Viele Vorschläge, wie NVH sparen kann

Hohenlohe - Die Telefonaktion der HZ zeigte: Das Thema Nahverkehr beschäftigt die Leser, die die Initiative lobten.

Von Yvonne Tscherwitschke
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Vor allem Schüler nutzen den öffentlichen Nahverkehr. Darauf sollte man die Pläne abstimmen, fordern die Leser.Foto: Archiv/Tscherwitschke

Hohenlohe - Mehr Zubringerbusse auf wenigen Hauptlinien, Bürgertaxis und ein reduziertes Angebot an den Wochenenden: Auf diesen Nenner lassen sich die Sparvorschläge der Leser bringen. Die Telefonaktion der HZ zeigte: Das Thema Nahverkehr beschäftigt die Leser, die die Initiative lobten. Hier eine Auswahl der Anregungen:

Kurt Baumann aus Windischenbach würde die Busfahrer fragen, welche Linien überflüssig sind. Dann aber fällt ihm ein: Die Busfahrer wollen ihren Job behalten und die privaten Busunternehmen ihre Kilometer erbringen − für die der Nahverkehr und damit die Hohenloher zahlen.

Witze

Eine andere Leserin, Renate Specht aus Westernhausen, weiß sogar drei Busse, die leer fahren: "Jeden Samstag kommen gegen acht Uhr ein großer und dann zwei kleine Busse. Alle sind leer, es steigt keiner aus, es steigt keiner ein", hat sie mit ihrem Wanderverein beobachtet. "Da machen wir schon immer unsere Witze darüber." Überhaupt würde sie an den Wochenenden im ganzen Jagsttal Busse streichen. "Die fahren alle leer."

Regina Hollenbach aus Kupferzell würde das Problem der teuren Leerfahrten und der weitverzweigten Linien anders lösen: "Warum macht man nicht viele kurze Zubringerlinien zu großen Hauptlinien Richtung Künzelsau und Öhringen?" Sie weiß, dass zwei Busse aus Richtung Künzelsau durch Neufels Richtung Neuenstein fahren. Leer. "Wir fahren doch auch mit dem Auto auf die Autobahn, um dort schnell voran zu kommen", hielte sie kurze Wege über die Dörfer für sinnvoll. Außerdem vermisst sie Übersichtlichkeit und Gewissheit in den Fahrplänen: "Montag bis Freitag ist es anders wie samstags, und samstags in den Ferien ist es noch mal ganz anders als an anderen Samstagen." Einfacher wäre es, findet sie, man wüsste, der Bus fährt immer um 8 Uhr.

Endstation

Auch Helga Schissler aus Bitzfeld ist mit dem Fahrplan unzufrieden: "Wenn man mit dem Bus vom Ort zur Stadtbahnhaltestelle fährt, steht man entweder noch eine halbe Stunde in der Kälte oder man sieht die S-Bahn von hinten", hat sie schon oft erlebt. "Oder man kommt mit Taschen und Koffern an und nicht mehr weg." Sie bemängelt, dass es der NVH nicht schaffe, die Bustaktung auf die S-Bahn abzustimmen. "Es kann nicht sein, dass man in Bitzfeld aussteigt und dann ewig kein Bus kommt."

Alte Verkehrsströme müssen nicht mehr heutigem Verhalten entsprechen, meint eine Leserin aus Pfedelbach. Sie sieht an den Wochenenden immer den Bus von Pfedelbach nach Geißelhardt leer an ihrem Haus vorbei fahren.

Manfred Leischner aus Künzelsau hat die Linie 7 (Gaisbach − Haag − Kubach − Feßbach − Kupferzell − Belzhag − Hohebuch − Waldenburg) im Blick. Und sagt: "Nur um 7 Uhr morgens ist die Fahrstrecke gekürzt. Seit Jahren habe ich weder morgens noch abends Fahrgäste aus den kleineren Orten ein- oder aussteigen sehen." Die wenigen Fahrgäste aus den kleinen Orten könnte man mit Taxibussen günstiger nach Bedarf versorgen.

Gisela Gruber würde an den Wochenenden rund um Bieringen den Rotstift ansetzen. "Und auch unter der Woche müsste nicht jede Stunde ein Bus fahren."

Antje Herzog kennt sich in Gleichen aus und weiß: "Zwischen 14 und 15.45 Uhr fahren vier Linien nach Öhringen. Da zwei der Verbindungen kaum genutzt werden, könnte man sie streichen, wenigstens die Verbindung von Öhringen nach Gleichen um 16.43 Uhr."

Marina Zöllner-Schmitz aus Oberhof ärgert sich: "Da fährt der Kindergartenbus seit Jahren sechsmal am Tag − auch in den Ferien − leer. Ein Ruftaxi hätte viele tausend Euro gespart." Mit der Linie 71, die Oberhof bedient, hätte man aber keinen Anschluss an die Busse von und nach Künzelsau. "Viele Leute haben Probleme mit dem NVH. Doch jeder wird so abgefertig, dass man nur einmal nachfragt, ob etwas geändert wird. Es ist gut, dass Sie sich damit befassen", schreibt Marina Zöllner-Schmidt. Ganz ähnlich äußern sich sechs weitere Leser.

Susanne Loeber weiß: 95 Prozent der Fahrgäste aus dem Jagsttal sind Schüler. Sie würde sich wünschen, dass die Fahrzeiten an deren Bedürfnisse und Schulzeiten angepasst wären. Das ist auch der Wunsch von Margret Walter. Ihr Sohn fährt mit der Linie 2 nach Niedernhall zur Schule.

Felix Spindler warnt, den Fahrplan auszudünnen. Er schlägt Werbung auf den Bussen vor, um Geld in die Kasse zu bekommen. Außerdem würde ein vereinfachter Taktfahrplan helfen, mehr Menschen in die Busse zu holen. "Aber wenn man vor jeder Fahrt in den Plan sehen muss, nimmt man eben das Auto."

Harald Drueck warnt davor, an Randzeiten zu sparen. Gerade früh morgens oder spät abends brauche man Busse, um Knotenbahnhöfe zu erreichen. Schon heute käme der letzte Zug aus Stuttgart 1.02 Uhr in Hall an. Der letzte Bus nach Künzelsau fahre aber 21.10 Uhr. Auch wer nach 22 Uhr die S-Bahn in Cappel verlasse, müsse ein Taxi rufen.

Eigenverantwortung

Bürger helfen Bürger, könnte sich Eberhard Dietz vorstellen. Er fordert: Alle Linien, die wirtschaftlich und notwendig sind, sollen bleiben. Zu den übrigen Zeiten könnten Bürgertaxis Lücken schließen. Wer Fahrdienste übernehmen könnte, lasse sich in einer Liste registrieren, die dann veröffentlicht wird. Pro Kilometer könnte man 60 Cent berechnen. Bei 50 Kilometer pro Stunde erhalte der Fahrer etwa zehn Euro, das entspreche immerhin dem Lohn eines 400-Euro-Jobbers.

Auch Ulrich Wagner aus Öhringen schwebt ein anderes Konzept vor: Der Schülerverkehr solle von ortseigenen Fahrzeugen geleistet werden, Orte könnten sich zusammenschließen. So werde der Massentransport der Schüler individualisiert, die Orte könnten auf zurück gehende Schülerzahlen reagieren. Die Kosten würden von den Bewohnern getragen, es gäbe Zuschüsse vom Landkreis. "So relativieren sich die Kostenvorteile vom Wohnen auf dem Lande."

Kommentar "Kunde ist König"


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