Landesstraßen: Kreis geht leer aus

Region - Viele Landesstraßen im Hohenlohekreis sind in einem er bämlichen Zustand. Nirgendwo sonst im Regierungsbezirk Stuttgart haftet mehr Strecken das Etikett "schlecht" oder "sehr schlecht" an. Trotzdem soll von 2015 bis 2025 keine einzige Straße ausgebaut werden, für die das Land geradesteht.

Von unserem Redakteur Ralf Reichert
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Abgefahrene Bankette, notdürftig geflickte Schlaglöcher, tiefe Wellen im Asphalt: So zeigt sich die L1050 zwischen Friedrichsruhe und Sindringen.Foto: Reichert

Region - Viele Landesstraßen im Hohenlohekreis sind in einem erbämlichen Zustand. Nirgendwo sonst im Regierungsbezirk Stuttgart haftet mehr Strecken das Etikett "schlecht" oder "sehr schlecht" an. Trotzdem soll von 2015 bis 2025 keine einzige Straße ausgebaut werden, für die das Land geradesteht.

Mehr noch: Selbst nach 2025 will das Verkehrsministerium in Stuttgart bei 14 Projekten dauerhaft auf einen Ausbau verzichten. 17 weitere Vorhaben werden zurückgestellt und "zunächst der Sanierung zugeordnet". So formuliert es das Ministerium in seinem Papier.

Nebulös

Es ist ein Schlag ins Gesicht des Hohenlohekreises. Im August 2011 erreichte das Ministerium eine Liste, die der Hohenloher Kreistag verabschiedet hatte. Aufgeführt waren zwölf Projekte, deren Ausbau dringend geboten ist. Davon fand kein einziges Einzug in den "Maßnahmenplan Straße" des Generalverkehrsplans 2015 bis 2025. Noch krasser: Sechs der zwölf Ausbauvorhaben wurden komplett vom Tisch gewischt und mit dem Stempel "dauerhafter Verzicht" versehen, andere teilweise "für einen späteren Ausbau zurückgestellt" und einer nebulösen "Sanierung" anheimgestellt. Selbstverständlich auch dies erst mit Verzögerung.

Entsprechend verärgert ist Landrat Helmut M. Jahn: "Das ist nicht nachvollziehbar und für uns nicht akzeptabel." Es sei "sehr bedauerlich, dass die örtlichen Kenntnisse der Kreise nicht genutzt werden und der in einem demokratischen Abstimmungsprozess formulierte Wille des Kreistages völlig ignoriert wird." Die Pläne würden den ländlichen Raum "massiv benachteiligen" und die "Anforderungen von Bürgern, Wirtschaft und Öffentlichem Personen-Nahverkehr im Hohenlohekreis für den Zeitraum bis 2025 nicht annähernd erfüllen".

Landesstraßen: Kreis geht leer aus
Wird die L 1045 zwischen Morsbach und Künzelsau je ausgebaut? Das Land sagt: Projekt auf Dauer gestrichen. Das gilt auch bis Kocherstetten und weiter.Foto: Stolla

Wie gesagt: Der "Maßnahmenplan Straße" ist in Sachen Hohenlohekreis völlig blank, was den Ausbau betrifft. Trotzdem wurde das Landratsamt "angehört", im Auftrag des Landkreistags. Das konnte Helmut Kercher nicht verstehen. Dem Verkehrsdezernent des Kreises ist schleierhaft, warum die "ergänzende Liste" der zurückgestellten und gestrichenen Projekte nicht Bestandteil des Gesamtpakets war. Trotzdem gab er am 11. September eine Stellungnahme ab. Klar ist: Der Hohenlohekreis kann damit nicht leben. Er fordert Nachbesserungen.

Kritisiert werden etwa die Bewertungskriterien: "Wenn man sie so anlegt, hat der ländliche Raum keine Chance." Kercher vermisst weiter die nötige Transparenz. Und: Nirgends sei definiert, was Sanierung bedeutet. "Wenn es nur heißt: Eine neue Decke drauf und alles andere lässt man bleiben", sei das problematisch. 2013 wolle sich das Land noch einmal genau darauf einlassen: die Sanierung, nicht den Ausbau seiner Straßen. Getreu dem Regierungsmotto "Erhalt vor Neubau" tauchen dann vielleicht doch Projekte aus dem Hohenlohekreis auf.

Zerrissen

Auffällig an dem ergänzenden Konzept, in dem die gestrichenen und zurückgestellten Projekte aufgelistet sind, ist dessen Zerrissenheit. Beispiel: die L 1051 zwischen Emmertshof und der B19. Zwischen der Bundesstraße und Kemmeten sowie zwischen Neufels und Kirchensall heißt es: verschieben. Zwischen Kirchensall und Emmertshof hingegen: streichen. Und die Ortsdurchfahrt von Kirchensall taucht gar nicht auf. Das nährt den Verdacht, dass keine zusammenhängenden Verkehrsachsen, sondern nur einzelne Strecken geprüft wurden. Dies ergibt am Ende ein ziemlich schiefes Bild.


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