Nahverkehr spart, aber bleibt im Minus

Hohenlohe - Das Sparkpaket wurde im Mai 2010 geschnürt und mit dem Fahrplanwechsel ein halbes Jahr später umgesetzt. Viele Busfahrten sind seitdem gestrichen. Die Bilanz für 2011 der Nahverkehrsgesellschaft NVH zeigt: Erste Erfolge sind sichtbar, unterm Strich steht aber immer noch ein Minus

Von unserem Redakteur Ralf Reichert
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Wohin fährt der NVH? Das Bus-Geschäft wird nicht einfacher.Foto: Archiv/Hohl

Hohenlohe - Das Sparkpaket wurde im Mai 2010 geschnürt und mit dem Fahrplanwechsel ein halbes Jahr später umgesetzt. Viele Busfahrten sind seitdem gestrichen. Die Bilanz für 2011 der Nahverkehrsgesellschaft NVH zeigt: Erste Erfolge sind sichtbar, unterm Strich steht aber immer noch ein Minus − in diesem Fall 94 270 Euro. Der Landkreis gleicht dieses Defizit durch eine Sonderzuweisung aus, der zuständige Ausschuss des Kreistags befasste sich am Montag damit. Klar ist: Die Zeiten der extrem roten Zahlen sind erstmal vorbei, aber die Finanzierung der Busbeförderung im Hohenlohekreis bleibt ein Problemfall.

Im Vorwort des Geschäftsberichts stehen dazu einige wichtige Sätze: "Mit diesen Zahlen wird deutlich, dass der NVH immer noch strukturell unterfinanziert ist." Derzeit seien nicht einmal 50 Prozent der Betriebskosten durch echte Fahrgasterlöse gedeckt, künftig würden die Kosten den Erträgen weiter enteilen. Der Grund: Potenziell weniger Kunden, da die Bevölkerung schrumpft. Der Kreis müsse deshalb dafür sorgen, die Ertragsseite "nachhaltig durch eine höherwertige Tarifgestaltung zu stärken". Was nichts anderes heißt als: Die Fahrpreise müssen steigen.

Dilemma

Der Landkreis steckt in einem Dilemma. Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV) in Hohenlohe ist zum größten Teil Schülerbeförderung. Doch dafür gibt es immer weniger Zuschüsse. Bund und Länder haben die Förderlinien neu abgesteckt − die Gelackmeierten sind die Kommunen.

Gleichzeitig wird es auf lange Sicht immer weniger Schüler geben. Doch der NVH muss trotzdem weiterhin die Fläche bedienen − mit Personal und Fahrzeugen, die viel Geld kosten. Hinzu kommen die Diesel-Preise. Sie sind stark gestiegen und belasten die Bilanz. Und eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Fragen

Was also tun? Den Fahrplan noch weiter ausdünnen? Oder die Preise erhöhen? Man wird sehen. Gefragt sind auf alle Fälle neue Konzepte, die den wachsenden Anteil der älteren Bevölkerung und moderne Mobilitätswünsche mit einschließen. Bei der Ausschusssitzung des Kreistags wurde ein Modell andiskutiert: der Bürgerbus.

Grünen-Kreisrat Martin Braun brachte dies ins Spiel, NVH-Werkleiter Roland Braun schoss dagegen: "Ich halte das für Sozialdumping." Ehrenamtliche würden für ihre Arbeit ein "Trinkgeld" bekommen, die einem "normalen Fahrer" 25 000 Euro pro Jahr bringt: "Dadurch werden Arbeitsplätze vernichtet." Um einen Bürgerbus sicher zu betreiben, brauche man 40 freiwillige Kräfte. Die im Hohenlohekreis zu bekommen, erscheint auch Landrat Helmut M. Jahn fraglich: "Viele denken über dieses Thema nach, aber es gibt noch nichts Gescheites."


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