Der Rechenkönig erobert die Schule

Schöntal  Manfred Ellerbrock aus Bieringen erfindet Unterrichtsmaterial. Er hat vor 30 Jahren den Lehrerstempel in die Schulen gebracht.

Von Heike Kinkopf

Stempel erobern die Schule
Hat gut lachen: Manfred Ellerbrock führt rund 300 verkaufsrelevante Artikel im Sortiment. Das absolute "Top-Produkt" sei das Zahlenübungsheft.Foto: Heike Kinkopf

Zack. Der "Rechenkönig" landet im Mathe-Heft. Ein Smiley oder ein hoch gereckter Daumen unter den Hausaufgaben sagt alles, was Schüler und Eltern wissen müssen: Läuft. Richtig gut scheint es bei Manfred Ellerbrock zu laufen. Der 68 Jahre alte einstige Grund- und Hauptschullehrer aus Schöntal-Bieringen hat vor 30 Jahren den Lehrerstempel in die Schulen gebracht.

"Eigentlich ist alles aus Zufall entstanden", blickt Ellerbrock zurück. Alles − das ist sein Elbi-Verlag. Ob der Erfolg auf Zufällen basiert oder Erfindergeist und Geschäftssinn dahinterstecken? Sicher ist: Manfred Ellerbrock packt Chancen beim Schopf.

"Schulleiter wollte ich nie werden"

Offen, freundlich, gut gelaunt, sprudeln die Worte aus ihm heraus. Aufgewachsen in der DDR, nach dem Abitur Flucht über die Mauer in den Westen.

Ellerbrock wird Lehrer. Er unterrichtet Hauptschüler und kümmert sich um die Ausbildung neuer Lehrer. Nebenbei absolviert er ein BWL-Studium. Zu den beruflichen Stationen gehören Bietigheim-Bissingen, Untergriesheim, Neuenstadt und Westernhausen.

500 Stempel, vom Chef handgezeichnet

Stempel erobern die Schule

"Schulleiter wollte ich nie werden", schüttelt Ellerbrock den Kopf. Wohl aber sucht er eine Herausforderung neben dem Schuldienst. Die unternehmerische Tätigkeit "hat auch ein Vakuum gefüllt." 1985 wird Ellerbrock an die Grundschule in Neudenau entsendet. "Vorher hatte ich nur mit Jugendlichen zu tun", erinnert er sich. Jetzt heißt es plötzlich: "Herr Ellerbrock, kannst Du mir die Schuhe zu binden?"

Wie den Knirpsen Lesen, Schreiben und den Zahlenraum von eins bis 20 beibringen? Klar gibt es Lehrpläne, die konkrete Umsetzung bleibt dem Lehrer überlassen.

Ellerbrock − ein kreativer, schöpferischer Geist − findet seine Ideen für Unterrichtsmaterialen im Schulalltag. Aus der Praxis heraus entstehen die Übungshefte für die Kleinen und die Lehrerstempel, von denen es heute an die 500 Motive gibt − alle vom Chef persönlich handgezeichnet.

"Es ist mir aus der Hand gerissen worden"

Stempel erobern die Schule

Ellerbrock lässt vom Rechenübungsheft gleich zu Beginn 30.000 Exemplare drucken. Jede Grundschule in der Region erhält eins zur Ansicht. "Es ist mir aus der Hand gerissen worden", beschreibt er die Nachfrage. Das ist bis heute so geblieben.

Über Umsätze spricht Ellerbrock nicht. Wie gewinnbringend seine Einfälle sind, zeigen Prozesse, die er in der Vergangenheit mit der Konkurrenz führt. Nachahmer wollen ihm Ideen und Verlagsnamen streitig machen. Ellerbrock lässt sich kein X für ein U vormachen. Und mit Zahlen kennt sich der Unternehmer aus. Auch er ein "Rechenkönig".