Pflegekinder sind oft geteilte Kinder

Mitleid genügt nicht, um Kindern aus Problemfamilien ein Zuhause auf Zeit zu geben. Im Hohenlohekreis leben zurzeit 61 Kinder in Pflegefamilien.

Pflegekinder sind oft geteilte Kinder
Margit Klier
Im Hohenlohekreis leben zurzeit 61 Kinder in Pflegefamilien.Über die Hintergründe, die Auswahl der Familien und deren Begleitung bei ihrer Aufgabe sprach Barbara Griesinger mit Margit Klier, die beim Jugend- und Schulamt Pflegefamilien betreut.

Wann ist es sinnvoll, ein Kind von den Eltern zu trennen und in eine Pflegefamilie zu geben?

Margit Klier: Wenn Kinder in der eigenen Familie Opfer von Gewalt werden oder massiv vernachlässigt werden, ist die Unterbringung in einer Pflegefamilie dringend erforderlich. Ein weiterer Grund ist es, wenn die leiblichen Eltern auf Grund von Krankheit oder Behinderung nicht in der Lage sind, sich angemessen um ihr Kind zu kümmern. Doch meist ist die Unterbringung bei Pflegeeltern ein Schritt, der erst gemacht wird, wenn Hilfen im ambulanten Bereich nicht erfolgreich waren oder sich die Situation des Kindes trotz Unterstützung der leiblichen Eltern verschlechtert hat.

Kann jeder Pflegekinder aufnehmen?

Klier: Prinzipiell ja. Wir haben Pflegefamilien mit eigenen Kindern und auch kinderlose Paare. Sogar eine alleinerziehende Pflegemutter ist darunter. Sie hat sich angeboten, als ihre eigenen Kinder groß waren, und sie macht ihre Sache sehr gut. Dennoch ist es nicht ganz einfach, geeignete Eltern zu finden.

Warum nicht?

Klier: Weil es sich oft um nicht ganz einfache Kinder handelt. Wir vermitteln Kinder von der Geburt bis zum zwölften Lebensjahr in Pflegefamilien. Meist sind Pflegekinder aber keine Babies mehr. Das heißt: Sie bringen ihre eigene Geschichte und ihre Probleme mit.

Welche Voraussetzungen müssen Pflegefamilien mitbringen?

Klier: Wir erwarten vor allem, dass das Kind in seiner Pflegefamilie die Zeit, die Aufmerksamkeit und die Unterstützung bekommt, die es braucht. Dazu gehört auch, dass zumindest im ersten Jahr, in dem ein Pflegekind aufgenommen wird, ein Ansprechpartner dauerhaft zuhause ist. Denn gerade Pflegekinder brauchen ein hohes Maß an Sicherheit und die Gewissheit, dass immer jemand für sie da ist. Ein eigenes Zimmer ist schön, muss aber vor allem für kleine Kindern nicht zwingend sein.

Gibt es Ausschlusskriterien für Pflegefamilien?

Klier: Uns ist es wichtig, dass nicht der finanzielle Aspekt überwiegt. Auch Mitleid für die „armen Kinder“ ist keine gute Ausgangslage. Meist wird dann Dankbarkeit erwartet, die von den Kindern nicht zu erwarten ist. Ebenso ist es mit der Idee, einen Spielkameraden fürs eigene Kind zu bekommen. Das kann funktionieren, muss aber nicht.

Haben Pflegeeltern und Herkunftsfamilie Kontakt zueinander?

Klier: Uns ist der Kontakt zu den ursprünglichen Eltern wichtig. Wenn er gut läuft, ist das für die Kinder sehr positiv. Wie sich die Kontakte zwischen Herkunftsfamilie und Kindern gestalten, wird von uns in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten im Hilfeplan festgelegt. Im Idealfall sehen auch die leiblichen Eltern den Aufenthalt ihrer Kinder bei Pflegeeltern als die beste Lösung während einer vorübergehenden Trennung. Doch manchmal entwickelt sich ein Konkurrenzverhältnis zwischen Eltern und Pflegeeltern. In solchen Fällen unterstützen und begleiten wir die Familien.

Wie lange bleiben die Kinder in der Regel bei ihren Pflegefamilien?

Klier: Das ist ganz unterschiedlich. Der Aufenthalt in einer Pflegefamilie kann bis zur Verselbstständigung des Kindes dauern oder auch nur vorübergehend sein. In der Regel sind die Kinder aber mindestens ein Jahr lang in einer Pflegefamilie untergebracht. Etwa 30 Prozent kehren dann in ihre Herkunftsfamilie zurück. 70 Prozent bleiben in der Pflegefamilie.


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