Milchbauern protestieren bei Konferenz der Agrarminister

Schöntal - Frustrierte Milchbauern machen mobil, wenn sich von Mittwoch bis Freitag dieser Woche die Agrarminister der 16 Bundesländer mit Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner in Kloster Schöntal treffen.

Von unserem Redakteur Ralf Reichert

Milchbauern protestieren bei Konferenz der Agrarminister
Milchbauern haben in Deutschland schon öfter protestiert. Schlepperkonvois gehören auch dazu. Am Freitag sollen Traktoren nach Kloster Schöntal rollen.Foto: dpa

Schöntal - Frustrierte Milchbauern machen mobil, wenn sich von Mittwoch bis Freitag dieser Woche die Agrarminister der 16 Bundesländer mit Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner in Kloster Schöntal treffen. Ein Schwerpunkt der jährlich stattfindenden Konferenz sind die aktuellen Entwicklungen auf dem Milchmarkt. Die verheißen aus Sicht vieler Milchbauern nichts Gutes. Die Branche wurde zuletzt 2009 schwer gebeutelt und rappelte sich nach einem zeitweiligen Lieferstopp langsam wieder auf. Seit Januar 2012 sind die Milchpreise erneut im Sinkflug, während die Kosten für Futter und Energie steigen.

Hinter der Protestaktion steht der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Geplant ist eine "Dauerpräsenz" von Mittwochmorgen bis Freitagmittag. Eine Kundgebung im Klosterhof am Donnerstag und ein Schlepperkonvoi am Freitag dürfte die meisten Landwirte anlocken. "Letztes Jahr war die Konferenz in Konstanz. Da kamen rund 800 Milchbauern zur Kundgebung und 200 Landwirte zur Schlepperparade", sagt Hans Foldenauer (55), der in Irsee (Allgäu) 95 Milchkühe hält und Sprecher des BDM-Vorstands ist.

Verluste

Von den Zufahrtsstraßen sollen die Traktoren am Freitag ab 10 Uhr zum Eingang des Tagungsorts rollen. Dort wollen die Milchbauern "konkrete Ergebnisse" abholen, so das Motto. Der BDM ist der Meinung, die Agrarminister von Bund und Ländern müssten die Verantwortung übernehmen für "ein Wertschöpfungsdefizit von mindestens vier Milliarden Euro" in 2012. Durch "falsche politische Weichenstellungen", heißt es in der Ankündigung, sei den deutschen Milchviehhaltern diese Summe durch die Lappen gegangen.

Ihr "Basislager" wollen die BDM-Bauern im Klosterhof aufschlagen, um mit den Politikern abends ins Gespräch zu kommen. Am Donnerstag ist ein Lagerfeuer an der Jagst.

Drei zentrale Forderungen stehen in dem "BDM-Manifest", das am Mittwoch übergeben wird. Hans Foldenauer fasst sie wie folgt zusammen: "Quotenerhöhung nur, wenn der Markt die zusätzliche Menge aufnehmen kann; Umsetzung eines freiwilligen Lieferverzichts; Einführung eines ,Marktmonitorings’, um den Milchmarkt mittel- bis langfristig zu stabilisieren." Der BDM-Sprecher kritisiert die laxe Haltung der Politiker: "Die meinen immer, das regelt sich alles von selbst." Mindestens 40 Cent müssten die Bauern pro Kilogramm bekommen, um etwas zu verdienen. Derzeit seien es nur 29 Cent im Bundesschnitt.


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