Prinz Charles zu Gast in Hohenlohe

Hohenlohe - Er zeigte sich dem Volk nur wenige Minuten, aber die Schaulustigen waren begeistert: Prinz Charles kam am Montag auf Schloss Langenburg an, wo er bei einem Forum über regionale Lebensmittel diskutierte.

Von unserem Redakteur Ralf Reichert
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Hohenlohe - Mission accomplished – Mission erfüllt. Klaus Demmel aus Schwäbisch Hall steht vor dem Eingang von Schloss Langenburg und strahlt. Vor fünf Minuten hat der 79-Jährige mit Prinz Charles gesprochen. Und ihm die Hand geschüttelt. „Die wasche ich jetzt ein paar Monate nicht. Ich bin richtig glücklich.“ Sohn Martin (44) hatte ihm diese Mission aufgetragen. „Er lebt seit 25 Jahren in London und sagte zu mir: Papa, bitte gehe am Montag nach Langenburg und versuche, ihm die Hand zu schütteln.“

Jubel

Um 15.25 Uhr war der britische Thronfolger in einem hellblauen BMW 7er an ihm vorbeigefahren. Der 64-Jährige passierte das schwere Schlosstor, stieg aus, wurde begrüßt und drehte sich zu den rund 150 Schaulustigen. Er winkte. Und lachte. Er besprach sich kurz mit seinem Neffen und Gastgeber, Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg. Dann schritt er unter dem Jubel des Publikums nach vorn und nahm ein kurzes Bad in der Menge.

Klaus Demmel schüttelte ihm aber nicht nur die Hand. Er überreichte ihm auch ein Geschenk: Eine Biografie über Agnes Günther, die im Schloss ein- und ausging und zu den bekanntesten Langenburgerinnen zählt. „Charles sagte: Ich werde dieses Buch lesen, um mein Deutsch zu verbessern“, so Demmel. Seine Frau Dorothea (64) hat es geschrieben. Sie ist stolz und kann es kaum fassen. Auch diese Mission ist also erfolgreich gewesen.

Eine Stunde vorher. Prinz Charles steht auf einer Weide in Cröffelbach im idyllischen Bühlertal. 18 Kilometer südlich von Langenburg. Es ist eine kleine Landpartie: Der Fluss rauscht, die Vögel zwitschern. Neun Kühe und acht Kälber grasen im satten Grün. Ferkel quieken. Der überzeugte Bio-Prinz trifft Hohenloher Bio-Bauern. Er fühlt sich wohl. Das sieht und das spürt man.

Rudolf Bühler, Vorstandsvorsitzender der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), schenkt ihm einen Bauernhut aus Schaffilz: „Es ist das Symbol des freien und unabhängigen Bauern.“ Mit Landwirten ins Gespräch zu kommen, war der Wunsch des Prinzen, der selbst ökologische Landwirtschaft praktiziert. Beraten wird er dabei seit 1984 von Hartmut Vogtmann, der als Wegbereiter des Ökolandbaus in Deutschland gilt. Er hatte Charles auf die Erfolge der BESH bei der Rettung alter Landrassen wie dem Limpurger Rind und dem Schwäbisch Hällischen Landschwein aufmerksam gemacht.

Vor allem die Weidehaltung interessiert Charles. Er fragt auch Klaus Süpple (41) aus Schrozberg-Bossendorf. Ihm gehören die Rinder vor Ort. „Boeuf de Hohenlohe“ heißt der Markenname des Fleischs, das viele Freunde hat. „Ich bin schon aufgeregt. Wahrscheinlich realisiere ich es erst, wenn er wieder weg ist“, sagt der Landwirt. Ein rustikales Vesper ist aufgetischt. Schwein, Rind, hausgemachter Blooz. Der Prinz greift zu, ihm schmeckt’s. „Ich könnte den ganzen Tag hier bleiben und essen“, erklärt er. Aber der königliche Besucher muss weiter.

Fähnchen

Der Konvoi fährt die Cröffelbacher Steige hinauf, über die Hohenloher Ebene. In Nesselbach, einem Teilort von Langenburg, stehen Sina (7), Tabea (8), Greta (9) und Lisa (11) an der Kreuzung und schwenken britische Fähnchen. Oben, an der Hauptstraße, begrüßt die Schweineschule aus Michelbach/Heide den hohen Gast. Die 22 Kinder singen und jubeln. Leiterin Kerstin Gronbach: „Er blickte neugierig zu uns, ich habe ihm in die Augen schauen können.“

Dieser Moment bleibt Gaby Schust (42) aus Ilshofen verwehrt. Sie kam fünf Minuten zu spät und ärgert sich. Das englische Königshaus ist ihr Hobby. Sie war bei der Hochzeit von William und Kate und hat die königliche Familie im Hyde Park von ganz nah gesehen. „Ausgerechnet vor meiner Haustüre verpasse ich das.“ Mission accomplished? Vielleicht beim nächsten Mal.

 


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