Beton und Erinnerung lückenhaft

Künzelsau - Zuerst die schlechte Nachricht: Die Verdolung des Künsbachs unterhalb des Alten Rathauses ist marode. Wasser und Streusalz machen dem Bauwerk zu schaffen. Jetzt die noch schlechtere: Bekannt ist das seit Jahren. Spätestens 2008 hat ein Ingenieurbüro den Stadträten den Bericht präsentiert.

Von unserem Redakteur Matthias Stolla

Beton und Erinnerung lückenhaft
Betonrohre mit 2,20 Metern Durchmesser wurden 2007/2008 in der Hauptstraße verbaut. Unterhalb des Alten Rathauses blieb dagegen alles beim Alten.Foto: Archiv/Stolla

Künzelsau - Zuerst die schlechte Nachricht: Die Verdolung des Künsbachs unterhalb des Alten Rathauses ist marode. Wasser und Streusalz machen dem Bauwerk zu schaffen. Jetzt die noch schlechtere: Bekannt ist das seit Jahren. Spätestens 2008 hat ein Ingenieurbüro den Stadträten den Bericht präsentiert. So richtig erinnern will sich daran heute niemand mehr, und passiert ist seither nichts. Im schlimmsten Fall droht jetzt die Instandsetzung mit erneuter Sperrung der Hauptstraße. Die Verwaltung rechnet mit Kosten von 550 000 Euro

Die Verdolung zwischen Altem rathaus und Kocher ist in einem kritischen Zustand. Gerald Heigls Bericht ließ daran keinen Zweifel. Der Ingenieur aus Würzburg zeigte den Stadträten Fotos, die manchen erschreckten: abgeplatzter Beton, verrostete Armiereisen und regelrechte Tropfsteine, die von der Decke des sogenannten Trogbauwerks hängen, in dem der Künsbach zum Kocher fließt. Heigls Fazit: Die "Dauerhaftigkeit ist nur bedingt gegeben." Auf der Notenskala von eins bis vier erreicht die Verdolung den Wert 3,3. Ab 3,5 besteht sofortiger Handlungsbedarf. Das Pikante daran: Heigls Prüfbericht ist alt. Ende Juni 2007 hatte er ihn abgeschlossen. Gerade mal einen Monat, bevor die Stadträte den Beschluss für die Erneuerung der Verdolung im oberen Bereich der Hauptstraße fassten − angeblich im festen Glauben, unterhalb des Alten Rathauses sei alles in Ordnung.

Dramatik

Gegenüber der HZ betonte Gerald Heigl: "Das ist die gleiche Power Point Präsentation wie 2008." Dem Technischen Ausschuss oder dem damals zuständigen Arbeitskreis des Gemeinderats habe er sie gezeigt, sagt er. Stadträte, die damals schon im Gremium saßen, können sich nur bedingt erinnern. Erich Schwarz (CDU) zum Beispiel: "Aber nicht in der Dramatik."

Andere fühlen sich schlichtweg hintergangen. Boris d’Angelo zum Beispiel: "Warum ist der Gemeinderat nicht informiert worden? Das ist gelinde ausgedrückt ein schweres Versäumnis." Der UBK-Stadtrat hatte immer wieder gefordert, den Künsbach über die Bahntrasse nach Nordwesten abzuleiten. Unter Hinweis auf höhere Kosten sei das stets abgelehnt worden.

Meinrad Kaiser (FFK) sieht sich von der damaligen Verwaltung "hinters Licht geführt". Er forderte, statt einer Sanierung besser gleich einen Neubau des 178 Meter langen Teilstücks zu planen. Genau davor graust es Künzelsauer Einzelhändlern, die sich nur zu gut an die jahrelangen Sperrungen wegen der Neugestaltung der Oberen Hauptstraße und wegen des Ausbaus der B19 Richtung Gaisbach erinnern. SPD-Stadträtin Reintraut Lindenmaier zum Beispiel: "Wenn wir wieder eine Sperrung bekommen, werden wir wieder weniger Kunden haben."

Zustand

Bürgermeister Stefan Neumann geht davon aus, "dass wir die Hauptstraße nicht komplett sperren müssen." Aber: "Spätestens 2013 sollten wir da etwas machen." Denn dass sich der Zustand im Untergrund innerhalb der vergangenen viereinhalb Jahre verbessert haben könnte, glaubt niemand.

Am allerwenigsten der Bau-Experte Gerald Heigl aus Würzburg: "Ist doch klar, was da kommt", sagt er, ohne sich näher festlegen zu wollen. Und er betont: "Ich habe jährlich darauf hingewiesen, dass wir, wenn wir nichts unternehmen, unterhalb des Alten Rathauses die nächste Baustelle haben werden.