Geflügelpest: Hühnerhalter fordern landesweite Stallpflicht

Region  Unter gewerblichen Geflügelhaltern in der Region werden die Stimmen nach einer landesweiten Stallpflicht immer lauter. Hintergrund ist der Ausbruch der Geflügelpest in einem kleinen Bestand im Bretzfelder Ortsteil Scheppach.

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Hühner auf der Stange
Geflügelhalter in der Region fordern, dass die Landesregierung verfügt, das Geflügel flächendeckend in die Ställe zu sperren. Foto: dpa

Der Zentralverband der Geflügelwirtschaft in Deutschland und die Landesregierung sehen derzeit noch keinen Grund zur Verschärfung von Sicherheits-Maßnahmen.

Am 11. Februar hatte das Landratsamt des Hohenlohekreises eine Allgemeinverfügung erlassen. Darin ist eine Stallpflicht in einem Umkreis von zehn Kilometern rings um den Ausbruchsort vorgeschrieben. Inzwischen hat das niederländische Landwirtschaftsministerium aufgrund des Hohenloher Falls eine landesweite Stallpflicht erlassen. Die Regierung in Den Haag begründet den Schritt mit der Wahrscheinlichkeit, dass das Virus auch Wildvogelpopulationen in anderen Teilen Europas befallen haben könnte. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, ist die hochansteckende Variante der Geflügelpest in Tschechien erneut ausgebrochen.

Öffentlich hatte dies Landwirt Georg Heitlinger bereits kurz nach Bekanntwerden des Hohenloher Falls geäußert. Der Eppinger hat seine 1200 im Freien gehaltenen Hennen vorsorglich eingesperrt. "35 Kilometer sind für einen infizierten Zugvogel keine Distanz", so der Bauer. Ähnlich hält es sein Brackenheimer Kollege Peter Buyer, der 6300 Freilandhennen präventiv im Stall hält. Er schließt sich der Forderung der landesweiten Stallpflicht an.

Die Landesregierung sieht derzeit noch von einer Stallpflicht im ganzen Land ab. Diese Maßnahme würde erst getroffen, wenn das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) und das Max-Planck-Institut das Risiko eines vermehrten Eintrags des Seuchenerregers durch Zugvögel als "hoch" einschätzen würden, so das Ministerium für Ländlichen Raum. Alle untersuchten Proben aus dem Beobachtungs- und Sperrkreis um Scheppach seien bisher ohne Nachweis des gefährlichen Erregers. Auch der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft sieht mit Blick auf die moderate Risikobewertung des FLI keine Veranlassung, eine Stallpflicht zu fordern.

 

 

Wer entscheidet?

Die Zuständigkeit für die Aufstallung in einem Landkreis liegt beim Landratsamt in Abstimmung mit dem Ministerium für ländlichen Raum (MLR). Eine landesweite Stallpflicht würde durch das MLR per Erlass den Landratsämtern vorgegeben . In jedem Fall aber gelten die gleichen Fristen für die Auszeichnung der Eier aus Freilandhaltung, unabhängig davon, wer die Pflicht verhängt. Derzeit dürfen Freilandeier trotz Stallpflicht 16 Wochen lang unter ihrem ursprünglichen Label vermarktet werden.

 

Kommentar "Sicherheit zählt"

Die moderate Risikoeinschätzung des Friedrich-Löffler-Instituts, auf das sich die Landesregierung und der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft in ihren abwartenden Stellungnahmen zur Geflügelpest berufen, muss als Momentaufnahme angesehen werden: Aktuell sind alle Proben aus der Ausbruchszone in Scheppach ohne Befund. Die Analyse bezieht sich zudem auf ein räumlich eng begrenztes Gebiet.

Der Fall der im Januar in Brandenburg aufgefundenen Blessgans, die mit dem H5N8-Virus infiziert war, sowie die erneut in Tschechien ausgebrochene Geflügelpest des gleichen Typs zeigen: Die für das Federvieh tödliche Gefahr ist noch lange nicht vom Tisch, nur weil es im Umkreis von zehn Kilometern um Scheppach derzeit keine weiteren positiven Proben gibt. Selbst die Geflügelunternehmer, die teure Maßnahmen zur Vorbeugung zumindest stirnrunzelnd bewerten müssten, begrüßen diese stattdessen aber deutlich. Das sollte das Ministerium und die Landratsämter zum nochmaligen Nachdenken anregen. 

Dass die niederländische Regierung den Scheppacher Fall zum Anlass nimmt, eine landesweite Stallpflicht anzuordnen, lehrt uns: Risikobewertungen können voneinander abweichen, vor allem, wenn wirtschaftliche Interessen mit im Spiel sind. Im Zweifelsfall gilt aber immer noch: Sicherheit geht vor!


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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