Widerstand gegen Windräder

Kupferzell  Kupferzell - In Rüblingen gibt es mächtig Ärger. Südlich des Ortes sollen zwei Windräder gebaut werden, doch die Bewohner wollen das verhindern. Sie haben Unterschriften dagegen gesammelt. Noch bis Mitte Mai sollten zwischen Eschental und Rüblingen sechs Windräder gebaut werden: der Windpark Goggenbach.

Von unserer Redakteurin Juliane Renk
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179 Meter hoch ist dieses Windrad im Kreis Ludwigsburg.Foto: Archiv/Schwarz

Kupferzell - In Rüblingen gibt es mächtig Ärger. Südlich des Ortes sollen zwei Windräder gebaut werden, doch die Bewohner wollen das verhindern. Sie haben Unterschriften dagegen gesammelt. Noch bis Mitte Mai  sollten zwischen Eschental und Rüblingen sechs Windräder gebaut werden: der Windpark Goggenbach. Doch inzwischen zeigt sich: Der ursprüngliche Plan kann so nicht umgesetzt werden.

Klage

Anlage Nummer zwei auf Gemarkung Feßbach-Rüblingen wird es nicht geben, sagt Bürgermeister Joachim Schaaf. Der Eigentümer, der namentlich nicht genannt werden will, hat seine einstige Zustimmung per Rechtsanwalt zurückgezogen. Bei einem Abstand von 500 Metern fühle er sich räumlich bedrängt und bekäme den Schatten der Windflügel auf seinem Grundstück zu spüren, erklärt er gegenüber der HZ. Die Lichtreflexionen des Schattens werden oft mit dem Diskoeffekt verglichen.

Außerdem fühle er sich von der Gemeinde hintergangen, weil in der Planung nur von fünf Windrädern die Rede gewesen sei. Nach seiner Unterschrift habe er plötzlich von einem sechsten erfahren. Auch der Schatten zweier weiterer geplanter Windräder falle auf sein Wohneigentum. Außerdem sei dies kein 1-A-Standort, weil er in der Niedrigwindzone liege. Er sei nicht sicher, ob sich die Anlage dort rechne.

Aus Mangoldsall, Eschental und Feßbach hört man ebenfalls kritische Stimmen. Was aber nicht heißt, dass die möglichen Windrad-Anrainer generell gegen diese Energieform sind. Für einige, besonders in Rüblingen, ist es vor allem eine Frage des Standorts. Der Schattenwurf von mindestens zwei Windrädern, die auf der Gemarkung Feßbach-Goggenbach stehen, würde auf die Grundstücke in Rüblingen fallen. Weil die Anlagen im Süden stehen sollen, wären die Balkone und Terrassen der Anwohner betroffen. Zudem fürchten sie den Lärm der Windräder und mögliche negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Das wollen sich die Rüblinger nicht gefallen lassen.

Nicht gegen Bürger

Rund 130 von 180 Einwohnern des Ortes haben ihren Namen auf eine Unterschriftenliste gesetzt, um zu zeigen, dass sie keine Windräder im Süden von Rüblingen wollen. Das Schriftstück übergaben sie am 18. Juni in einer Ortschaftsratssitzung an Schaaf.

Nachdem viele der Anwesenden ihren Sorgen über die geplanten Windkraftanlagen 1 und 2 Luft gemacht hatten, sagte Schaaf: "Wenn die Rüblinger Bürger diese zwei Windräder nicht wollen, werden sie nicht gebaut." Im Gespräch mit der HZ betont er ebenfalls: "Ich baue keine Anlagen gegen den Willen der Bürger." Er werde im Gemeinderat gegen den Bau der Anlagen stimmen.

Zugleich gab er aber zu Bedenken, dass er nur eine Stimme im Rat habe. Darüber hinaus müssten sich die Gemeinden Waldenburg, Neuenstein und Kupferzell auf die Abstände zwischen Mischgebieten, Wohngebieten und den Anlagen einigen, sagte Schaaf. "Wenn wir auf den Abstand 1000 Meter gehen, ist der Windpark Goggenbach komplett weg", fügte Schaaf hinzu.

Neuenstein und Waldenburg werden sich wahrscheinlich an die im Winderlass empfohlenen Abstände halten. Demnach dürfen Windräder, die 700 Meter zu Wohngebieten entfernt liegen, und solche, die in einem Abstand von 500 Metern zu Dorfmischgebieten stehen, gebaut werden. Der Erlass erlaubt aber ein Abweichen: "Von diesem pauschalisierten Vorsorgeabstand können die Kommunen im Einzelfall aufgrund einer eigenständigen gebietsbezogenen Bewertung abweichen".

Abstand

Das erklärt, warum Städte und Gemeinden unterschiedliche Abstände wählen. Während die Künzelsauer mit 1000 Metern Entfernung von Wohngebieten zu Windrädern planen, genügen den Öhringern 500. Mit welchem Abstand die Anrainer des Windparks Goggenbach rechnen müssen, wird sich laut Bürgermeister Schaaf noch vor den Sommerferien klären. Die Baukosten sind grob kalkuliert. Bei fünf Anlagen wären es etwa 20 Millionen Euro, bei vier Windrädern 16 Millionen. Mit eingerechnet sind die Fundamente, die Kosten für Wege sowie Kräne, Stromanschlüsse und eine Funktion, die dafür sorgt, dass die Anlage bei Schattenwurf auf Häuser stillsteht.

Artenschutz

Derzeit untersuchen sechs Experten im Gebiet des Windparks die Tier- und Pflanzenwelt. Der HZ ist bekannt, dass der Schwarz- und Rotmilan, etliche Bussardarten, Fledermäuse, eine Schleiereule, die Mönchsgrasmücke, verschiedene Spechtarten und ein Uhu dort umherfliegen. Nistplätze solcher gefährdeter Vögeln müssen 1000 Meter von Windrädern entfernt liegen. Über diese ist aber noch nichts bekannt. Nicht nur den offiziell beauftragten Biologen liegen die Vögel am Herzen, auch Volker Bauer aus Eschental hat sie drei Wochen lang beobachtet und Protokolle erstellt. Weil er das Gefühl hat, dass in der Gemeinderatssitzung im Mai das Thema Arten- und Landschaftsschutz äußerst oberflächlich behandelt worden ist.

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Bürgermeister Joachim Schaaf

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