Busse fahren in die Kostenfalle

Hohenlohe - Landrat Helmut M. Jahn und sein Kämmerer Helmut Kercher sehen Gesprächsbedarf mit dem Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr (HNV). Seit gut dreieinhalb Jahren gibt es den Tarifverbund über Landkreisgrenzen hinweg, und die Kreisverwaltung in Künzelsau verzeichnet mit Schrecken: Ihrem eigenen Betrieb Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) fehlt Jahr um Jahr mehr Geld in der Bilanz.

Von Peter Hohl

Busse fahren in die Kostenfalle
Die Einnahmen sinken, die Ausgaben steigen: Die Aussichten für den NVH sind derzeit alles andere als prächtig.Foto: Peter Hohl

Hohenlohe - Landrat Helmut M. Jahn und sein Kämmerer Helmut Kercher sehen Gesprächsbedarf mit dem Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr (HNV): „ Die beiden Tarifstrukturen gehen nicht zusammen, sondern entwickeln sich auseinander.“ Seit gut dreieinhalb Jahren gibt es den Tarifverbund über Landkreisgrenzen hinweg, und die Kreisverwaltung in Künzelsau verzeichnet mit Schrecken: Ihrem eigenen Betrieb Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) fehlt Jahr um Jahr mehr Geld in der Bilanz.

„Es war nicht von Anfang an erkennbar, wie sich die Zusammenarbeit mit dem HNV entwickelt“, sagt Landrat Jahn. Derzeit sei man dabei, die Folgen der Kooperation mit dem HNV und die Auswirkungen des Stadtbahnbetriebs für den NVH zu bewerten. Der künftige Kreistag (er wird im Juni 2009 gewählt) werde sich dann intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen haben.

Viel Geld

Thomas Föhl, Bretzfelder Bürgermeister und FWV-Kreisrat, hat einen unmissverständlichen Wunsch: „Die Diskussion darf über alles geh'n, nur nicht über eine Ausweitung des Angebots.“ Denn der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) kostet den Hohenlohekreis heute schon eine ganze Menge Geld. Annähernd vier von 38 Punkten Kreisumlage - das ist das Geld, das sich der Landkreis bei den Gemeinden holt, - fließen im kommenden Jahr in den ÖPNV. Das sind fast fünf Millionen Euro.

Dabei spart NVH-Betriebsleiter Roland Braun bereits, wo er kann. So wird es zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember kein neues, über 600 Seiten starkes Buch geben, sondern nur ein rund 70-seitiges Berichtigungsheft zum bisherigen Fahrplanbuch. Weil Braun überdies Glück hatte und die Dieselpreise seit einigen Wochen wieder auf Talfahrt sind, fallen die Kosten im laufenden Jahr etwas geringer aus, als zwischenzeitlich befürchtet.

Lücke

Zugleich tut sich aber bei den Einnahmen eine Lücke auf. Die Zahl der NVH-Schülerkarten ist deutlich zurückgegangen. Von den kalkulierten drei Millionen Euro werden am Jahresende wohl 300 000 Euro in der NVH-Kasse fehlen.

Drastische Einbußen verzeichnet der NVH bei seinen jüngsten Fahrgästen. Die Zahl der Kindergartenkinder sei gegenüber dem Spitzenjahr 2002/2003 um 42 Prozent, die der Grundschüler um 15 Prozent zurückgegangen, berichtete Braun. Weil aber die Kindergärten und Schulen weiterhin bedient werden, bleiben die Kosten gleich, während die Einnahmen sinken.

„Der demografische Wandel hat uns erreicht“, so Braun. Hier allerdings meldet der Künzelsauer Bürgermeister und FWV-Kreisrat Volker Lenz Zweifel an: Der zahlenmäßige Rückgang der Kindergartenkinder liege weit unter 42 Prozent. Da müsse es wohl andere Gründe für die Fahrgastverluste geben, möglicherweise eine steigende Zahl von Fahrgemeinschaften der Eltern.


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