Würth-Konzernchef Friedmann: Würth baut zweiten Sitz in der Schweiz (12.12.08)

Künzelsau - Alle Würth-Gesellschaften im Ausland werden ab Januar von der Schweiz aus geführt. In Rorschach am Bodensee errichtet das Unternehmen zu diesem Zweck einen zweiten Firmensitz. Die Konzernführung um ihren Chef Robert Friedmann wird dort künftig einen Teil ihrer Zeit verbringen. Mit ihnen sollen maximal 50 Beschäftigte aus dem direkten Umfeld der Firmenspitze in die Schweiz ziehen. Das bestätigte Friedmann im Gespräch mit Manfred Stockburger.

Schnee auf dem Tannenbaum und eine Schweizer Fahne vor Stammsitz: Würth managt den Auslandskonzern künftig nicht mehr von Künzelsau aus. Foto: Stolla/Montage

Künzelsau - Erbschaftssteuer, Konjunkturkrise und Zukunftsausrichtung. Fragen an den Würth-Konzernchef gibt es derzeit mehr als genug. Im Gespräch mit Manfred Stockburger bestätigte Robert Friedmann (Foto: dpa), dass ein Teil der Konzernführung im Januar in die Schweiz ziehen wird.

Kurz vor dem Jahreswechsel bauen Sie den Würth-Konzern um. Was wird sich verändern?

Bilanz Würth-Gruppe - Friedmann Robert Friedmann: Wir werden künftig den Konzernsitz an zwei Standorten haben. Neben Künzelsau wird es den Standort Rorschach in der Schweiz geben. Schon seit 42 Jahren hält Würth International in Chur die Beteiligungen an den ausländischen Gesellschaften. Wir haben dort heute bereits Funktionen, die ausschließlich dem Auslandskonzern dienen, etwa die Beteiligungsverwaltung und das Thema der Finanzierung. Die Idee ist, diese Aktivitäten durch die Ansiedlung der Konzernführung in Rorschach etwas mehr zusammenzuführen. Ab Januar werden wir alle Auslandsaktivitäten von Rorschach aus steuern.

Würth macht etwa zwei Drittel des Umsatzes im Ausland. Heißt das, dass auch zwei Drittel der Konzernführung in die Schweiz verlegt werden?

Friedmann: Es wird schwierig sein, das genau aufzuteilen. Die Dinge, die Deutschland betreffen, werden auch in Zukunft in Deutschland gemacht. Alles, was den Auslandskonzern betrifft, wird zukünftig von Rorschach aus organisiert.

Wo wird der Konzernchef sitzen?

Friedmann: Ich habe dann ein Büro in Künzelsau und ein Büro in Rorschach.

Dann werden Sie wohl eine regelmäßige Flugverbindung einrichten, morgens hin, und abends zurück?

Friedmann: Das wird sich zeigen, wie das läuft. Man wird sicherlich Zeitblöcke haben, in denen man entweder in Künzelsau oder in Rorschach ist.

Das Gebäude in Rorschach ist ja noch im Planungsstadium.

Friedmann: Wir haben dort eine Immobilie angemietet, die für etwa 30 Mitarbeiter Arbeitsplätze bietet. Das ist mal der Start. So etwas muss ja auch wachsen. In der Endausbaustufe werden es dort maximal 50 Mitarbeiter sein, die dem engeren Konzernstab zuzurechnen sind.

Wird Würth eine Schweizer Firma?

Friedmann: Der Ort, an dem die Konzernführung sitzt, sagt noch nichts über die Nationalität eines internationalen Konzerns aus.

Wo wird der Beirat sitzen?

Friedmann: Er wird künftig sicherlich an beiden Standorten tagen.

Welche Auswirkungen hat der zweite Konzernsitz auf die Steuer?

Friedmann: Überhaupt keine.

Wenn Sie keine Steuern sparen, warum dann der ganze Aufwand?

Friedmann: Es erscheint uns einfach angebracht, noch stärker zu unterscheiden zwischen dem, was in Deutschland geschieht und dem, was das Ausland betrifft. Schließlich erwirtschaftet die Würth-Gruppe ihren Umsatz inzwischen zu 60 Prozent außerhalb Deutschlands - mit steigender Tendenz.

Hat die Entscheidung etwas mit der Erbschaftssteuer zu tun? Reinhold Würth hatte sich im Sommer ja dementsprechend geäußert?

Friedmann: Nein. Erstens hat der Bundespräsident das Gesetz noch nicht unterschrieben. Wenn es in Kraft tritt, dann glauben wir nicht, dass es 2017 noch gelten wird, wenn das Thema für uns relevant wird.

Welche Auswirkungen wird der Schritt auf das operative Geschäft in Künzelsau haben?

Friedmann: Das, was hier in Künzelsau gewachsen ist, wird auch künftig hier weiter wachsen. Das ist natürlich von der weiteren Entwicklung der Konjunktur abhängig. Es ist zurzeit schwierig zu sagen, wann der Erweiterungsbau in Gaisbach realisiert werden kann.

Was ist mit der Kongress-Halle?

Friedmann: Es gibt bei uns im Unternehmen A- und B-Investitionen. So ein Kulturzentrum ist ganz klar eine B-Investition. Es hängt vom Konjunkturverlauf ab, ob die Halle gebaut wird oder nicht.

Ich höre weder ein Ja noch ein Nein?

Friedmann: Richtig. Weil die konjunkturellen Aussichten unsicher sind.