Matthias Neth knapp vorn

Künzelsau  Künzelsau - So spannend wie erwartet lief die Wahl des neuen Landrats am Montagnachmittag im Kreistag. Im zweiten Wahlgang entschied Dr. Matthias Neth das Rennen knapp für sich: mit 21 zu 18 Stimmen. Damit hatte er exakt das erforderliche Quorum, die so genannte qualifizierte Mehrheit, erreicht.

Von unserem Redakteur Ralf Reichert

 

Matthias Neth knapp vorn
Geschafft: Der Moment des Sieges, die ganze Anspannung fällt ab. Fotos: Ralf Reichert
Künzelsau - So spannend wie erwartet lief die Wahl des neuen Landrats am Montagnachmittag im Kreistag. Im zweiten Wahlgang entschied Dr. Matthias Neth das Rennen knapp für sich: mit 21 zu 18 Stimmen. Damit hatte er exakt das erforderliche Quorum, die so genannte qualifizierte Mehrheit, erreicht. Im ersten Wahlgang erhielt der 33-jährige Parlamentsrat 20 Stimmen - eine zu wenig. Uwe Köhn (51) lag zwei Stimmen hinter ihm.

Von den 40 Kreisräten waren 39 zu der Sitzung erschienen, die traditionell im Künzelsauer Rathaus stattfindet. Dr. Achim Kuhnle (FDP) hatte sich entschuldigen lassen. Ein Stimmzettel blieb nach dem ersten Wahlgang leer, er war damit ungültig. Beim zweiten Wahlgang hat er oder sie dann ein Kreuz gemacht. Dies brachte die Entscheidung und zeigt, wie eng die Wahl war.

Matthias Neth knapp vorn

Applaus für Uwe Köhn, der knapp verloren hat. Links neben ihm Gattin Susanne Groner-Köhn, rechts Schwiegermutter Margarete Groner aus Öhringen.

Applaus

Uwe Köhn wollte "mit Haut und Haaren" Landrat des Hohenlohekreises werden. Nun hat er das Amt um Haaresbreite verfehlt. Der Leitende Ministerialrat bekam trotzdem viel Applaus. Auch Dr. Matthias Neth zollte seinem Kontrahenten, der wie er in Stuttgart wohnt, Respekt für den fairen Wettstreit: "Das Ergebnis hat gezeigt: Beide Bewerber wären geeignet gewesen."

Matthias Neth knapp vorn
Landrat Helmut M. Jahn gratuliert seinem Nachfolger Dr. Matthias Neth zur Wahl. Wann der 33-Jährige den Chefposten im Landratsamt übernimmt, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Jahns letzter Arbeitstag ist am 22. Juli.
Als Landrat Helmut M. Jahn das Ergebnis des ersten Wahlgangs verkündete, schnauften die Kandidaten erst mal tief durch, machten sich für wenige Sekunden locker und lachten sich zu. Im zweiten Wahlgang wurde die Spannung immer größer. Aufrecht sitzend und fast bewegungslos verfolgten Uwe Köhn und Dr. Matthias Neth das Geschehen.

Dann gab Jahn das Ergebnis des zweiten Wahlgangs bekannt. 21:18 für Dr. Matthias Neth. Der schloss die Augen und umarmte seine Partnerin Jutta Huba. Uwe Köhn war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, Ehefrau Susanne Groner-Köhn tröstete ihn.

Souverän

Beide Kandidaten hatten vor dem Hohenloher Kreistag souveräne Bewerbungsreden gehalten. Uwe Köhn hielt die erlaubte Zeit von 20 Minuten exakt ein, Dr. Matthias Neth sprach eine Minute kürzer. Die Anspannung war beiden kaum anzumerken. Ihr Vortrag war klar strukturiert und rhetorisch sauber. Neth fand insgesamt einen emotionaleren Zugang. Womöglich war dies wahlentscheidend.

 

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Zur Person: Matthias Neth

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Matthias Neth.  
Ein Jahr im Landratsamt Böblingen genügte. Danach wusste Dr. Matthias Neth: Kommunale Verwaltung liegt ihm. „Es ist frappierend, welch enorme Gestaltungsmöglichkeiten man hat von der Idee bis zur Umsetzung. Man sieht was von seiner Arbeit, kann kreativ sein und viel erreichen.“ Das Interesse war geweckt, um im November 2012 zu sagen: Ja, ich will Landrat werden. Im Hohenlohekreis. Dort, wo seiner Mutter aufwuchs, die Tochter von Pfedelbachs Ex-Bürgermeister Erich Fritz.

Er hatte in Böblingen das Amt für Bauen und Gewerbe geleitet, ab September 2010 wollte ihn die Landesverwaltung für Sonderaufgaben. Seine Stelle im Landratsamt wurde freigehalten, doch Neth fasste in Stuttgart so gut Fuß, dass er nicht zurückkehrte. Erst war er drei Monate Rechtsreferent im Innenministerium, dann vier Monate Parlamentarischer Berater der CDU-Landtagsfraktion. Im März 2011 wechselte er als Referent für Wirtschaftspolitik ins Staatsministerium, seit Mai 2011 ist er wieder im Landtag: als Parlamentsrat. Er berät die CDU-Fraktion, wenn es um Verkehr und Infrastruktur geht, „seit Neuestem auch in Recht und Verfassung“.

Neth sagt: „Der Hohenlohekreis ist ein Teil von mir.“ Obwohl er die meiste Zeit seines Lebens in Stuttgart verbrachte. Doch Pfedelbach hat eine spezielle Bedeutung in der Vita des 33-Jährigen. „Für uns war das großelterliche Haus immer Familienmittelpunkt. Von Kindheit an stand ich im Weinberg.“

Die Landschaft, die Mentalität: All dies sei ihm nicht fremd. Erich Fritz, sein Großvater, starb 1993, er war bis 1986 Bürgermeister in Pfedelbach. Seine Großmutter ist im Januar gestorben. Jetzt will er sofort in den Hohenlohekreis ziehen, „mit Sack und Pack“ und Partnerin Jutta Huba (30), die bei der Finanzverwaltung in Schwäbisch Gmünd arbeitet.

Am 5. November 2012 gab Landrat Helmut M. Jahn seinen Rückzug bekannt. „Meine Oma hat mir sofort die HZ zukommen lassen. Ab da bin ich mit dem Gedanken schwanger gegangen.“ Kann ich das? Die „Vernunft“ sagte: „Ja“. Passe ich nach Hohenlohe? Die „Emotion“ beschied ihm: „mit vollem Herzen“. Mit vollem Herzen ist Neth auch im öffentlichen Dienst tätig.

„Ich komme aus einer sehr klassischen Beamten-Familie: die Mutter Lehrerin, der Vater Präsident des Landesversorgungsamts, der eine Opa Bürgermeister, der andere Lehrer.“ Landespolitik fand er schon immer spannend, „auch sonntags, am Kaffeetisch zu Hause“. Im Gymnasium wählte er als Leistungsfach Gemeinschaftskunde. Dass er Jura studieren würde, lag auf der Hand. Weil das Fach klar strukturiert ist und viele Chancen bietet. „Strukturiert, offen und neugierig“ sei er auch im Beruf. „Ich höre den Leuten zu und will mit ihnen eine klare Agenda entwickeln.“ Hohe Wertschätzung, genaue Zielvorgaben, festes Fundament: So will er als Landrat wirken.

Der Kandidat wurde am 4. September 1979 in Bad Cannstatt geboren. Dort wuchs er auf. Seine Mutter ist die Tochter von Pfedelbachs Ex-Bürgermeister Erich Fritz. Sein Vater ist Stuttgarter. Neth studierte Jura in Tübingen und Lausanne. Bis Mai 2008 war er Referendar am Oberlandesgericht Stuttgart, danach studierte er Verwaltungswissenschaften in Speyer. Er war ein Jahr Amtsleiter im Landratsamt Böblingen, seit Mai 2011 ist er Parlamentarischer Berater der CDU-Landtagsfraktion. Neth lebt in Stuttgart seit fünf Jahren mit einer Finanzbeamtin zusammen. rei