A6-Ausbau privat stemmen?

Hohenlohe - Die Bundesregierung will private Investoren deutlich stärker am Ausbau viel befahrener Autobahnen beteiligen. Drei Abschnitte werden bereits auf diese Weise ausgebaut, sechs weitere sollen folgen, gab das Verkehrsministerium Ende Juni bekannt. Auf der Liste vermerkt ist auch die A6 zwischen Wiesloch-Rauenberg und dem Weinsberger Kreuz – die restlichen 64 Kilometer bis zur Landesgrenze fehlen. Abgeordnete und IHK kämpfen für Lösung zwischen Weinsberg und Crailsheim

Von Ralf Reichert
Email
Zwischen den Anschlussstellen Bretzfeld und Kupferzell ist die Fahrbahn bereits dreispurig ausgebaut worden – allerdings nur provisorisch, das heißt ohne Standstreifen. Der vollständige Ausbau lässt weiter auf sich warten.Foto: Ralf Reichert

Hohenlohe - Die Bundesregierung will private Investoren deutlich stärker am Ausbau viel befahrener Autobahnen beteiligen. Drei Abschnitte werden bereits auf diese Weise ausgebaut, sechs weitere sollen folgen, gab das Verkehrsministerium Ende Juni bekannt.

Auf der Liste vermerkt ist auch die A6 zwischen Wiesloch-Rauenberg und dem Weinsberger Kreuz – die restlichen 64 Kilometer bis zur Landesgrenze bei Crailsheim fehlen. Und damit jene nicht minder überlasteten Abschnitte, die durch die Kreise Hohenlohe und Schwäbisch Hall führen. Die Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten (CDU) und Michael Link (FDP) können das nicht verstehen – und wollen sich in Berlin dafür stark machen, dass die A6 durchgängig von privaten Investoren ausgebaut werden kann.

Rückendeckung erhalten sie von der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken. Einhelliger Tenor: Nur durch eine Privatfinanzierung kann der vollständige dreispurige Ausbau mittelfristig gestemmt werden.

Arbeitsgruppe

„Für eine normale Finanzierung sehe ich in den nächsten zehn Jahren keine Chance“, sagt von Stetten. Als Vorsitzender einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Mobilisierung privaten Kapitals zur Erfüllung staatlicher Aufgaben befasst und von den Koalitionsparteien getragen wird, ist er an dem Thema schon seit einem Jahr dran. „Aber eher im Verborgenen.“ Jetzt will er auch öffentlich Dampf machen, um dem Verkehrsminister weitere privat finanzierbare Streckenabschnitte abzuringen – inklusive der A6 zwischen dem Weinsberger Kreuz und Crailsheim, versteht sich. „Bis zum Ende dieses Jahres hoffe ich auf erste Ergebnisse.“ Die Arbeitsgruppe werde einen Antrag in den Bundestag einbringen, in dem sie sich deutlich für die Forcierung privater Ausbau-Lösungen ausspricht.

Doch was könnte den dreispurigen Ausbau der A6 für private Investoren interessant machen? „Sie ist eine der meistbefahrenen Autobahnen Europas. Ich bin überzeugt, dass sich das rechnet.“ Und diese Rechnung geht so: Die privaten Investoren müssten die A6 ausbauen und 30 Jahre lang betreiben. Im Gegenzug erhalten sie die komplette Lkw-Maut auf dieser Strecke.

Flaschenhals

Auch der Heilbronner FDP-Abgeordnete Michael Link, der die Kreise Hohenlohe und Schwäbisch Hall mit betreut, steht voll hinter diesem Konzept. Er fordert, dass der Ausbau auf beiden Seiten der Landesgrenze kommt, denn „es bringt nichts, den Flaschenhals auf der Autobahn durch punktuelle Verbreiterungen zu verschieben. Wichtig ist der durchgängige Ausbau, und das geht zeitnah nur mit privaten Mitteln, wie gegenwärtig auf der A8 zwischen Augsburg und München erfolgreich vorexerziert wird“.

Die IHK Heilbronn-Franken sieht das genauso. „Uns ist jedes Mittel recht“, sagt Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger. „Derzeit sehe ich im Engagement privater Investoren die einzige realistische Möglichkeit, die A6 durchgängig dreispurig auszubauen.“ Zwar sei dieser Ausbau sehr teuer. „Andererseits ist die A6 in unserer Region für eine private Finanzierung geradezu prädestiniert. Das durchschnittliche Lkw-Aufkommen bedeutet auch überdurchschnittliche Mauteinnahmen.“ Vor allem im Hinblick auf den weiter steigenden Schwerlastverkehr.

Zu wenig Geld

„Wir werden keine Ruhe geben und in dieser Richtung weiter arbeiten“, sagt Metzger. Zumal das Verhältnis zwischen geplanten Straßenbauprojekten und vorhandenen staatlichen Mitteln äußerst schief sei: „Derzeit sind in Baden-Württemberg bis 2015 Verkehrsprojekte in einer Größenordnung von rund sechs Milliarden Euro geplant. Damit diese realisiert werden können, müsste der Bund dem Land pro Jahr 350 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Tatsächlich sind es aber nur 170 Millionen.“ Doch welche Firmen kämen für eine private Investition in Frage? „Das ist sicher kein Unterfangen, das von einem Unternehmen allein zu stemmen ist. Aber es gibt hier leistungsfähige Betriebe, die sich beteiligen könnten.“ Metzger denkt „spontan an Leonhard Weiss, aber auch viele andere Unternehmen kommen in Betracht. Unsere regionale Baubranche würde von diesem Ausbau deutlich profitieren“.  „Höchste Zeit“



Kommentar hinzufügen