Weißbacher Schlössle unterm Hammer

Weißbach - Das Grundstück ist 2,3 Hektar groß, die denkmalgeschützte Fabrikantenvilla kommt auf 490 Quadratmeter Wohnfläche, hinzu kommen 730 Quadratmeter im Nebengebäude sowie ein 335 Quadratmeter großer Keller. Jetzt wird das Gebäude zwangsversteigert.

Von Heiko Fritze

Weißbach - Es ist ein Haus der Kontraste, das da am Freitag, 22. Oktober, zwangsversteigert wird: Idyllisch gelegen, aber als Nachbar eine Bauunternehmung. Mit noblem zentralem Treppenhaus, aber im Obergeschoss mit allen Zeichen des Verfalls. Mit dem Wappen der Hornschuchs über dem Eingangsportal, aber Teil einer Insolvenzmasse. Unter Denkmalschutz, aber fast schon abbruchreif. Das Weißbacher Schlössle hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen.

Dass es so weit kommen konnte, ist Teil der wechselvollen Wirtschaftsgeschichte der kleinen Gemeinde. Dort gibt es zwar seit mehr als 100 Jahren eine Konstante – die Konrad Hornschuch AG. Aber parallel zu den mehrfachen Besitzerwechseln beim größten Arbeitgeber ging auch die Villa, in der einst die Eigentümerfamilie wohnte, durch mehrere Hände. Und nicht alle behandelten sie gut.

Seit 1996 gehörte das Schlössle, wie das 1922 gebaute Gebäude im Volksmund genannt wird, dem Pfedelbacher Lastwagen- und Immobilienhändler Heinz Stengel. Damals erwarb er den Bau zusammen mit dem Öhringer Unternehmer Hans-Jochem Grabert, Inhaber eines Handwerksbetriebes – nach Informationen unserer Zeitung für eine Million Mark. Gemeinsamer Plan war die Gründung eines Altenheims im alten Gemäuer. „Das wäre mir die sympathischste Lösung gewesen“, sagt heute der Weißbacher Bürgermeister Rainer Züfle.

Drogenbaron

Doch im Jahr 2000 trennten sich die Wege der beiden Investoren, Heinz Stengel übernahm alle Anteile am Schlössle. Längst war das Gebäude vermietet worden. „Da war aber ständiger Wechsel drin“, erzählt Karl-Heinz Dorfi. Er hat das unmittelbar mitbekommen – im Juni 1996 kaufte er, wie er berichtet, für seinerzeit 450.000 Mark aus dem Schlössle-Areal jenes Grundstück, auf dem sich heute der Bauhof seiner Bauunternehmung befindet. „Am längsten hielt es der Drogenbaron im Schlössle aus“, sagt Dorfi.

Gemeint ist Daniel M., der im Juli 2006 von der Polizei verhaftet wurde. Er hatte seit Mai 2003 im Schlössle auf allen drei Etagen Hanf angebaut, gestand er. Alleine 1200 Pflanzen stellte die Polizei sicher. Der damals 30-Jährige wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Außerdem hatte er die dazugehörigen Stallungen 2005 und 2006 unerlaubt untervermietet – eine damals 38-Jährige wurde 2008 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie dort Pferde verwahrlosen ließ. Schließlich stritten sich seit Ende 2006 auch Stengel und sein Grundstücksnachbar Dorfi – zunächst ging es um angeblich illegale Bauschuttablagerungen, dann um die Zufahrt zum Schlössle. Stengel wollte, wurde damals berichtet, das Gebäude für 880 000 Euro verkaufen.

Insolvenzmasse Im Februar 2008 war es dann soweit: Christiana Hatzilazarou, Inhaberin der Firma CMI Internationaler Nutzfahrzeughandel in Neuenstein, übernahm das Areal von Stengel. Aber wohl auch wegen dieser Investition folgte nur zwei Jahre später, im März diesen Jahres, der Insolvenzantrag.

Zwangsversteigerung

Inzwischen ist Rechtsanwalt Walter Eckelmann aus Heilbronn Insolvenzverwalter. Und Gläubiger wie zum Beispiel die Sparkasse Vorderpfalz mit Sitz in Ludwigshafen haben nun die Zwangsversteigerung des zur Insolvenzmasse gehörenden Geländes durchgesetzt, bestätigt er.

Sie findet am Freitag, 22. Oktober, um 9.45 Uhr im Amtsgericht Künzelsau statt.

Der Verkehrswert wurde auf 172.000 Euro festgesetzt. Immerhin: Das Grundstück ist 2,3 Hektar groß, das denkmalgeschützte Schlössle kommt auf 490 Quadratmeter Wohnfläche, hinzu kommen 730 Quadratmeter im Nebengebäude sowie ein 335 Quadratmeter großer Keller im Hang. Experten schätzen aber, dass alleine die Renovierung des Hauptgebäudes gut eine halbe Million Euro kosten wird, das Nebengebäude sei wohl sogar abbruchreif. „Und einen Kläranlagenanschluss gibt es auch nicht“, ergänzt Bürgermeister Züfle. Wer immer das Schlössle ersteigert – er hat erst einmal eine Menge Arbeit und Ausgaben vor sich, um das Kleinod zu retten.

Schlössle-Bauherr

Obwohl die Fabrikantenvilla vor allem als langjähriger Wohnsitz der Familie Hornschuch bekannt ist, war diese nicht der ursprüngliche Besitzer: 1922 ließ Kurt von Kleefeld, Kammerpräsident von Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen, an der Stelle des Verwaltungsgebäudes der Oberen Saline von 1784 den repräsentativen Bau errichten. Kurt von Kleefeld gilt als letzte Person, die in Deutschland einen Adelstitel erhielt – am 12. November 1918, auf Antrag des Fürsten Hohenlohe-Oehringen. In Kassel geboren, war er Geschäftsführer des Hansabunds, ehe er für die Fürstenfamilie die Gruben und Industrieunternehmen in Oberschlesien sanierte. 1929 erwarb von Kleefeld auch die Ruine Forchtenberg, die nach seinem Tod 1934 wieder an die Stadt Forchtenberg fiel. 1932 trennte er sich vom Öhringer Fürstenhaus und zog in die Schweiz. 

 


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