„Spektakuläre Fälle vergisst man nicht“

Computer und ausgefeilte Ermittlungstechniken ersetzen nicht das Gespür der Polizeibeamten

Von Yvonne Tscherwitschke
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Fingerabdrücke und vor allem der genetische Fingerabdruck, die DNA-Analyse, die über Speichelproben gewonnen wird, helfen der Polizei, selbst länger zurückliegende Verbrechen aufzuklären. (Foto: dpa)

 

„Das ganze Material dazu ist in einem dicken Ordner“, sagt Cornelia Taschner. Die Kriminalhauptkommissarin ist seit 1974 bei der Polizei. Erst in Heilbronn, seit 1983 bei der Polizeidirektion Künzelsau. Hier leitet sie die Kriminalinspektion I, die bei Tötungsdelikten, Suiziden, Bränden und Sexualdelikten gerufen wird, ermittelt, wenn es um Waffen oder Kinderpornografie geht oder der Staatsschutz betroffen ist. Somit war Cornelia Taschner im Juni 1997 auch in Pfedelbach-Griet vor Ort. Die Spurensicherung, weiß sie heute noch, gestaltete sich umfangreich. Doch bis jetzt ohne Erfolg. Selbst ein Aufruf in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY brachte keine Spur zu den beiden maskierten Männern, die die Haushälterin festgehalten und vergewaltigt hatten, ehe sie mit Schmuck und Waffen verschwanden.

Normalerweise, so Taschner, taucht Diebesgut nach Jahren wieder auf. Nicht in diesem Fall. „Und dann fragt man sich schon, ob man da nicht etwas übersehen hat.“ Deshalb hat sie die - nach fast neun Jahren immer noch nicht geschlossene - Akte immer wieder neuen Kollegen zum Lesen gegeben. „Möglicherweise entdeckt ja jemand noch etwas.“

Die eigene Antenne bleibt ebenfalls immer auf Empfang, gleicht neue Fälle mit dem alten ab. „Spektakuläre Fälle vergisst man nicht“, sagt Cornelia Taschner.

Das Gedächtnis und die Menschenkenntnis der ermittelnden Beamten sind damit genauso wichtig wie die vernetzten Datenbanken. Immer wieder werden die gesicherten Spuren automatisch mit neuen Analysen abgeglichen.

Und mit etwas Glück kann ein bei einem Einbruch frisch gesicherter Fingerabdruck helfen, ein länger zurückliegendes Gewaltverbrechen aufzuklären. „Die Technik hat sich in den vergangenen Jahren massiv verbessert“, sagt Cornelia Taschner.

Im Jahr 1986 wurde in Oberkessach eine Frau von ihrem Freund umgebracht. „Das war der erste Fall hier, der mit der DNA-Analyse aufgeklärt wurde“, erinnert sich Cornelia Taschner. „Damals hat das Landgericht Heilbronn angeordnet, dass die Spuren nach England geschickt und dort analysiert werden. Die Engländer waren damals schon weiter.“

Seit Anfang der 90er Jahre sind DNA-Analysen auch in Deutschland an der Tagesordnung. Und helfen immer wieder auch bei länger zurückliegenden Fällen weiter. „2002 hat man angefangen, dass man auch nachträglich Leute erfasst hat, denen man dann länger zurückliegende Fälle zuordnen konnte.“

Doch nicht immer hilft die Technik weiter. So hat Cornelia Taschner gesichtete Spuren von zwei bis dato nicht aufgeklärten Sexualdelikten nochmals ans Landeskriminalamt geschickt. In der Hoffnung, dass sich mit weiterentwickelter Technik neue Hinweise ergeben. „Doch leider brachte das keinen neuen Hinweis.“

Wie alte Spuren immer wieder neuen Prüfungen unterzogen werden, gleicht Cornelia Taschner das Muster alter Fälle ständig mit neuen Vorkommnissen ab. Auch über Polizeidienststellen hinweg.

„Da sind wir ständig in Kontakt. Denn die Täter heute sind mobil“, weiß sie.


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