Schlepper-Demo frustrierter Milchbauern

Schöntal - Landwirte haben am Freitag am Rande der Agrarministerkonferenz heftige Kritik an den Milchpreisen geübt. Mit zahlreichen Traktoren blokierten sie die Zufahrsstraßen am Kloster Schöntal.

Von Stefanie Jani

 

 

Schöntal - Eine solche Protestwelle hat es im beschaulichen Schöntal noch nie gegeben. Traktoren reihen sich am Freitag kurz vor zehn Uhr dicht an dicht. Immer wieder wird gehupt. Der Bundesverband der Milchviehhalter  (BDM) macht seinem Ärger mächtig Luft, während drinnen die Agrarminister der Länder zusammen mit Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner tagen.

Die Ministerin hat den Protest des BDM schon eine Stunde zuvor direkt zu spüren bekommen. Am Freitagmorgen vor dem Kloster in Schöntal stürzen sich die Vertreter vom BDM und vom Landesbauernverband (LBV) mit Geschenken auf Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CDU). Vom BDM gibt es die blecherne Milchkanne. „Gefüllt ist sie mit Botschaften, all das, was sie während ihrer Amtszeit versäumt hat“, erklärt BDM-Pressesprecher Hans Foldendauer. Die Ministerin lächelt gequält und lässt die Milchkanne später von einem Angestellten in ihren Wagen bringen.

Der LBV sagt es der Ministerin mit einer Resolution und einem Banner direkt vom Himmel „Bauern gegen Flächenstilllegung.“ Doch Aigner beruhigt zumindest den LBV. „Wir gehen sehr davon aus, dass es nicht zur Stilllegung kommt“, sagt Aigner.

Für die Milcherzeuger gibt es noch keinen Trost. Um kurz nach zehn wird es deshalb laut im Klosterhof. Rund 30 Schlepper fahren mit lauten Hupen vor den Hof. 70 sind noch vor der Ortseinfahrt. „Ich kann es verstehen und fühle mit den Bauern“, sagt Albrecht Brand. Der Berlichinger musste seinen Betrieb vor rund 15 Jahren schließen. „Früher konnte unsere siebenköpfige Familie von 35 Hektar leben, heute muss man mit 100 Hektar noch arbeiten gehen“, erzählt der 78-Jährige.

 


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