Sternekoch will in Öhringen die Gastroszene aufmischen

Öhringen  Im Dezember eröffnet Sternekoch Serkan Güzelcoban im Ö-Center die Bistronomie Schöner Hirte. Im April 2017 dehnt er seine Gastro-Offensive auf den Hofgarten aus und übernimmt Orangerie und Hoftheater.

Von Juergen Koch
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Im April 2017 will Sternekoch Serkan Güzelcoban in der Orangerie (rechts) das Restaurant Kleinod eröffnen. Im benachbarten Hoftheater (hinten) bietet er Veranstaltungen sowie Räume für Tagungen und Feiern an. Foto: Juergen Koch

Im August hat er im Künzelsauer Hotel Anne-Sophie und Restaurant Handicap die Kochjacke an den Nagel gehängt. „Nach fast acht Jahren war ich an einem Punkt, wo ich für mich persönlich mehr wollte, auch mehr Unabhängigkeit“, begründet er seine Entscheidung.

Nun will Sternekoch Serkan Güzelcoban (31) in Öhringen mit gleich zwei Projekten die Gastroszene aufmischen. Am 3. Dezember eröffnet er im Ö-Center die Bistronomie Schöner Hirte. Im April 2017 dehnt er seine Gastro-Offensive auf den Hofgarten aus und übernimmt Orangerie und Hoftheater. Weil der „schöne Hirte“ – so die Übersetzung seines Familiennamens – auch in Öhringen ein guter Hirte sein will, möchte er wie schon in Künzelsau in Küche und Service Menschen mit Handicap integrieren.

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Bistronomie mit 40 Sitzplätzen

Faire Preise, hoher kulinarischer Anspruch, lockeres Ambiente – das bedeutet Bistronomie, ein Wortmix aus Bistro und Gastronomie. Das will Serkan Güzelcoban nun auch im Ö-Center umsetzen. 40 Sitzplätze bietet der werktags von 9 bis 18 Uhr geöffnete Schöne Hirte. „Vom Schüler bis zum Genießer“ umschreibt er die Zielgruppe, vom To-go-Snack bis zum Hauptgericht das Angebot. Die Karte soll seine Handschrift tragen: „Von Orient bis Okzident“.

Bis zum Start im Hofgarten will er im Ö-Center „selber in der Küche stehen“. Güzelcoban hat „richtig Lust auf das Projekt“ und will zeigen, „dass man auch im normalen Segment toll und mit persönlicher Note kochen kann“. Ö-Center-Geschäftsführer Thomas Grabert rechnet mit Synergieeffekten: „Ziel der Gastronomie ist, die Verweildauer im Ö-Center zu erhöhen.“ Das sei in den „letzten zwei Jahren nicht erreicht worden.“

"Liebe auf den ersten Blick"

Seine Begegnung mit Orangerie und Hoftheater beschreibt Serkan Güzelcoban als „Liebe auf den ersten Blick“. Bereits vor drei Jahren wollte Ehefrau Vera Jimenez dort ein Café-Bistro aufmachen. Doch eine Schwangerschaft machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Sein Traumobjekt hat er im Auge behalten. Nägel mit Köpfen hat Güzelcoban nach seinem Abschied aus Künzelsau und „nach dem offiziellen Bewerbungsschluss“ gemacht. Am 18. Oktober erhielt er im Gemeinderat den Zuschlag.

In der Orangerie will er ab April mit dem Restaurant Kleinod (30 Couverts) – so der geplante Name – an fünf Tagen pro Woche kulinarische Akzente setzen und ohne Ruhetag eine Terrasse mit mindestens 150 Sitzplätzen bewirten. Das Hoftheater mit Saal und vier Tagungsräumen will Güzelcoban als Location für Brunches, Veranstaltungen, Tagungen, Hochzeiten und Feiern aller Art mit neuem Leben füllen. Erste Anfragen hat er bereits.

Orient trifft Okzident

Auch im Kleinod will Güzelcoban seiner Autorenküche treu bleiben. Auch wenn er sie etwas „anders ausrichten“ will als im Sternerestaurant Handicap, soll es unter dem Motto „Orient trifft Okzident“ auch in Öhringen um einen Mix aus seinen anatolischen Wurzeln, Küchenklassik und der Genießerregion Hohenlohe gehen: „qualitativ hochwertig, aber bezahlbar.“ Statt eines festen Menüs will er „einzelne Bausteine“ anbieten, mittags zusätzlich einen Business-Lunch.

Will er sich auch in Öhringen einen Stern erkochen? „Schaun mer mal“, sagt er und ist sicher, dass „das einige sehr genau beobachten werden“. Weil der gebürtige Heslacher sich nun auch in Öhringen „zuhause fühlt“, sieht er den Hofgarten als „langfristiges“ Projekt. Damit will er der Stadt „etwas zurückgeben und etwas etablieren, auf das die Menschen stolz sein können“.

Eines weiß Serkan Güzelcoban sicher: „Ich will nie mehr angestellt sein.“ Denn zuletzt habe er sich „wie ein Vogel im goldenen Käfig gefühlt“. Auf Dauer ist das seine Sache nicht. „Ich wollte aus meinem Korsett ausbrechen und mein eigener Herr sein“, sagt der schöne Hirte. Oder: „Ein Vogel will fliegen.“ 

 

Zur Person

Der 1984 in Stuttgart-Heslach geborene Serkan Güzelcoban arbeitete nach Hauptschule und Koch-Ausbildung in Deutschland, der Schweiz und auf Mallorca. Nach gut einem Jahr als Sous-Chef von Boris Benecke im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe wurde er 2009 Küchenchef im Künzelsauer Hotel Anne-Sophie, in dem auf Initiative von Carmen Würth Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Dieses Inklusionskonzept erweiterte Güzelcoban unter dem Spott vieler Kollegen mit Erfolg auch auf den Küchenbereich. Auch im neuen Gourmetrestaurant Handicap, das er im Mai 2013 zusätzlich übernahm.

Bereits im November 2014 erregte Güzelcoban internationales Aufsehen, als das Handicap als weltweit erstes Restaurant mit Inklusionskonzept mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Im August 2016 verließ er Anne-Sophie und Handicap. Serkan Güzelcoban lebt mit Ehefrau und Hotelfachfrau Vera Jimenez und vier Töchtern in Öhringen-Süd. Vom Heslacher Hauptschüler mit Migrationshintergrund zum Sternekoch – diese nicht alltägliche Karriere hat den Hamburger Filmproduzenten Fabian Gasmia so beeindruckt, dass er an einem Film über Güzelcobans Lebensge-schichte arbeitet, der 2019 in die Kinos kommen soll. 

 

 Nach der Landesgartenschau blüht auch die Gastronomie in Öhringen auf 

„Ein Riesensprung für Öhringens Gastronomie“, kommentiert Öhringens Oberbügermeister Thilo Michler die Projekte in Ö-Center, Hofgarten und Stadtmitte.

  • Hofgarten: Nach der erfolglosen Ausschreibung vor drei Jahren ist Michler überzeugt, mit Serkan Güzelcoban den „richtigen Mann“ gefunden zu haben, um Orangerie und Hoftheater „mit neuem Leben zu füllen“. Unter mehreren Bewerbern habe sich „schnell die Spreu vom Weizen getrennt“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Dr. Michael Walter. Noch ist der Vertrag nicht unterzeichnet. Details wie Küchenplanung und Mobiliar müssen noch festgeklopft werden. Finanziert werden sie von beiden Partnern. Auch unter der Regie Güzelcobans habe die Stadt „in Absprache weiterhin Nutzungsrechte im Hoftheater“, sagt OB Michler.

  • Kultura: Neues tut sich auch im Kultura-Restaurant. „Zum Jahresende wird der Zehn-Jahres-Vertrag mit Polster Catering aufgelöst“, sagt Thilo Michler. Ab Januar übernimmt es Lin Yun Ping, Geschäftsführer des Crailsheimer China-Restaurants Shanghai. Er will das Restaurant auf 200 Plätze erweitern und Erlebnis-Buffets und Show-Cooking bieten. Dafür investiert er in Kooperation mit seinem Getränkelieferanten rund 500.000 Euro in Mobiliar und den Anbau eines Wintergartens. Mit deutscher Küche übernimmt Lin Yun Ping zusätzlich die Bewirtung der Kultura. Laut OB Michler steht der 20-Jahres-Vertrag kurz vor der Unterzeichnung.

  • Kornhaus: Einen Wechsel gab es auch im Kornhaus, dem ehemaligen Casa del grano. Seit Anfang November bietet dort Apostolos Vaitsis unter dem Namen Piazza mediterrane eine griechisch und italienisch geprägte Mittelmeerküche an.    

 


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