gerst den Schlüssel quasi im Vorbeigehen in die Hand drückte, bevor der in die Sojus-Kapsel einstieg. „Ich habe ihn in ein Taschentuch gepackt und mit Klebeband umwickelt“, sagte Gerst beim ersten Spatenstich. „Das lief zwar nicht ganz nach Protokoll, ging ab er schon klar.“ Am Samstag nun übergab er ihn wieder an Christian von Stetten – „stellvertretend für alle Kinder, Jugendlichen und Junggebliebenen“, die sich für den Weltraum interessieren. Das Schloss des Schloß-Entrees wurde mittlerweile ausgebaut und in die neue Türe der Sternwarte eingebaut. Am Ende brachte der Schlüssel beiden Glück: Gerst kam wohlbehalten auf die Erde zurück, und von Stetten bekommt endlich die Sternwarte.

Alexander Gerst steckt den Schlüssel in die künftige Eingangstüre der Sternwarte, den er bei seinem Aufenthalt im Weltall dabei hatte. Foto: Ralf Reichert

Gerst zitierte den Philosophen Plutarch, bevor er und die anderen Ehrengäste zur Tat schritten: „Das menschliche Bewusstsein ist kein Gefäß, das es aufzufüllen gilt, sondern ein Feuer, das entfacht werden will.“ Die Frage sei: „Wie macht man das in der heutigen Welt?“ Gersts Antwort: „Ich glaube, das Beste ist, wenn man einen Schritt zurückgeht, sich auf das Echte konzentriert und schaut, wie die Welt aussieht und das alles funktioniert.“ Damit meinte er, sowohl vom Weltraum auf die Erde zu blicken als auch von der Erde in den Weltraum. „Das haben schon Hunderttausende Generationen vor uns gemacht.“ Deshalb hätten die Menschen Sternwarten gebaut, um den Schlüssel zu diesem Wissen zu erhalten.

Finanziert werden soll das Bauwerk in Künzelsau als Bürgerprojekt: mit Geldern von Firmen und Privatpersonen. Dahinter steht ein Förderverein. ESA-Direktor Jan Wörner lobte ausdrücklich diese „Privatinitiative, damit wir noch mehr verstehen: Da oben ist richtig was los“. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier fand: „Es ist eine großartige Idee, diese Volkssternwarte zu bauen. Wir brauchen Träume, Ideen und Helden. Wir brauchen aber auch konkrete Dinge, die man anfassen kann.“ Und Sternwarten, so versicherte Altmaier, seien eine Investition in die nächsten „100 bis 200 Jahre“. Denn: „Mir ist bis heute keine Sternwarte bekannt, die wieder abgerissen wurde.“ Alexander Gerst mache „heute einen Schritt in die Unsterblichkeit“, in dem der Bau in Künzelsau nach ihm benannt werde.

Wie geht es weiter mit der Raumfahrt in Deutschland und Europa? Der Bundeswirtschaftsminister weiß: Es wird hart gekämpft um jeden Euro, „das Geld reicht hinten und vorne nicht“. Doch da sei ja ein ganz konkretes Ziel: „Dass wir als Europäer einmal zum Mond fliegen.“ Darauf Altmaier weiter: „Wollen wir es mal versuchen.“ Christian von Stetten wollte diese Worte aus seiner Sicht so interpretiert wissen, „dass wenn einer aus Europa zum Mond fliegt, dies unser Alexander Gerst sein wird“.

In der Sternwarte soll es einen Seminarraum für Schüler und andere Gruppen geben

Das Gelände für die Sternwarte auf dem Schlossareal, direkt neben der bestehenden Solaranlage gelegen, stellen Wolfgang und Christian von Stetten kostenlos zur Verfügung. Auch der Rohbau soll über die Hedwig-Stauder-Stiftung des Hauses von Stetten finanziert werden. Wie die Sternwarte konkret ausgestattet sein wird, hängt davon ab, wie viel Geld der Förderverein aufbringt. Klar ist: Es wird auch einen Seminarraum geben: für Schüler und andere interessierte Gruppen.

Den Strom indes liefert die bestehende Solaranlage. Laut von Stetten ist es die erste Sternwarte, die komplett mit Solarstrom betrieben und in der Energieversorgung völlig autark sein wird. „Einen Teil der Solaranlage müssen wir für die Sternwarte allerdings abbauen“, so Christian von Stetten. Und wenn einmal ein Anbau fällig wird? Auch kein Problem. Der werde dann übrigens nach Peter Altmaier benannt.

„Ich wünsche Ihnen immer ein volles Haus und viele interessierte Besucher“, sagte Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann hatte zuvor erklärt, dadurch werde die Raumfahrt vor allem für die Jugend noch zugänglicher gemacht. Und er sagte, an der Reinhold-Würth Hochschule solle darüber hinaus ein eigenes Space-Center entstehen, „das sich noch in der Planung befindet“. Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises, sagte: „Hohenlohe ist heute das Zentrum des Weltalls.“ Alexander Gerst habe es geschafft, dass die so bodenständigen und geerdeten Hohenloher in den Weltraum schauen.

 


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