Bauern blicken in ungewisse Zukunft

Hohenlohe - Der Milchpreis ist wieder im Keller. Gleichzeitig sind die Kosten für Kraftfutter stark gestiegen. In Verbindung mit den hohen Energiepreisen macht das vielen Hohenloher Milchbauern zu schaffen. Im April 2015 verschärft sich die Marktlage weiter: Dann fällt die Milchquote.

Von Ralf Reichert

Hohenlohe - Der Milchpreis ist wieder im Keller. Gleichzeitig sind die Kosten für Kraftfutter stark gestiegen. In Verbindung mit den hohen Energiepreisen macht das vielen Hohenloher Milchbauern zu schaffen. Im April 2015 verschärft sich die Marktlage weiter: Dann fällt die Milchquote, und jeder Bauer darf so viel produzieren, wie er will. Auf diese Situation müssen sich die Hohenloher Landwirte früh genug einstellen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: die Kosten senken oder die Leistung steigern.

„Die Unkosten fressen uns auf“, sagt Bernd Schimmel, Milchbauer aus Schleierhof. Strom, Wasser, Abwasser: Alles sei teurer geworden. Die größten Kostentreiber sind aber der Diesel, das Kraftfutter (Soja-Mangel wegen Dürre in USA) und die Düngemittel. Auch hier zeigen die Preise beständig nach oben, während die Erlöse für Milch seit Januar 2012 nur noch eine Richtung kennen: nach unten.

Das erinnert zum Teil an die Situation vor drei Jahren, als einige Bauern streikten und ihre Milch wegschütteten, weil die Preise massiv eingebrochen waren. So weit ist es zwar noch nicht, aber der Druck steigt weiter. Und der Frust. Bernd Schimmel bekam damals von der Hohenloher Molkerei 25 Cent pro Liter (4,0 Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß). Auf seiner letzten Abrechnung waren es nur knapp zwei Cent mehr. „Ich bräuchte mindestens 35 Cent, um Null auf Null herauszukommen. Erst bei 40 Cent können wir etwas verdienen.“

Weil die Milchpreise 2011 einigermaßen stabil waren, hat in den letzten neun Monaten kein Hof im Hohenlohekreis dicht gemacht. Hält die Talfahrt an, werden nächstes Jahr wieder einige folgen. „Dieses Jahr werden 3000 bis 5000 Höfe nicht überleben“, schätzt Hans Foldenauer vom Verband Deutscher Milchviehhalter. Manuel Döhler, im Hohenloher Landwirtschaftsamt für die Tierhaltung zuständig, glaubt: „Der Tiefpunkt beim Milchpreis ist erst einmal erreicht.“

Doch sein Blick geht schon weiter: kurzfristig auf die Verhandlungen der Molkereien mit dem Lebensmitteleinzelhandel in diesem Herbst, langfristig auf den Stopp der EU-weiten Mengenregulierung im April 2015. Beides verheißt nichts Gutes. Die Verbraucher greifen nach günstiger Ware, die Discounter diktieren das Geschäft. Wenn die Milchquote abgeschafft ist, gibt es noch mehr Milch, und die Preise könnten weiter purzeln. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Döhler den Milchbauern: Leistung weiter rauf oder Kosten weiter runter. Für beide Strategien gebe es im Hohenlohekreis noch genügend Potenzial.

 


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