Attacke aus heiterem Himmel

Hohenlohe - "Es war, als wenn einem jemand mit der Stahlbürste über den Kopf fährt." Jochen Knobloch ist auch gestern noch sichtlich beeindruckt. Ein Greifvogel hatte ihn beim Joggen angegriffen und verletzt.

Von unserer Redakteurin Bettina Henke

Attacke aus heiterem Himmel
Jochen Knobloch joggt regelmäßig auf dem Sträßle von Michelbach nach Obersöllbach. Am frühen Abend des Pfingstmontags attackierte ihn dort urplötzlich ein Bussard. Die nächsten Wochen will der Cappeler jetzt die Strecke meiden.Foto: Bettina Henke

Hohenlohe - Es war, wie wenn einem jemand mit der Stahlbürste über den Kopf fährt." Jochen Knobloch ist zwar nicht geschockt, aber auch gestern noch sichtlich beeindruckt. Der 45-jährige Cappeler joggte am Pfingstmontag gegen 19 Uhr auf dem Verbindungssträßle am Ortsausgang von Michelbach in Richtung Obersöllbach, als ihn plötzlich ein Greifvogel von hinten attackierte.

"Ich habe das Tier zuvor nicht bemerkt. Plötzlich hat es wusch gemacht." Mit seinen Krallen hinterließ der Greif am Kopf des Joggers blutende Kratzer. Einen Spaziergänger mit Hund, der Knobloch kurz zuvor entgegengekommen war, hatte der Greifvogel dagegen offenbar nicht attackiert.

Gleiches Erlebnis

"So etwas ist mir noch nie passiert", sagt Knobloch, der regelmäßig joggt und oft auf dieser Strecke unterwegs ist. Mit seinem Erlebnis steht er nicht allein. Am Vormittag des Pfingstsamstags hatte Stefan Wilke (46) aus Neckarsulm das gleiche Erlebnis, als er auf dem Brettachtalradweg zwischen Bitzfeld und Weißlensburg joggte (wir berichteten). Auch ihn hatte urplötzlich, kurz nachdem er die Autobahnbrücke unterquert hatte, in Höhe des Steinbruchs Kern ein Greif von hinten angegriffen und mit seinen Krallen am Kopf verletzt.

Die Wunden, so der Mann gegenüber der Hohenloher Zeitung, hätten zwar stark geblutet, seien aber trotzdem nicht schlimm gewesen. Wie Knobloch vermutet auch Wilke, dass es sich um einen Bussard gehandelt habe. Knobloch: "Das Tier sah so aus wie die, die immer auf den Pfosten in der Landschaft sitzen."

Attacke aus heiterem Himmel
Blutige Kratzer hinterließ der Greifvogel an Jochen Knoblochs Kopf.Foto: privat

Horstnähe

"Mit Sicherheit handelte es sich um Mäusebussarde", sagt Karl-Heinz Graef gestern auf Nachfrage der Hohenloher Zeitung. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz bedrohter Eulen und Greifvögel im Hohenlohekreis, kennt dieses Verhalten der Tiere aus eigener Erfahrung. Auch er wurde bereits einmal von einem Bussard angegriffen, als er die Tiere beobachtete. "Da bin ich wohl zufällig in Horstnähe gestanden."

Denn genau das sei der Grund für die Attacken. Die Strecke der Jogger habe wohl an einem Nest vorbeigeführt, in dem ein Brutpaar gerade seine Jungen aufzieht. "Die Vögel versuchen, ihr Revier zu verteidigen." Entferne man sich und habe wieder den nötigen Sicherheitsabstand, rege sich der Vogel ab.

Dennoch, so Graef, würden sich nur wenige Bussarde so verhalten. Es seien Einzelfälle, die man nicht verallgemeinern dürfe. "Ich vergleiche es immer mit den Millionen von Menschen, die im Meer schwimmen und nur ganz wenige werden von einem Hai attackiert." Dass ein Bussard-Angriff dann zudem blutig ende, sei selten der Fall. "Manchmal fliegen sie auch nur knapp drüber, machen eine Art Scheinattacke."

Warum jetzt gerade zwei Jogger Opfer eines Angriffs wurden, kann sich Graef nicht erklären. Mit der Geschwindigkeit der Männer, die beide in flottem Tempo unterwegs waren, hängt es seiner Meinung nach nicht zusammen. "Vielleicht, weil ich allein unterwegs war", vermutet Knobloch.

Attacke aus heiterem Himmel

Warnschild

Was kann man tun, um einem Angriff zu entgehen? Eine Strecke wie den viel benutzten Brettachtalradweg zu sperren, hält Karl-Heinz Graef nicht für erforderlich. Aber sinnvoll wäre es, während der paar Wochen, bis die Jungen flügge sind, an den Wegen, wo es zu den Vorfällen kam, ein Schild aufzustellen, das Spaziergänger, Jogger und Radler vor möglichen Attacken warnt: "Vorsicht, Greifvogel kann Revier verteidigen."

Das Ordnungsamt in Bretzfeld prüfe jetzt diese Möglichkeit, wie Sandra Koch gestern der Hohenloher Zeitung sagte. Für Jochen Knobloch dagegen ist der Fall klar: "Ich laufe die nächsten Wochen eben eine andere Strecke."

 


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