Reinhold Würth wird 80: Festakt hat begonnen

Künzelsau  Der Unternehmer Reinhold Würth wird heute 80 Jahre alt. Zu diesem Anlass findet in Künzelsau ein Festakt statt - mit hochkarätigen Gastrednern. Aktuell staut sich die Gratulantenschar um den Jubilar.

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Der Countdown bis zum Beginn des Festakts.

Ablauf des Festakts

Ab 16.30 Uhr werden die geladenen Gäste in Künzelsau empfangen. Beginn des offiziellen Festakts ist um 17.15 Uhr. Als Gastredner sind Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, EU-Kommissar Günther Oettinger sowie Außenminister Frank-Walter Steinmeier geladen. Die Feierlichkeit wird bei einem festlichen Abendessen fortgesetzt. 

Im Hof der Freien Schule Anne-Sophie - dort findet die Festivität statt - staut sich beim Empfang die große Zahl der Gratulanten. Die Glückwünsche werden nicht nur persönlich entgegengebracht: Über der Konzernzentrale und der Anne-Sophie-Schule kreiste auch ein Flieger, der eine Gratulationsbotschaft übermittelte. 

 

 

Ein Gespräch mit dem Unternehmer vor seinem 80. Geburtstag

"Noch ein paar Jährchen so gesund und fit weitermachen“, das ist sein größter Wunsch. Ansonsten hat sich Reinhold Würth mit seinem 80. Geburtstag am 20. April „noch kaum beschäftigt“, sagt er. „Von der Feier weiß ich eigentlich nur ein paar Eckpunkte“, so der Vorzeigeunternehmer lächelnd.

Der Unternehmer, der aus einem Zwei-Mann-Betrieb ein Weltunternehmen mit 66.000 Mitarbeitern gemacht hat, beschäftigt sich lieber mit der ferneren Zukunft. „Ich möchte versuchen, das Unternehmen in einem super Zustand zu hinterlassen“, betont er. Daran arbeitet Reinhold Würth täglich mindestens drei bis vier Stunden. Auch an Sonn- und Feiertagen und selbst in seinem Karibikurlaub, aus dem er kürzlich braungebrannt zurückgekehrt ist. „Während des Rückflugs habe ich elf Stunden lang Briefe diktiert. Meine Manager haben daraufhin gefragt, wann macht er denn wieder Urlaub“, erzählt Würth augenzwinkernd.

Alles dreht sich um die Firma

Denn obwohl sich Reinhold Würth 1994 offiziell aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, dreht sich nach wie vor alles um die Firma. „Wenn sie ein Unternehmen haben wachsen sehen wie ein Kind, sind sie immer in Sorge. Aber ich habe keinen Grund zu klagen“, sagt er. Dafür sorgen seine Manager und Führungskräfte in der Konzernzentrale in Künzelsau und an den Standorten in aller Welt. „Die richtigen Leute, zur richtigen Zeit an den richtigen Ort bekommen zu haben“, sieht Würth als eine seiner wichtigsten Erfolge an.

Doch auch seine Fähigkeiten als unermüdlicher Antreiber und Motor des Unternehmens sind unbestritten: „Wenn ich nicht dagewesen wäre, wäre das Ding wohl auch nicht so groß geworden“, sagt er selbst.

Tatsächlich ist Würth für deutliche Worte bekannt. Zuletzt rief er etwa die Außendienstmitarbeiter in einem Brandbrief auf, früher beim Kunden zu sein. „Bewirkt hat es sicher was“, meint er. „Wenn ich in meinem Alter noch so früh arbeiten kann, dann können die das auch.“ Auch zur Fußball-Weltmeisterschaft äußerte er sich jüngst besorgt über die Arbeitsmoral der Vertriebler.

Dabei ist Reinhold Würth im Alter milder geworden und er hört vielleicht noch ein wenig mehr auf seine Frau Carmen. „Gerade heute morgen hat sie mich überredet, einen Brief nicht wegzuschicken, den ich gestern Abend noch diktiert hatte“, sagt er vielsagend lächelnd. Dankbar ist er seiner Frau auch, dass sie ihn davon abgehalten hat, fest nach Salzburg in seine zweite Heimat zu ziehen. Damals wollte Würth Deutschland nach seinem Steuerprozess, bei dem er sich bis heute ungerecht behandelt fühlt, verlassen. „Ich hatte nie einen Cent Schwarzgeld, aber ich war anwaltlich miserabelst beraten. Heute würde ich den Prozess führen und gewinnen“, ist er sich sicher. 

Heimat Hohenlohe

"Ich bin froh, dass wir hier geblieben sind“, so Reinhold Würth im Rückblick. Denn so gern der „überzeugte Europäer“ auch in der Welt unterwegs ist, so gerne kehrt er auch wieder zurück auf Schloss Hermersberg bei Niedernhall, wo er seit 1974 wohnt: „Meine Heimat ist Hohenlohe und es ist immer wieder ein gutes Gefühl, zurückzukommen.“ Vor allem die Hohenloher Landschaft hat es dem Unternehmer angetan. Deshalb freut er sich auch, dass er bald wieder in seinem See schwimmen und ausgiebige Spaziergänge auf den Wegen rund ums Schloss machen kann. Sein Unternehmen wird er deshalb auch in Zukunft nicht aus dem Blick verlieren. „Ich bin froh, dass es so ist wie es“, sagt Reinhold Würth. So kann es auch mit 80 bleiben. zim/lsw

 

>>Hinter die Zahlen geblickt:  Geburtstagsspaziergang mit Reinhold Würth

 

Zur Person

Reinhold Würth wurde am 20. April 1935 in Öhringen geboren. Sein Vater Adolf Würth gründete 1945 eine Großhandelsfirma für Schrauben und Muttern, die heutige Adolf Würth GmbH & Co. KG. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm Reinhold Würth 1954 die Leitung des Unternehmens und baute es zu einem Weltkonzern mit mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz und 66.000 Mitarbeitern aus.

Ein zentrales Element des Erfolgs ist der Direktvertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial an Handwerker, die Gruppe ist heute aber auch in anderen Feldern aktiv. Einen verlustreichen Ausflug in die Solarbranche hat Würth aber beendet.

Die Steueraffäre befleckte 2008 sein Image, das er unter anderem durch seine Kunstsammlung und seine frei zugänglichen Museen aufpoliert hatte. Würth ist begeisterter Pilot, bis Februar hatte er die Lizenz, selbst Linienflugzeuge zu fliegen. Er ist verheiratet mit Carmen Würth, die beiden haben drei Kinder. Tochter Bettina ist Beiratsvorsitzende der Unternehmensgruppe. mfd

 

Stationen von Reinhold Würth

  • 1935: Geburt am 20. April in Öhringen.

  • 1945: Vater Adolf Würth gründet in Künzelsau eine Großhandelsfirma für Schrauben.

  • 1954: Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er die Geschäftsleitung.

  • 1962: Würth gründet in den Niederlanden die erste Auslandstochter.

  • 1960er: Erste Aktivitäten als Kunstsammler.

  • 1994: Zum 1. Januar scheidet er aus der operativen Geschäftsführung aus und übernimmt den Beiratsvorsitz.

  • 2006: Würth übergibt den Beiratsvorsitz an seine Tochter Bettina.

  • 2014: Jubiläum 65 Jahre im Dienst


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