Künzelsauer Krankenhaus-Zukunft weiter offen

Hohenlohe  Der Hohenloher Kreistag vertagt den Beschluss über die Annahme von Landes-Fördermitteln. Ein möglicher Investor ist der Krankenhausbetreiber Ameos. Und das Schweizer Unternehmen sieht eine Chance für den Erhalt beider Klinikstandorte.

Von Barbara Griesinger
Krankenhaus-Zukunft weiter offen
Kreisräte fordern mehr Zeit, um sich auf die Kreistagssitzung vorzubereiten, die die Weichen fürs Hohenloher Krankenhaus stellt. Erst am Freitag, 9. Juni, sollen Antworten auf die entscheidenden Fragen gefunden werden.Foto: Dennis Mugler

Der Kreistag vertagt die Entscheidung über die Zukunft des Hohenloher Krankenhauses. "Das ist genau das, was ich gehofft habe. Es ist gut, dass man die Tür nicht zuschlägt, wenn ein privater Krankenhausbetreiber eine Möglichkeit sieht, beide Standorte zu erhalten", kommentiert Christian von Stetten die Entscheidung, die Annahme der Fördermittel aus dem Krankenhausstrukturfonds und den Beschluss über die Zukunft des Künzelsauer Krankenhauses von der Tagesordnung der Kreistagssitzung am Donnerstag zu nehmen.

Das sieht Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann genauso, zumal der Künzelsauer Gemeinderat ihm gestern Abend einen Antrag auf Vertagung eben dieser beiden Tagesordnungspunkte in die Kreistagssitzung mitgegeben hat.

Offiziell hat die Vertagung der richtungsweisenden Kreistagsentscheidung nichts mit dem Ansatz der privaten Krankenhausgesellschaft zu tun: Mehrere Kreisräte hätten um mehr Zeit gebeten, sich mit der Materie auseinanderzusetzen, da die Sitzungsunterlagen sehr spät verschickt worden waren, so die Erklärung aus dem Landratsamt in Künzelsau. Dass es hinter den Kulissen in den Fraktionen nach der Mittwochsdemonstration in der vergangenen Woche durchaus rumort hat, ist mehr als wahrscheinlich.

Bewerber Ameos präferiert das Zwei-Standorte-Modell

Klar ist inzwischen, dass der Schweizer Krankenhausbetreiber Ameos, der im deutschsprachigen Raum Krankenhäuser, Pflege- und Eingliederungseinrichtungen betreibt, der bislang unbekannte Hoffnungsträger vieler Hohenloher ist. Ein Konzept für die beiden Klinikstandorte hat das Unternehmen indes noch nicht. "Das wäre etwas zu hoch gegriffen", sagt Christoph Arnold, Leiter Beteiligungserwerb und Integrationsmanagement in Zürich, auf Nachfrage unserer Zeitung. Grundsätzlich sehe das Unternehmen aber durchaus die Möglichkeit, beide Klinikstandorte zu erhalten. Ins Detail könne er noch nicht gehen, bevor das Unternehmen die konkreten Verhältnisse geprüft habe. "Unsere Präferenz liegt aber auf dem Zwei-Standorte-Modell." Einen Eindruck vom Zustand der beiden Klinikbauten in Künzelsau und Öhringen und damit vom Investitionsbedarf hat sich Ameos gestern vor Ort in Hohenlohe verschafft.

Die private Krankenhausgesellschaft habe viel Erfahrung mit vergleichbaren Kliniken mit ähnlichen Strukturen und Größenordnungen, so Arnold. In dezentralen Klinikstrukturen sieht sie durchaus Vorteile, "weil man so mehr Patienten erreicht, die sonst wohl abwandern würden." Auch zurückgewinnen könne man Patienten mit wohnortnahen Strukturen leichter. Dass im näheren Umkreis des Hohenloher Krankenhauses gleich mehrere renommierte Kliniken als Mitbewerber etabliert sind, stört das Schweizer Unternehmen nicht. Diese Situation sei Ameos nicht fremd.

Bürgerinitiative begrüßt auch privaten Investor

 "Wir begrüßen jede Möglichkeit, in Hohenlohe eine wohnortnahe Versorgung aufrechtzuerhalten", so BI-Sprecher Dr. Andreas Eckle. Wenn Ameos die Standorte aufrechterhalten könne, könne es nicht sein, dass dies bereits im Vorfeld abgelehnt werde. In einem privaten Krankenhausbetreiber sieht er kein grundsätzliches Problem. Während in Deutschland vor allem kommunal geführte Kliniken in roten Zahlen steckten, müssten gemeinnützige und private Betreiber Gewinne ausweisen und seien damit zum Erfolg gezwungen. "So gesehen ist auch kein Unterschied zwischen gemeinnützig und privat."

 


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