Aus der Situation das Beste gemacht

Mulfingen  Bischof-von-Lipp-Schule hat sich tagelang auf Unterricht zu Hause vorbereitet. Gute Resonanz bei Lehrern und Schülern. Systeme laufen stabil.

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Aus der Situation das Beste gemacht

Ein verwaister Ort: In der Bischof-von-Lipp-Schule sind meist nur noch Rektor und Hausmeister anwesend.

Fotos: Thomas Zimmermann

Wir leben ja als Lehrer eigentlich von und für die Show", sagt Johannes Dirnberger. Doch eine Show können derzeit weder der Rektor der Mulfinger Bischof-von-Lipp-Gemeinschaftsschule noch seine 24 Lehrer bieten. Denn die staatlich anerkannte katholische Schule mit ihren 232 Schülern ist seit Montag, 16. März, verwaist. Mit einem Handbuch haben sich Schulleitung, Lehrer und Schüler allerdings schon Tage zuvor auf diesen Ernstfall vorbereitet.

Schnelle Notfallpläne

"Nachdem in Kupferzell und in Bad Mergentheim die ersten Schulen schließen mussten, konnten wir uns auf die Situation einstellen und haben schnell Notfallpläne erarbeitet", sagt Dirnberger, der derzeit meist alleine die Stellung im Schulgebäude hält. "Die erste Woche war sehr arbeitsintensiv, aber jetzt läuft alles und man hat Zeit zum Nachdenken. Das ist keine schöne Situation", macht der Schulleiter keinen Hehl aus seinen Gefühlen.

Dass die Mulfinger das Beste aus der Situation machen, haben sie auch IServ zu verdanken. Die Braunschweiger Software-Firma hat ein digitales Lernsystem entwickelt, das übersichtlich ist und zudem leicht bedienbar. Und es funktioniere stabil - im Gegensatz zu Moodle, das das Kultusministerium in Stuttgart empfohlen hat.

Die Schule
Die Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen ist eine katholische freie Gemeinschaftsschule, die zur St. Josefspflege Mulfingen gGmbH gehört. Sie unterrichtet nach dem Marchtaler Plan, der ein ganzheitliches Konzept vorsieht, zu dem ein Morgenkreis, freie Stillarbeit und vernetzter Unterricht gehört. Schüler können den Realschul- und Hauptschulabschluss ablegen, sowie nach der 10. Klasse prüfungsfrei in ein allgemeinbildendes berufliches Gymnasium wechseln, um das Abitur zu machen. 

Forum hilft bei Fragen

"Es klappt erstaunlich gut", betont Alexander Stier, der an der Gemeinschaftsschule Deutsch und Sport unterrichtet. Und Mathematik- und Biologie-Lehrerin Silvia Klein ergänzt: "Die Schüler haben ihre Wochenpläne, arbeiten sie ab und wir können das über das System gut kontrollieren." Gerade in Mathe arbeitet sie auch mit Erklärvideos. "Wenn ein Schüler etwas nicht versteht, schickt er eine Mail und wir können sofort reagieren", erklärt sie. Auch im Forum mit Chat-Funktion können Fragen geklärt werden. Dort taucht dann auch schon mal Kritik an der Menge der Aufgaben auf. "Ich finde, das ist aber ganz schön viel", schreibt eine Schülerin.

Sind die Aufgaben gelöst, erscheint ein grünes Häckchen und die nächste Lektion wartet. Werden die Aufgaben nicht pünktlich abgearbeitet, hakt die Lehrerin gleich nach und informiert gegebenenfalls die Eltern. "Das System ist kein echter Ersatz für lebendigen Unterricht, aber es funktioniert in der Situation gut", unterstreicht Klein.

Auf die Situation eingestellt

Auch die Schüler sind mit der ungewohnten Situation ganz zufrieden. "Wir machen praktisch Homeoffice wie die Erwachsenen, und man kann sich die Zeit selbst einteilen. Ich stehe meistens um halb neun auf und bin gegen elf Uhr fertig, dann mach ich Prüfungsvorbereitungen", schildert Nils Langolf aus Ailringen seinen derzeitigen Schulalltag. Der 16-Jährige ist Schülersprecher und bereitet sich auf den Realschulabschluss vor. Gibt es mal Probleme, weiß jeder, was zu tun ist. "Wir schreiben in der Whats-App-Gruppe oder skypen auch mal mit dem Lehrer", sagt Langolf.

Digitalisierung angekommen

Aus der Situation das Beste gemacht

Schulleiter Johannes Dirnberger hält die Stellung in der Schule. Dazu gehört auch der Schulunterricht per Computer.

Schon vor der Corona-Krise war die Bischof-von-Lipp-Schule digital gut ausgerüstet. Alle Kinder bekommen ab Klasse sechs einen schuleigenen Laptop. "Und wir haben tagelang Zugang und Arbeitsweise zum System drillmäßig geübt", erläutert Johannes Dirnberger. "Deshalb haben wir die Schule bereits am Montag geschlossen, einen Tag bevor das Kultusministerium die Schließung anordnete", sagt der 36-Jährige. "Aber wir waren vorbereitet und hatten alle Vorkehrungen getroffen", sagt Dirnberger, für den der Heimunterricht immerhin ein Gutes hat: "Die Digitalisierung ist jetzt im Lehrerberuf bei jedem angekommen", sagt er lächelnd. "Das ist zumindest ein Ziel, das wir durch den Corona-Virus erreicht haben", so der Schulleiter weiter.


Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Februar 2016 bei der Stimme. Zuvor war der ehemalige Fußballer als Radioreporter und Magazinmacher unterwegs. Für die HZ berichtet er überwiegend über Künzelsau und Umgebung.  

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