Landrat Jahn verabschiedet

Hohenlohe  Hohenlohe - Helmut M. Jahn dachte, er sei „vielleicht noch ein bisschen zu jung dafür“. Doch der Kreistag dachte ganz anders. Bei seiner Verabschiedung als Landrat am frühen Freitagabend im Rittersaal von Schloss Neuenstein bekam der 64-Jährige die große Ehrenmedaille in Gold des Hohenlohekreises.

Von Ralf Reichert

 

Hohenlohe - Helmut M. Jahn dachte, er sei „vielleicht noch ein bisschen zu jung dafür“. Doch der Kreistag dachte ganz anders. Bei seiner Verabschiedung als Landrat am frühen Freitagabend im Rittersaal von Schloss Neuenstein bekam der 64-Jährige die große Ehrenmedaille in Gold des Hohenlohekreises. Es ist die höchste Auszeichnung, die der Kreis zu vergeben hat.

Dieser feierliche Akt, vollzogen vom stellvertretenden Kreistags-chef Martin Tuffentsammer, fasste im Grunde all das zusammen, was die Redner über das Wirken Jahns gesagt hatten. Tuffentsammer brachte es auf die einfache Formel: „Er ist für uns zu einem besonderen Glücksfall und Segen geworden.“

Viel Prominenz gab Jahn die Ehre, unter anderem der Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel und der aktuelle Amtsträger Winfried Kretschmann. „Sie haben diesen Kreis geprägt wie kein anderer“, sagte er. Berufsschulwesen, Ausbau des ÖPNV, Verwaltungsstrukturreform: Jahn habe alle Herausforderungen gemeistert. Besonders beeindruckt hat Kretschmann die „Aufholjagd“ in der Wirtschaft. „Dass dieser ländlich geprägte Kreis heute wirtschaftlich so erfolgreich ist, ist zum großen Teil Ihrem Wirken zu verdanken.“

Bürgernah

Wie Jahn sein Amt ausgeführt habe, sei beispielhaft gewesen: „Sie waren stets umgänglich und kein Mann der lauten und schrillen Töne. Sie waren ein Mann, der mit Erfahrung und guten Argumenten überzeugen konnte. Sie waren ein kompetenter, bürgernaher Landrat: beliebt und angesehen.“ Jahns „kluge Finanzpolitik“ hinterlasse seinem Nachfolger ein „gut bestelltes Feld“.

Der Nachfolger heißt Dr. Matthias Neth. Er wurde von Regierungspräsident Johannes Schmalzl in sein neues Amt eingesetzt. „Sie haben in Rekordzeit fast alle Ebenen durchlaufen: Amtsleiter im Landratsamt, Innenministerium, Staatsministerium. Knüpfen Sie an die Erfolge Ihres Vorgängers an“, sagte Schmalzl. Der 33-Jährige nahm den Ball auf und gab zu erkennen, Jahns Politikstil fortzuführen: „Der Landkreis ist wie ein gut abgestimmtes Orchester, in dem alle mitwirken. Ich bevorzuge Piano und Fortissimo, nur nicht die schrillen Töne.“ Besser hätte es Jahn nicht sagen können, der einerseits ruhig und gelassen, andererseits aber auch durchsetzungsstark und konsequent sein konnte, ohne in Wortwahl und Auftritt zu übertreiben.

Schlüssel

Am 22. Juli ist Jahns letzter Arbeitstag. Der finale Akt ist die Schlüsselübergabe. Neth drehte in Neuenstein den Spieß herum und überreichte seinem Vorgänger einen Schlüssel: als Symbol, im Hohenlohekreis und Landratsamt immer ein- und ausgehen zu können. Das wird Jahn bestimmt nicht tun, aber: „Wenn Sie, Herr Neth, meinen Rat brauchen, bin ich für Sie da.“

Die Verabschiedung spannte auch einen Bogen zwischen Gestern und Heute. Sparkassenpräsident Peter Schneider war vor 24 Jahren bei der Einführung Jahns dabei: als persönlicher Referent von Innenminister Dietmar Schlee. Als Dank für seine Verdienste um das Sparkassenwesen bekam Jahn die goldene Sparkassenmedaille des Landes. Personalratsvorsitzende Käthe Deigner-Tiemann war damals ebenfalls dabei. Sie zitierte aus seiner Antrittsrede von 1989 und sagte: „Ihre Hoffnungen haben sich erfüllt.“

Bürgermeisterin Patrizia Filz (Schöntal) sprach für alle Kollegen im Kreis und dankte dafür, jede Gemeinde immer unterstützt zu haben. Jahn selbst wurde am Ende nochmal grundsätzlich. Und sehr politisch. Seiner Frau Brigitte dankte er ganz besonders: „Sie war in schwierigen Fragen oft die einzige, die mir die meinung sagte, auch wenn mir das nicht so angenehm war.“