Landesgartenschau 2016 findet in Öhringen statt

Öhringen - Die Landesgartenschau 2016 kommt ins Hohenlohische. Das beschloss der Ministerrat am Dienstag. Neben Öhringen kommt 2018 Lahr zum Zug. [>>Video]

Von Peter Hohl und Joachim Rüeck



Öhringen - Am 29. Juli hatte es Günther Oettinger den Öhringern praktisch schon versprochen – über die Köpfe seiner Landesregierung hinweg. Am Dienstagmittag nun verkündete der baden-württembergische Regierungschef offiziell den Beschluss des Ministerrates: Öhringen erhält den Zuschlag für die Landesgartenschau 2016.

Agrarminister Peter Hauk hob in Stuttgart das „sehr stimmige Gesamtkonzept“ der Öhringer Bewerbung hervor. Die Fachkommission habe die Pläne der Stadt „sehr hoch eingestuft“. Das Gremium unter der Leitung des Ministeriums besteht unter anderem aus Landschaftsarchitekten sowie Vertretern von Kommunal-, Landschafts- und Gartenbauverbänden. Auswahlkriterien sind laut Hauk strukturelle Effekte und die Entwicklung der Grünflächen.

Förderung

Die seit Mitte der 90er Jahre unveränderten Fördermittel für Gartenschauen steigen von 3,5 auf maximal fünf Millionen Euro. Hauk erwartet in den Gartenschau-Städten Gesamtinvestitionen in Höhe des Drei- bis Siebenfachen der Subvention. Nach Öhringen kommt 2018 Lahr mit einer Gartenschau zum Zuge.

Die mit jeweils bis zu zwei Millionen Euro geförderten Grünprojekte, die abgespeckte Versionen der Landesgartenschau für kleinere Kommunen, gehen 2015 nach Mühlacker und 2017 nach Bad Herrenalb. Um eine Landesgartenschau haben sich 18 Kommunen beworben, darunter Bad Mergentheim, um ein Grünprojekt 23. Weil die finanzielle Entwicklung abgewartet werden soll, hat der Ministerrat die Großveranstaltungen nicht bis 2025, sondern vorerst nur bis 2018 vergeben.

Entlang der Ohrn

38 Hektar groß ist das Gelände, auf dem die Gartenschau 2016 stattfinden soll. Schwerpunkte sind im Westen der historische Hofgarten und im Osten die Cappel-Aue. Verbunden werden sie durch eine Promenade entlang der Ohrn. Hinzu kommen sogenannte Korrespondenzbereiche: Ohrn-abwärts entlang des künstlichen Bachlaufs sowie nördlich der Bahnlinie entlang des renaturierten Ströllerbachs.

Für Großveranstaltungen ist das Otto-Meister-Stadion vorgesehen. Für Blumenschauen soll eine einfache Veranstaltungshalle südlich des Limesrings gebaut werden. Voraussichtlicher Name: Limeshalle. Auf dem Hofgut am Ortseingang von Cappel sind unter anderem Gastronomie und Bauernmarkt geplant.

Rund 35,5 Millionen Euro soll das Großprojekt Gartenschau (Thema: „Der Limes blüht auf“) kosten – vom Grunderwerb über die Investitionen und flankierenden Maßnahmen bis zur Durchführung. Dem stehen erwartete Einnahmen von rund acht Millionen Euro sowie die Landeszuschüsse gegenüber. Dennoch liegt der Eigenanteil, den die Öhringer für die Gartenschau aufbringen müssen, bei (voraussichtlich) gut 17 Millionen Euro.

Kübler und Hauk überbringen frohe Botschaft

Die Überraschungsgäste warten hinter der Tür zum Ratssaal. Sie haben eine hölzerne Stele mitgebracht: "Herzlichen Glückwunsch zur Landesgartenschau 2016" steht darauf geschrieben. Die Namen der Gratulanten sind ebenfalls auf dem Vierkantholz verewigt: Minister Peter Hauk und Jochen K. Kübler.

Für den Agrarminister hat sich früh abgezeichnet, dass Öhringen beim Wettbewerb um die Landesgartenschau gut im Rennen liegt. Mitentscheidend sei gewesen, dass die Bürgerschaft hinter dem Projekt stehe, so Hauk. Seine Kommission habe ihm im Sommer berichtet: "In Öhringen stehen alle wie eine Eins."

Allen voran der damals noch amtierende Oberbürgermeister Jochen K. Kübler. Der habe sich mit der Gartenschau ein Denkmal gesetzt, will Hauk schon sagen - und bremst sich selbst: "Mit Denkmälern wollen wir vorsichtig sein." Stadtrat Roland Weissert, ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters, muss seine Wort ebenfalls sorgsam wählen: "Denkmal darf man ja nicht sagen."

Kübler selbst nennt eine weitere Ursache des Erfolgs: "Die Konzeption war hervorragend." Und er zeigt sich überzeugt: "Öhringen kann das traumhaft umsetzen." Peter Hauk weiß schon heute: "Die Öhringer werden einen knalligen Event feiern." Oberbürgermeister Thilo Michler verspricht seinen Gästen: "Sie können sich darauf verlassen, dass wir 2016 eine sehr schöne Landesgartenschau bekommen."

Vorgeschichte

In den Jahren 1993 und 2001 hatte sich Öhringen vergebens um die Ausrichtung einer (kleinen) Landesgartenschau beworben. Am 16. Dezember 2008 beschloss der Gemeinderat, einen dritten Anlauf zu wagen. Das Stadtbauamt sowie Landschaftsarchitekt Roland Steinbach übernahmen die Planung. Am 7. April 2009 fasste der Gemeinderat den Beschluss, dass sich die Große Kreisstadt um die Ausrichtung einer Landesgartenschau in den Jahren 2015 bis 2025 (bevorzugt: 2016) bewirbt.


Am 27. April präsentierte Designer Peter Keilbach den Räten die Bewerbungsunterlagen, die Oberbürgermeister Jochen K. Kübler tags darauf an Landwirtschaftsminister Peter Hauk in Stuttgart überreichte. Am 6. Mai teilte Hauk mit, dass Öhringen 17 Mitbewerber habe. Bei der Messe Öhringen vom 13. bis 17. Mai warb die Stadt kräftig für ihre Gartenschau-Pläne. Am 15. Juni besichtigte die Bewertungskommission das Gartenschaugelände. Bei der Verabschiedung von OB Kübler am 29. Juli machte Ministerpräsident Günther Oettinger den Öhringern große Hoffnungen, dass ihre Bewerbung für 2016 erfolgreich sein werde. Die Entscheidung in der Landesregierung fiel am gestrigen Dienstag.