Piraten entern Jugend-Parlament

Öhringen - Eine Woche bevor es ernst wird, wurde im Öhringer Jugendhaus Fiasko die U-18-Wahl ausgezählt. Zumindest ein Trend ist schon jetzt erkennbar: die Grünen sammeln viele Stimmen, auf den Stapeln von Linke und FDP landen nur vereinzelt Zettel.

Von Jan Lindenau
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Öhringen - Eine Woche bevor es ernst wird, wurde im Öhringer Jugendhaus Fiasko die U-18-Wahl ausgezählt: 407 Stimmzettel fliegen aus der grauen Wahlurne des HGÖ. Zuerst gilt es zu überprüfen, ob es wirklich genau so viele sind. Verena Schulin greift sich eine Handvoll und beginnt zu zählen. Die 15-jährige Realschülerin ist mit sechs weiteren Jugendlichen Wahlhelferin der ersten U18-Wahl in Hohenlohe. Sie zählen immer zehn Zettel ab und legen sie versetzt auf einen Stapel. Michaela Mugele zählt die Zehner-Stapel noch mal durch. "Alle da", sagt Mugele. Erleichterung bei den Wahlhelfern. Jetzt kann die richtige Auszählung beginnen.

Die U18-Wahl in Hohenlohe wurde vom Jugendforum Öhringen und dem Kokolores in Künzelsau durchgeführt. In diesem Rahmen wurde auch eine Podiumsdiskussion in "guter Zusammenarbeit" durchgeführt, sagt Annika Roth. Die 15-Jährige moderierte die Diskussion im Kokolores und die Auszählung im Fiasko. Die Öhringer Schüler wählten dafür im Hohenlohe-Gymnasium, in der Realschule, in der Weygangschule und im neuen Kubiz. Die Künzelsauer Gymnasien lehnten eine Teilnahme ab. Annika Roth findet das schade, schließlich sei der Aufwand gering. Sie hofft auf eine Beteiligung bei der nächsten Wahl. "Die Künzelsauer SMV hätte sehr gerne mitgemacht", sagt sie.

Die Kandidaten der vier im Landtag vertretenen Parteien stehen an Bistrotischen und erwarten das Ergebnis. Jugendreferent Hans-Jürgen Saknus und Annika Roth stellen den Politikern Fragen zu Themen wie Atomkraft, Jugendwahlrecht, Bildung. Verena Schulin ist derweil mit der Wahlurne der Realschule Öhringen beschäftigt. Nachdem die Anzahl der Zettel überprüft wurde, erhalten die Zettel jeder Partei einen eigenen Stapel. Zumindest ein Trend ist schon jetzt erkennbar: die Grünen sammeln viele Stimmen, auf den Stapeln von Linke und FDP landen nur vereinzelt Zettel. Einige Zwischenergebnisse stehen fest, sie werden auf eine Leinwand projiziert. Stets ganz oben: die Grünen. Die Politiker diskutieren die Zahlen, mögliche Gründe werden genannt, Rückschlüsse für die eigene Politik gezogen. In den virtuellen Landtag der Jugend ziehen ein: Die Grünen (31,91%), SPD (23,15%), CDU (18,13%), Piraten (11,06%), FDP (5,96%) und die NPD (5,19%). Wahlsiegerin Barbara Bruhn ist die Freude anzusehen, FDP-Politikerin Ute Oettinger-Griese konstatiert: "Das Ergebnis gibt uns einen Tagesordnungspunkt für die nächste Sitzung." Verena Schulin kann jetzt Feierabend machen. Während der Auszählung sei alles unparteiisch abgelaufen, sagt sie.

Nun können aber auch die Wahlhelfer zugeben, für wen ihr politisches Herz schlägt. Auf einem Tisch haben die Parteien kleine Wahlgeschenke ausgelegt, die 15-Jährige nimmt sich ein grünes Gummiarmband. Sie lächelt und liest vor, was drauf steht: "Weltenverbesserin".


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