Eilantrag gegen Windrad bei Orlach

Braunsbach  Der Landesnaturschutzverband (LNV) und der Naturschutzbund (Nabu) haben einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Stuttgart eingereicht, um die Genehmigung für die Inbetriebnahme eines bereits errichteten Windrades in Braunsbach auszusetzen.

Von Norbert Acker
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Eilantrag gegen Windrad bei Orlach
Immer wieder sehen Naturschützer und Bürgerinitiativen Greifvögel von geplanten oder bestehenden Windrädern bedroht. Vor allem Rot- und Schwarzmilane zählen zu den sogenannten windkraftsensiblen Vogelarten.Foto: dpa

Die Anlage stehe mitten in den Brutrevieren von "vier streng geschützten, windkraftsensiblen Greifvogelarten", ist in einer gemeinsamen Presseerklärung der beiden Verbände zu lesen. In der Nähe der Anlage befinde sich unter anderem ein sogenanntes "Dichtezentrum des Rotmilans", wo besonders viele dieser Vögel brüteten.

Man habe bereits im April vergangenen Jahres Widerspruch gegen das Windrad eingelegt. Die Behörden hätten bislang nicht darauf reagiert und den Bau zugelassen. Das sei "inakzeptabel und unverantwortlich gegenüber dem Vorhabenträger und gegenüber der Natur".

Eilantrag betrifft ausschließlich die Anlage Orlach 6

Insgesamt fünf Windräder umfasst der Windpark bei Orlach und Zottishofen derzeit. Fünf weitere könnten noch hinzukommen. Der Eilantrag betrifft allerdings ausschließlich die Anlage Orlach 6. "Der Antrag ist uns bekannt", sagt Steffen Baumgartner, Leiter vom Stab des Landrats. "Betreffend des Eilantrags hat das Landratsamt beim Verwaltungsgericht Stuttgart die Zurückweisung beantragt", so Baumgartner. Die Entscheidung des Gerichts bleibe abzuwarten.

Gebaut worden sind die Windkraftanlagen bei Braunsbach von der Zeag Energie AG mit Sitz in Heilbronn. "Planung und Realisierung von Windkraftanlagen unterliegen strengen Vorgaben und setzen die Einhaltung umfangreicher Auflagen im Vorfeld voraus", sagt Anja Leipold, die die Öffentlichkeitsarbeit der Zeag verantwortet. "Dazu gehören unter anderem ornithologische Untersuchungen über Vorkommen und Verhalten von geschützten Greifvögeln."

Das Unternehmen nehme naturschutzrechtliche Vorgaben sehr ernst. Von 2012 bis 2015 habe man umfangreiche ornithologische Untersuchungen durch Experten auf Basis der Vorgaben der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg durchführen lassen. "Das ging weit über das hinaus, was der Gesetzgeber fordert", so Leipold. Es habe sich ergeben, dass die Regelungen zum Schutz von Greifvögeln eingehalten werden. "Die Genehmigungen wurden somit rechtlich und artenschutzfachlich rechtmäßig erteilt", betont sie.

Kritik von Braunsbachs Bürgermeister Frank 

Nabu und LNV weisen in ihrer Pressemitteilung darauf hin, dass es für die Akzeptanz der Energiewende von fundamentaler Bedeutung sei, dass die Genehmigungsbehörden Richtlinien und Vorgaben der Landesregierung konsequent befolgen würden. Der Verweis auf die Energiewende hingegen stößt Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch übel auf: "Unsere Politik und unsere Gesellschaft haben sich für die Energiewende entschieden − und das ist gut so."

Eilantrag gegen Windrad bei Orlach

Natürlich müsse man grundsätzliche Schutzkriterien für Mensch und Natur einhalten. Hierzu sei im Vorfeld fünf Jahre lang gearbeitet worden. Es sei grotesk, dass wegen eines vermeintlichen Tötungsrisikos von Greifvögeln an Windrädern juristisch gestritten werde. Demnach müsste man alle Autobahnen, Schnellstraßen und Eisenbahnlinien sofort sperren, da dort jeden Tag definitiv unzählige Vögel getötet würden.

"Ich missbillige das Vorgehen des privaten Naturschutzes gegen unsere Windräder zutiefst", sagt Harsch. Die Gemeinde Braunsbach stehe nach der Sturzflut vom 29. Mai 2016 vor enormen Herausforderungen. Er empfinde es als "schäbig", dass die Naturschutzverbände ausgerechnet beim Braunsbacher Projekt ihre Ablehnung gegen Windkraft zum Ausdruck brächten. "Meine Hoffnung ist, dass die Verbände die Klage zurückziehen und diesen ideologischen Irrweg irgendwann verlassen", sagt Harsch abschließend. "Wenn wir die Energiewende nicht hinbekommen, wird der Rotmilan ganz andere Probleme bekommen − und nicht nur der, sondern auch wir Menschen."

 

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