Servicepersonal zur Laga gesucht

Öhringen  Die Gastronomen in Öhringen bereiten sich auf den großen Besucheransturm zur Landesgartenschau vor.

Von unserer Redakteurin Yvonne Tscherwitschke

Servicepersonal gesucht

Melanie Massa (42) bedient im Schlosscafé Öhringen. Sie bleibt gelassen: "Wir warten mal das erste Wochenende ab."

Foto: Yvonne Tscherwitschke

Ein wenig bange ist den Öhringer Gastronomen, wenn sie an die 171 Tage Landesgartenschau denken: "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt." Das sagt Peter Lohnert, der das L"Toro in Cappel betreibt. Ganz nah am Hofgut und der Cappelaue - aber nicht direkt am Gelände.

Er ist unsicher: Finden die Gartenschaubesucher den Weg zu ihm? Oder nicht? Lohnt es sich, statt nur abends bereits am Nachmittag zu öffnen? Oder werden die Cocktails schal und der Kaffee kalt, weil die Bar für die Gartenschaubesucher zu weit abseits ist? "Ich bin gespannt", sagt Lohnert. Mit Getränken und Lebensmitteln, ist der erfahrene Gastronom sicher, könne er auf Schwankungen schnell reagieren. "Schwieriger ist es, Personal zu finden."

Kein Leerlauf

Das Problem kennt Ulf Kretschmer vom Schlosscafé in Öhringen. Er hat das Glück, dass bereits jetzt ein recht großer Pool an Teilzeitkräften in seinem Café direkt am Gartenschaugelände bedient, abräumt, spült und bäckt. "Aber wir müssen die Schichten ausdehnen", rechnet Ulf Kretschmer mit nahezu doppeltem Personal während der Gartenschautage. Er hat sein Café mit nun 130 Sitzplätzen seit dem Umzug direkt im Schloss. Hier ist auch ein Eingang ins Gelände. So rechnet Kretschmer nicht nur mit mehr Cafébesuchern. Auch das selbstgemachte Eis wird Tagen gefragt sein.

"Wir werden weniger Leerlauf am Tag haben", denkt Kretschmer. An normalen Werktagen wird es nach dem morgendlichen Ansturm um die Mittagszeit etwas ruhiger, ehe am Nachmittag der Betrieb wieder Fahrt aufnimmt. Die Schließzeit 18 Uhr und den Ruhetag am Montag will Kretschmer beibehalten. "Ich darf mein Personal nicht verheizen." Nach der Laga geht es nahtlos mit dem Weihnachtsgeschäft weiter: "Da fehlt mir dieses Jahr ein Monat. Sonst fange ich im September mit der Weihnachtsmann-Produktion an."

Ulf und Sabine Kretschmer haben mit Gastronomen aus Schwäbisch Gmünd gesprochen und von dort Erfahrungswerte: "Die Gmünder wurden überrannt", weiß Kretschmer. Und auch wenn er noch nicht genau weiß, in welchem Umfang das auch für Öhringen zutreffen wird: "Wir versuchen uns zu rüsten."

Ein Absperrseil hat er deshalb schon besorgt. Denn: "Wir haben an starken Sonntagen festgestellt, dass wir gut mit einem vollbesetzten Café umgehen können. Doch wenn die nächsten Gäste schon hinter den Besuchern an den Tischen stehen oder im Thekenbereich alles dicht ist, dann kommen wir mit dem Abräumen nicht durch." Deshalb: "Dann machen wir lieber ein paar Minuten zu und können wieder alles richten."

Erfahrungswerte

Auch in der Kuchenproduktion sieht Kretschmer nicht das große Problem: "Ob ich zehn oder gleich zwanzig Kuchen backe, macht nicht den Unterschied." Ob er nun sieben verschiedene Kuchen am Tag aus dem Ofen hole oder die doppelte Menge Käsekuchenmasse anrühre, das könne er gut bewältigen.

"Wir sind froh, wenn es losgeht", hört man bei den Landfrauen in der Hohenloher Scheune. Auch sie haben sich bei den Schwäbisch Gmünder Landfrauen Erfahrungswerte geholt: "Das Landfrauen-Angebot ging wie geschnitten Brot", hörten sie. Das heißt: "An sonnigen Tagen werden um die 30 Kuchen gebraucht, an sonnigen Wochenenden aber bis zu 70", weiß Renate Strecker, Vorsitzende der Öhringer Landfrauen. "Da müssen wir flexibel reagieren."

Eine große Frage für die Landfrauen ist noch, wie die Kuchen-Nachlieferungen zu ihnen an die Scheune kommen. "Sechs, sieben große Kuchen kann man nicht einfach so über das Gelände tragen." "Gemischte Gefühle" hat auch Stefan Guderle. Er ist für Polster-Catering der Mann in Öhringen. Und da Polster-Catering die gesamte Laga verköstigt, kommt ganz schön viel Arbeit auf ihn zu.

Mit seiner Frau Annette und etwa 60 Vollzeitkräften stellt er sich der Herausforderung. Das Personal habe er weitgehend beisammen, sagt Guderle. Obwohl der Arbeitsmarkt hier ziemlich leergefegt gewesen sei. Einzelne 450-Euro-Kräfte könne er durchaus noch gebrauchen. Guderle weiß von anderen Gartenschauen: "Da kommt ein stressig-schönes halbes Jahr auf uns zu."

Allein am Dienstag vergangener Woche habe seine Mitarbeiterin 20 Veranstaltungsanfragen bearbeitet. Zur Laufkundschaft kommen angemeldete Sektempfänge, Tagungen und Busreisen. Der Horror für einen Gastronomen auf der Laga: "Dass ein durch Sturm oder ähnliches verursachter Todesfall die Schau überschattet und ganze Geländeteile gesperrt werden müssten", so Guderle.

Und was wäre mit einem Stromausfall um 12 Uhr? "Nicht so schlimm, damit können wir umgehen", sagt Guderle. "Da muss man flexibel sein, dann merkt der Gast fast nichts davon." Schlimmer, fügt er hinzu, wäre ein defekter Kühlcontainer: "Die Kühlcontainer sind sechs Meter lang. Da passt viel rein." Damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird, müsste schnell Ersatz besorgt und umgeräumt werden. "Aber auch das schaffen wir."

 

 

 

 

 

 

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