Alle wollen die Jagsttalbahn zurück

Mulfingen - Die gute Nachricht zuerst: Mit 100 000 Euro kann die Jagsttalbahn wieder auf die Schienen gebracht werden. Die schlechte: Es ist nur ein kleiner Streckenabschnitt, etwa 600 Meter ab dem Dörzbacher Bahnhof, auf dem der Zug hin- und herfahren würde.

Von unserer Redakteurin Stefanie Jani

Viel Zuspruch für Jagsttalbahn-Pläne
Für zahlreiche Zuschauer, Berichterstatter und Eisenbahn-Fans war die im Jahr 1988 stillgelegte Schmalspurbahn bei jeder Fahrt ein besonderes Erlebnis.Foto: privat

Mulfingen - Die gute Nachricht zuerst: Mit 100 000 Euro kann die Jagsttalbahn wieder auf die Schienen gebracht werden. Die schlechte: Es ist nur ein kleiner Streckenabschnitt, etwa 600 Meter ab dem Dörzbacher Bahnhof, auf dem der Zug hin- und herfahren würde. Wie viel tatsächlich investiert werden muss, damit die 1988 stillgelegte Schmalspurbahn irgendwann auf einer längeren Strecke fährt, das kann keiner der Experten bei der Jagsttaler Tafelrunde sagen. Politiker, Ehrenamtliche und ein Architekt diskutierten im Gewölbekeller des Alten Amtshauses in Ailringen über das Thema Naturgüter − am Beispiel der Jagsttalbahn.

Überraschend

"Sie dürfen sich ruhig streiten", ist die Aufforderung von Heinz Schiebenes, Geschäftsführer der Würth Hotels. Gesagt, getan. Was überrascht: Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie. Dass die Jagsttalbahn wieder in Fahrt kommen soll, darüber sind sich die Gäste einig − auch die Rathauschefs von Widdern und Krautheim sind nicht dagegen. Andreas Köhler, Bürgermeister in Krautheim, dessen Stadt vor fünf Jahren aus dem Projekt ausgestiegen ist, begründet die Entscheidung: "Die Fördergelder waren einfach zu gering. Die Hauptlast lag auf der Stadt." Mit Überzeugung habe das nichts zu tun gehabt. Auch der Widderner Bürgermeister Jürgen Olma, dessen Bürger sich gegen die Jagsttalbahn entschieden hatten, zeigt sich nicht abgeneigt. Allerdings sei es keine kommunale Aufgabe, den Bahnbetrieb zu aktivieren. Gerhard Kohlmann, Dörzbacher Gemeinderat, fordert ein Gesamtkonzept. Dabei solle man auch die Gemeinden mit ins Boot holen. Die Bahn sei zweifelsohne ein "Frequenzbringer".

Touristische Attraktionen wie Radfahren, Kanutouren, Wein und Gastronomie könnten damit verbunden werden. Moderator Wolf M. Günthner hakt ein: Wie viel würde es kosten, wenn die Bahn auf der ganzen Strecke wieder fahren würde? Köhler überlegt: "Also ich habe in Erfahrung gebracht, dass ein Kilometer Bahntrasse rund 300 000 Euro kosten würde." Für die gesamten Gleisanlagen müsste man mit 400 000 Euro rechnen und das mit 39 Kilometern multiplizieren.

Der Kreis hilft bestenfalls bei einer Sponsorensuche. Kreisrat Wilhelm Hofmann, selbst Verfechter der Jagsttalbahn, bedauert: "Ich selbst habe es nie zu den Akten gelegt." Bis vor einigen Jahren sei noch eine Finanzrate im Kreishaushalt gewesen.

Zuspruch

Und trotzdem: Soviel Zuspruch hatten die zwei Vertreter der Jagsttalbahnfreunde mit Sitz in Dörzbach nicht erwartet. Die Mitglieder arbeiten jedes Wochenende an Fahrzeugen und Gleisanlagen in Dörzbach, damit ein Teil der Strecke wieder in Schuss kommt. "Gleis vier ist wieder aufgebaut, aber noch nicht betriebsfähig", sagt der Vorsitzende Frieder Strohm. Der Post- und Gepäckwagen sei wieder schienentauglich, und auch im Barwagen kann wieder bewirtet werden. "Nun brauchen wir Hilfe", fordert Strohm. Die nötigen Mittel für einen Museumsbetrieb kann der Verein nicht stemmen. Auf einer Strecke von 500 bis 600 Metern sollen die Züge der Museumsbahn rollen. Doch ergibt eine so kleine Lösung Sinn? Köhler kontert: "Ich glaube nicht daran, dass es funktioniert, wenn man sich nur einen Teil vornimmt, überhaupt so lange es immer noch die Gemeinden stemmen müssen." Mit einem Haushaltsvolumen von rund neun Millionen, wie es Krautheim habe, sei das Utopie.

Der Widderner Bürgermeister hingegen mahnt: "Wir sollten das tun, was wir tun können. Wichtig ist, dass wir in die gleiche Richtung ziehen und uns von dem mentalen Balast befreien." Heinz Schiebenes schlägt vor, ein Arrangement zu schnüren oder Aktien zu verkaufen. Auch dem Tourismus täte es gut, würde die längste Schmalspurbahn Deutschlands reaktiviert. Der Ansicht ist Andreas Dürr, Leiter der Touristikgemeinschaft. Das Bemberle hatte es im letzten Betriebsjahr immerhin geschafft, 44 000 Gäste ins Jagsttal zu holen. Würde es wieder fahren, hätte das eine Signalwirkung. Kommentar "Aufmerksamkeit"

Viel Zuspruch für Jagsttalbahn-Pläne
Die Gesprächspartner (von links): Wolf M. Günthner (Moderator), Gerhard Kohlmann (Gemeinderat), Frieder Strohm (Vorsitzender Jagsttalbahnfreunde), Clemens Cruschwitz (Technikvorstand Jagsttalbahnfreunde), Andreas Dürr (Leiter der Touristikgemeinschaft Hohenlohe), links hinten, Heinz Schiebenes (Geschäftsführer der Würth Hotels), Wilhelm Hofmann (Kreisrat), Siegfried Kienle (Architekt), Jürgen Olma (Bürgermeister).Foto: Jani

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