Hilfskonvoi startet in Schleierhof

Forchtenberg - Markus Dietz deutet auf einer Landkarte Tunesiens auf eine Sandpiste. "Letztes Jahr war sie noch da. Aber vielleicht hat sie der Wind verweht", sagt der 39-Jährige aus Forchtenberg-Schleierhof. Mit GPS-Navigation und Satellitentelefonen müssten die Helfer dann versuchen, einen neuen Weg ins Krisengebiet zu finden.

Von Hagen Stegmüller
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Forchtenberg - Markus Dietz deutet auf einer Landkarte Tunesiens auf eine Sandpiste. "Letztes Jahr war sie noch da. Aber vielleicht hat sie der Wind verweht", sagt der 39-Jährige aus Forchtenberg-Schleierhof. Mit GPS-Navigation und Satellitentelefonen müssten die Helfer dann versuchen, einen neuen Weg ins Krisengebiet zu finden.

Abenteuer sind Markus Dietz und seine 30 Mitstreiter aus ganz Deutschland gewohnt. Mehrfach sind sie die Rallye Grand Erg in Tunesien mitgefahren, haben dabei viel Staub geschluckt und Schweiß vergossen. Doch dieses Jahr fällt das Motorsport-Event aus. "Wir können hier nicht durch die Wüste brettern, wenn nebenan Menschen sterben", betont Dietz.

Nahrung fehlt

Mittlerweile sind 350 000 Libyer vor dem Bürgerkrieg über die Grenze nach Tunesien geflohen. Die Vereinten Nationen sind zwar vor Ort, doch in den Flüchtlingslagern ist die Not groß. Es fehlt an Zelten, Decken, Nahrung und Medikamenten.

Dagegen wollen Markus Dietz und seine Rallyefreunde etwas tun. Mit vier vollgepackten Lastwagen und fünf Begleitfahrzeugen starten sie am Samstag in Richtung Genua, wo sie mit dem Schiff nach Tunis übersetzen. Anschließend kämpfen sie sich 800 Kilometer durch die Wüste in den Süden. Ziel sind die beiden Flüchtlingslager Remada und Chouca an der Grenze zu Libyen. Dort wollen sie ihre Hilfsgüter im Wert von rund 100 000 Euro verteilen. Partner ist die Hilfsorganisation "Luftfahrt ohne Grenzen" aus Frankfurt. Das Geld für den Einkauf von Zeltstangen, Babybrei und Antibiotika haben verschiedene Firmen und Privatleute gespendet.

"Wir werden auch zwei Krankenhäuser beliefern", berichtet Dietz. Er geht davon aus, dass mit den vier Lastwagenladungen rund 1000 Flüchtlinge versorgt werden können. Hilfsgüter im Wert von 100 Euro reichen aus, um eine gestrandete Familie einen Monat lang zu versorgen.

Autos stehen an der libysch-tunesischen Grenze bei Dahibah in Tunesien. Noch immer flüchten die Menschen vor dem Bürgerkrieg in Libyen.Foto: dpa

Wichtiges Zeichen

Bei der Zusammenstellung der Hilfsgüter werden die Rallyefahrer von der deutschen Botschaft in Tunis unterstützt. "Im Namen der Botschaft möchte ich meine Freude über die von Ihnen gestartete Hilfsaktion zum Ausdruck bringen", schreibt Botschafter Dr. Horst-Wolfram Kerll an die Veranstalter der Wüstenrallye. Ein solches Zeichen sei "gerade von uns Deutschen jetzt sehr wichtig".

An die Tunesier abseits der Urlaubshochburgen hat Markus Dietz nur die besten Erinnerungen. "Sie waren immer sehr freundlich", sagt er. "Letztes Jahr haben sie uns zum Essen eingeladen und dafür extra eine Ziege geschlachtet." Die Gastfreundschaft gegenüber den Deutschen habe man wohl Feldmarschall Erwin Rommel (1891-1944) zu verdanken. Die Tunesier hätten übereinstimmend berichtet, dass der General die einheimische Bevölkerung während des Afrika-Feldzugs komplett in Ruhe gelassen habe.

Luftfahrt ohne Grenzen e.V., Taunus-Sparkasse, BLZ 512 500 00, Konto 800 1901,

Stichwort: Tunesienhilfe


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