130 neue Lehrer für Künzelsau und Umgebung

Künzelsau  Spannende Zeiten für junge Lehrer: Auf den Pädagogennachwuchs warten viele Herausforderungen von der Qualitätsoffensive des Landes bis zu Schülerstreiks fürs Klima. 130 junge Lehrer sind im Schulamtsbezirk Künzelsau vereidigt worden.

Jungelehrervereidigung in Künzelsau: Auf dem Pädagogennachwuchs warten viele Herausforderungen von der Qualitätsoffensive des Landes bis zu Schülerstreiks fürs Klima

130 Junglehrer, die in den Landkreisen Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Main-Tauber unterrichten werden, haben an der Georg-Wagner-Schule in Künzelsau ihren Diensteid abgelegt.

Foto: Barbara Griesinger

Optimismus, Ideenreichtum und Tatkraft - das wünscht Ursula Jordan, Leiterin des Schulamts Künzelsau den neuen Lehrerinnen und Lehrern, die zwei Tage vor Schulbeginn in Künzelsau ihren Diensteid ablegen. Sie ist zwar bereits Schulamtsleiterin a.D., da die Amtsnachfolge aber "noch nicht ganz geklärt" ist, führt sie ein letztes Mal die insgesamt 130 Junglehrer, die in zwei Tagen ihren Dienst an den öffentlichen und privaten Schulen im Schulamtsbezirk aufnehmen, in ihr Amt ein.

Für die Junglehrer stünden die Ampeln in Zeiten des Lehrermangels nicht nur auf Grün, so Jordan. "Ihre Chancen sind sehr gut", betont sie und verspricht: "Es wird eine spannende Zeit." Denn im neuen Schuljahr, das in zwei Tagen beginnt, soll die seit zwei Jahren angekündigte Qualitätsoffensive des Landes beginnen.

Schule gestalten und aktuelle Themen in den Unterricht holen

Um die Vorgaben, die im Institut für Bildungsangelegenheiten Baden-Württemberg und im Zentrum für Schulqualität und Lehrerfortbildung ausgearbeitet wurden, umzusetzen, seien Fähigkeiten, Wissen und ehrgeiziger Einsatz der Pädagogen gefragt. "Im Referendariat konnten Sie Schule noch nicht groß gestalten", betont Jordan, "doch jetzt stehen Ihnen Tür und Tor offen." Deshalb komme eine "tolle Aufgabe" auf die jungen Lehrer zu.

Zumal auch die Schüler selbst zunehmend Bewegung in die Schule bringen würden. "Sie machen sich viele Gedanken über Globalismus, Umwelt, Klimawandel und setzen sich ernsthaft mit der Zukunft auseinander", betont die langjährige Künzelsauer Schulamtsleiterin und nimmt die Friday-for-Future-Demonstrationen in den Fokus. Lehrer könnten sich deshalb "nicht leisten, diese Themen im Unterricht außen vor zu lassen". Der Lehrplan gebe viel Spielraum, um diese Themen in den Unterricht zu integrieren.

Spielräume verantworungsbewusst nutzen

Auch Klassenarbeiten müssten nicht unbedingt an Freitagen geschrieben werden. Schließlich gebe es noch vier weitere Wochentage. "Haben Sie den Mut, diese Themen in den Unterricht und ins Kollegium zu bringen", gibt Ursula Jordan den 130 jungen Lehrern, die in der Georg-Wagner-Schule versammelt sind, mit auf den Weg. Bevor die jungen Pädagogen ihr Gelöbnis ablegen, das ihnen Rechte einräumt, Pflichten auferlegt, aber auch pädagogische Freiräume und Ermessensspielräume im Berufsalltag eröffnet, die es "mit Verantwortung auszufüllen gilt"(Jordan), heißt Florian Frank, Schulleiter der Georg-Wagner-Schule in Künzelsau, sie im Namen aller Schulleiter des Schulamtsbezirks willkommen.

Kombiniert mit Charthits aus den Jahren 2013 bis 2019 - von "Wake me up" bis "Old Town Road" - hat auch er so manchen Tipp für die Neuen im Kollegium parat. Die objektive Wissenschaft, die sie im Studium kennen gelernt haben, sollen sie für Schule und Unterricht ebenso nutzen wie die Netzwerke, die sie im Studium aufgebaut haben, um Materialien und Unterrichtsentwürfe auszutauschen. Vergessen sollen sie auch nicht die eigenen Sorgen, Ängste und Nöte in Examenszeiten. Denn ihnen würden sie im Schulalltag auch auf Seiten der Schüler wieder begegnen.

Wertschätzung für jeden Schüler

"Nehmen Sie die Schüler an, reichen Sie ihnen die Hand, das ist nun Ihre Aufgabe", fordert er auf. Denn an der Schule gehe es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um Wertschätzung. Deshalb sei es genauso wichtig, mit den Schülern in Beziehung zu gehen. Last but not least warnt Frank vor einem Fehler, den er selbst gemacht habe: zu glauben, die Welt, sprich die Schule, im Alleingang ändern zu können. Zielführender sei dabei die Teamarbeit mit Kollegen und Schulleitungen. Denn er weiß: "Wir werden viele Veränderungen haben." Und er ist sicher: "Das wird nur gelingen, wenn wir"s gemeinsam angehen."


Schulamtsbezirk in Zahlen

130 Nachwuchspädagogen treten ihren Dienst im Schulamtsbezirk Künzelsau an, davon 119 an öffentlichen Schulen, davon 38 im Hohenlohekreis, 41 im Main-Tauber-Kreis und 51 im Landkreis Schwäbisch Hall. Im Hohenlohekreis hofft man in den nächsten Tagen noch weitere sechs offene Stellen besetzen zu können. 43 der neuen Lehrer werden an Grund-, Haupt- und Werkrealschulen unterrichten, 38 an Gemeinschaftsschulen, 23 an Realschulen und 15 an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren im Schulamtbezirk. Er umfasst 180 öffentliche und private Schulen mit 1656 Klassen, in denen 32 348 Schüler von insgesamt 3300 Lehrern unterrichtet werden.


Lebensnaher Traumberuf

Ihre Schulen haben die jungen Pädagogen in der Bewerbungsphase bereits kennen gelernt. Und die Augen der meisten strahlen vor Freude aufs Unterrichten. Denn eins scheint alle neuen Lehrer zu einen: Unterrichten ist "der Traumberuf". Was am Lehrerberuf so schön ist, erklärt Saskia Kohler, die an der Realschule in Lauda unterrichten wird: "Der Umgang mit Kindern ist einfach schön und immer wieder berührend. Und es geht nicht nur um theoretisches Wissen, sondern darum, Dinge fürs Leben zu vermitteln."

Silke Leyh aus Bühlertann ist gleichermaßen auf Schüler wie Kollegen gespannt, die sie an der Georg-Wagner-Schule in Künzelsau erwarten, wo sie eine fünfte Klasse übernimmt. Zwar hätte sie am liebsten an einer Crailsheimer oder Schwäbisch Haller Schule ihre erste Stelle angetreten, doch mit dem Start in Künzelsau ist sie "voll zufrieden". Aufgrund der offenen und hilfsbereiten Atmosphäre habe sie sich schon beim Bewerbungsgespräch "sofort wohlgefühlt".

Kathrin Sturm kennt ihre Lehrerkollegen bereits. Sie übernimmt eine erste Klasse an der Schöntaler Max-Eyth-Grundschule, die sie bereits als Referendarin kennen gelernt hat. Sie hat nicht nur einen kurzen Schulweg von Gommersdorf nach Bieringen. Auch eine Schultüte hat sie bekommen: von Rektorin Madeleine Nied. Nun ist sie gespannt auf ihre ersten 25 ABC-Schützen.


Barbara Griesinger

Barbara Griesinger

Autorin

Ist seit 1991 im Hause Heilbronner Stimme tätig und gehört seit 1993 zum Redakionsteam der Hohenloher Zeitung. Sie schreibt übers Hohenloher Krankenhaus, soziale Themen und berichtet  vor allem aus dem Altkreis Künzelsau 

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