Die Straße endet für beide in der Ewigkeit

Vor 50 Jahren verunglückte James Dean - Rolf Wütherich saß neben ihm und kam 1981 in Kupferzell ums Leben

Von Jürgen Kümmerle

Die Straße endet für beide in der Ewigkeit
Am 18. April 1979 signierte Rolf Wütherich seiner Chefin Inge Eckert aus Kupferzell diese Autogrammkarte, die den Porsche-Mechaniker (links) gemeinsam mit James Dean im 550er Spyder zeigt. (Foto: privat)

Am 30. September 1955 herrscht wunderbares Wetter in der Ortschaft Cholame im US-Bundesstaat Kalifornien. Wenige Kilometer entfernt rast James Dean mit seinem Porsche 550 Spyder, den er Little Bastard nennt, über den staubigen Asphalt des Highway 466, der heute 46 heißt. An der Abzweigung zur Route 41 bemerkt er den abbiegenden Ford Sedan zu spät. Donald Turnupseed, der Fahrer des 1950er-Ford, sieht den heranbrausenden Porsche nicht. Gegen 17.45 Uhr kracht der silberfarbene Aluminiumsportwagen mit überhöhter Geschwindigkeit in den Sedan. James Dean ist sofort tot. Er stirbt mit 24 Jahren - und mit ihm das Idol einer ganzen Generation.

An jenem 30. September sitzt James Dean nicht alleine in seinem 550er-Spyder. Der in Heilbronn geborene Rolf Wütherich, als talentierter Porsche-Mechaniker 1955 in die USA ausgewandert, wird bei dem Aufprall aus dem Wagen geschleudert - und überlebt schwer verletzt. Beide Hüften und den Kiefer hat sich der damals 28-Jährige gebrochen. Vier Tage ist er bewusstlos und verbringt danach Monate im Krankenhaus.

In diesen Tagen wird seine Geschichte wieder lebendig. Auch für viele Menschen in der Region. Der Lebens- und letztlich auch Leidensweg eines Mannes, der traurige Berühmtheit erlangt hat. Der nie über die Geschehnisse des Jahres 1955 hinwegkommt und am Ende daran zerbricht. Und dennoch ist bei vielen Hohenlohern ein ganz anderer Rolf Wütherich in Erinnerung geblieben.

Rückblende. Vier Jahre nach James Deans Unfall kehrt er aus den USA ins Zuffenhausener Porschewerk zurück. Von seinen Kollegen wir er als psychisch labil und stellenweise depressiv beschrieben. Einer davon war der Stuttgarter Hermann Schätzle. "Nach dem Unfall war Roland Wütherich kein rational handelnder und denkender Mensch mehr. Sein Verhältnis zu Vorgesetzten war untragbar und wenn er was getrunken hatte, ist er ganz durchgedreht", schildert Schätzle.

Rolf Wütherich war nie mehr der Mensch, der er zuvor war. Möglicherweise die Folge permanenter Schuldzuweisungen hysterischer Dean-Fans. Auf Dauer hält er es nirgends und mit niemandem mehr lange aus. Vier Ehen zerbrechen in kürzester Zeit, 1967 sticht er seine Frau nieder. Sie überlebt.

Alles Umstände, die ihn im Februar 1968 dazu bewegen, bei Porsche auszuscheiden. Danach folgen Stationen in Norddeutschland und Köln, ehe er im März 1979 zum damaligen Honda-Vertragshändler Eckert nach Kupferzell kommt.

"Rolf Wütherich war fachlich ein einwandfreier Mitarbeiter", beschreibt Roland Eckert das ehemalige Porsche-Ass. "Allerdings war er persönlich instabil und psychisch angeschlagen", erzählt der Firmeninhaber weiter, der selbst ein großer Porsche- und James-Dean-Fan ist. "Natürlich kannte ich die Geschichte von Dean und seinem Mechaniker und konnte es nicht glauben, dass Wütherich bei mir anfangen sollte", schwärmt Eckert und gibt zu, dass dies auch ein wenig den Ausschlag seiner Anstellung geben hat. "Er war irgendwo zwischen Fachmann und Spinner angesiedelt", beschreibt Eckert.

Eine zwiespältige Persönlichkeit bleibt Rolf Wütherich Zeit seines Lebens. Auch in seinen letzten Hohenloher Jahren. Daran erinnert sich Martha Suleder von der damaligen Feßbacher Gaststätte Zur Sonne nur zu gut: "Ich kann nichts Negatives über ihn sagen. Bei mir hat er sich stets gut benommen und nie übel aufgeführt." Allerdings ist auch ihr bekannt, dass er wohl ab und zu einen über den Durst getrunken haben soll.

Das Leben im ländlichen Hohenlohe war für ihn nicht einfach. Der ehemaligen Porsche-Kollegin Thora Hornung berichtet Wütherich, wie er von James Dean zu sämtlichen Partys in Hollywood geschleppt wurde. "Ich kurvte durch Malibu als wäre es Feuerbach", erzählte Wütherich nicht ganz ohne Stolz.

Trotzdem unternimmt er den Versuch, sich im ländlichen Vereinsleben einzufügen. Am 20. Juli 1981 berichtet der Kegler Hugo Oettinger: "An jenem Montagabend war Rolf bei uns Gastkegler in Haag. Gegen 22.30 Uhr bin ich nach Hause gefahren und Rolf wollte noch weiter nach Öhringen." Wenig später ertönt beim damaligen Feuerwehrkommandanten Oettinger der Alarm. Verkehrsunfall in der Künzelsauer Straße in Kupferzell.

Zwei Tage nach dem Unglück berichtet die Hohenloher Zeitung: In einer langgezogenen Kurve geriet er mit seinem Honda infolge überhöhter Geschwindigkeit und vermutlich alkoholischer Einwirkung von der Fahrbahn ab und prallte gegen eine Hausmauer. Der Fahrer, der nicht angeschnallt war, erlitt tödliche Verletzungen.

Rolf Wütherich wurde 54 Jahre alt.

Die ARD zeigt heute um 23.30 Uhr den Film James Dean - mit Vollgas durchs Leben . Auch Freunde von Rolf Wütherich wurden interviewt.