Kfz-Zulassungsstelle: Übergangszeit kann lang und hart werden

Öhringen  Die Kfz-Zulassungsstelle in Öhringen ist ein Auslaufmodell. Unklar ist, wann sie tatsächlich schließen wird. Das kann noch Jahre dauern.

Von Ralf Reichert
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Die Kfz-Zulassungsstelle in der Hindenburgstraße 58 bleibt vorerst erhalten. Die Übergangszeit bis zur Schließung kann mehrere Jahre dauern. Foto: Ralf Reichert

Die Übergangszeit wird schwierig, denn räumlich und personell bleibt die Lage sehr angespannt. "Die Zulassungsstelle war bereits tage- und stundenweise geschlossen", erklärt Landrat Matthias Neth. "Wir arbeiten zwar mit Springern, und Kollegen aus Künzelsau helfen hier und da aus", so Neth. An vereinzelten Tagen gebe es aber nur eine Lösung: früher oder ganz zumachen und die Bürger auf Künzelsau verweisen.

Vier Vollzeit- und vier Teilzeitkräfte erledigen die Arbeit in der Zulassungsstelle. Doch es gibt immer wieder Ausfälle, zum Teil dauern diese krankheitsbedingten Fehlzeiten lange an. Das liegt auch an den Arbeitsbedingungen. "Insgesamt ist der Raum viel zu klein", sagt Neth. Und baulich nur schwer zu optimieren. "Wir haben an der Decke etwas probiert mit dem Lärmschutz." Doch es verbesserte sich nur wenig.

Kunden müssen Schlange stehen 

Weil es keine Wartezone gibt, stehen Kunden bisweilen weiter Schlange: vor dem Gebäude. Der Annahmeschluss muss immer wieder nach vorne gezogen werden. Wer danach eine Marke zieht, hat Pech gehabt. Man könne schwer abschätzen, wann wie viele Leute kommen, erklärt Neth. Diese "Grundlast zu steuern", wäre nur möglich, wenn der Bearbeitungstermin online reserviert werde und es dafür einen eigenen Schalter gebe. Das sei in Öhringen unter diesen Voraussetzungen unmöglich.

Nach dem Willen des Landrats wären all diese und andere Probleme längst Vergangenheit, wenn er sich mit seinem Ansinnen durchgesetzt hätte, die Zulassungsstellen Öhringen und Künzelsau zum 1. Januar 2017 in der Kreisstadt zu vereinen. Doch Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler machte ihm einen Strich durch die Rechnung, nachdem das Thema im Juli 2016 für mächtig Wirbel gesorgt hatte.

Seit 30. September steht fest: Die Kfz-Zulassungsstelle in Öhringen bleibt fürs Erste erhalten. Wann sie geräumt und nach Künzelsau verlagert wird? Das hängt davon ab, ob und wie schnell ein möglicher Klinikneubau Wirklichkeit wird. Denn das Gebäude in der Hindenburgstraße 58 wird erst dann abgerissen, wenn die Frage der Flächennutzung geklärt ist.

Zweitens würde eine Zusammenlegung erst Sinn machen, wenn das neue Landratsamt fertig ist. Und drittens die Digitalisierung der Kfz-Zulassung so weit vorangeschritten ist, dass wirklich nur noch eine Stelle an einem Standort nötig ist, weil vieles online erledigt werden kann und immer weniger Bürger persönlich in der Behörde erscheinen müssten.

Jahrelange Unsicherheit

Der Haken: Keiner kann auch nur annähernd abschätzen, wann diese drei Punkte erfüllt sein werden. Ein Klinikneubau in Öhringen? Kann in fünf, aber auch erst in acht oder zehn Jahren stehen. Dasselbe gilt fürs neue Landratsamt in Künzelsau. Und bis die Digitalisierung der Kfz-Zulassung flächendeckend so umfassend funktioniert, wie sich das die Politik immer ausmalt, dürften ebenfalls noch etliche Jahre ins Land ziehen.

Das Provisorium Öhringen wird dadurch nicht besser − und die Probleme nicht weniger. Für das Personal wie für die Kunden. Schlechte Arbeitsbedingungen, die auf die Gesundheit schlagen; genervte Bürger, die im Freien warten müssen; anhaltende Personalnot, die nur durch Künzelsauer Kräfte kompensiert werden kann: Das waren längst nicht alle Gründe, die der Landrat im Juli 2016 genannt hatte, um die rasche Schließung zu begründen. Auch die Lage sei unsicher, das Gebäude bereits von Dieben heimgesucht worden und der Datenschutz wegen der geringen Schalterabstände nicht gewährleistet. 

 

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