Pugnate Gladiatores

Öhringen  Brot und Spiele gab es beim zweiten Römerfest auf der Landesgartenschau. Kühle Temperaturen schreckten die Kämpfer nicht.

Von Bettina Hachenberg
Email

Römische Spezialitäten können die Besucher in der Culina Romana kosten.

Dicht umringt ist die Arena, als die Gladiatoren unter dem Jubel des Volkes einziehen. Rund 2000 Jahre zurück in das Imperium Romanum geht es über die Pfingstfeiertage auf der Aktionsfläche am Limes in der Cappelaue. Mit Brot und Spielen (panem et circenses) wie anno dazumal werden die Zuschauer beim zweiten Römerfest auf der Landesgartenschau unterhalten.

Taurus Antonius Maximus heißt der Lanista des Ludus Nemesis, der als Besitzer einer Gladiatorenschule zur Unterhaltung des Volkes - sprich der Laga-Besucher - am Sonntagnachmittag fünf Gladiatoren in den Kampf schickt. Sie sind zwar Sklaven, aber zugleich ausgebildete Kämpfer und stellen für ihren Besitzer einen großen materiellen Wert dar. "Gladiatoren sind eitel und lieben den Applaus" stimmt Taurus Antonius Maximus, der auch Summa Rudis (Schiedsrichter) der Kämpfe ist, die Zuschauer auf das Spektakel ein. Und da jene aus der Neuzeit kommen, hat der Summa Rudis noch jede Menge Erklärungen für sie parat.

Angefeuert von der Menge

Pugnate Gladiatores

Gestrengen Blickes wacht Taurus Antonius Maximus als Schiedsrichter (Summa Rudis) über den Kampf der Gladiatoren Vulpeculus (vorn) mit Netz und Dreizack gegen Ursus mit Helm, Schild und Schwert. Das Volk ist fasziniert.

Fotos: Bettina Hachenberg

Gleich beim ersten Kampf geht es zur Sache. Zwei Provocatores - die Langobardin Medusa und der Skythe Pullus - treten gegeneinander an. Die beiden sind voll ausgebildete Kämpfer, tragen Helm, Brustschutz und eine halbhohe Beinschiene und sind mit einem kurzen Schwert bewaffnet. Pugnate (kämpft) ertönt der Ruf des Summa Rudis. Unter den Anfeuerungsrufen der Menge gelingt es Medusa, ihren Gegner zu bezwingen.

Dieser streckt am Boden liegend zwei Finger in die Höhe: Er gibt auf. Buhrufe ertönen. Und das Volk entscheidet. Nicht mit Daumen nach oben oder unten wie man es aus Hollywoodfilmen kennt, sondern mit dem Ruf vitam (Leben) oder mortem (Tod). Die Mehrheit des Volkes ist wohl der Meinung, dass Pullus nicht tapfer genug gekämpft hat und entscheidet sich lautstark für mortem. Welch" Glück für Pullus in diesem Augenblick, dass die Römerzeit längst der Vergangenheit angehört.

Gladiatoren waren die Sportstars von damals

Tapfer schlägt sich dann auch der im Vergleich zu seinem Gegner schmächtige Vulpeculus, der als Retiarius mit Netz, Dreizack und Dolch gegen den mit Großschild, Helm und Schwert ausgerüsteten Secutor Ursus kämpft. Ebenso Hilarius, der als Hoplomachus mit dem Speer in einem Übungskampf gegen die bereits siegreiche Medusa antritt.

Anita und Udo Gerstenberger sind mit Sohn Tim an diesem Tag speziell wegen dem Römerfest aus Hardthausen zur Laga gekommen. Die Familie ist begeistert. "Toll, interessant, informativ" urteilen sie über die Vorstellung. "Wir wussten nicht, dass die Gladiatoren von damals mit teuren Sportstars von heute vergleichbar sind." Während Tims Favorit der kräftige Ursus war, haben seine Eltern die mutige Medusa angefeuert.

Lukullisch

Pugnate Gladiatores

Ursus lässt einen Besucher testen, wie schwer so ein Gladiatoren-Helm ist.

Doch nicht nur Gladiatoren kann man an diesen beiden Tagen beim Römerfest zujubeln und ihnen beim Leben in der Gladiatorenschule über die Schulter blicken. Auch für Panem (Brot) - und nicht nur das - ist in einer Culina Romana gesorgt. Ob Moretum (Schafskäse mit Kräutern), Putta Punica (Graupen mit Frischkäse und Honig) oder ein Stück lukanische Wurst - es gibt Spezialitäten, wie sie die Römer schätzten.

Faszinierend ist der Blick in die Taberna Medica, eine Arztpraxis, wie sie für die Versorgung der römischen Bevölkerung zur Verfügung stand. Ob chirurgische Instrumente oder ein kleiner Ausschnitt von rund 1000 Kräutern, Mineralien und Harzen zur Behandlung von Erkrankungen, ob Tinkturen oder ätherische Öle, medizinisches Wissen und Ausrüstung der römischen Ärzte, unter ihnen auch Frauen, war auf einem beeindruckenden Stand. Das finden auch Marianne und Hermann Steinle aus Öhringen. "Bei manchen Teilen denkt man, die sind von heute."

Akteure und weitere Auftritte

Pugnate Gladiatores

Ein römisches Taschenmesser zeigt Dr. Anette Argo in ihrer Taberna Medica.

Römische Geschichte und Sport - die Gladiatorenkämpfe sind nicht einstudiert und es kann durchaus zu Blessuren kommen - sind das Faible der Gruppe Ludus Nemesis aus Hamburg und der Gladiatores Berolinensis aus Berlin. Die Taberna Medica hat die Familie Argo aus Römerberg bei Speyer mitgebracht. Für die römischen Spezialitäten in der Culina Romana sorgen Andrea und Stefan Nitsche aus Bad Dürkheim.

Alle sind auch am Pfingstmontag, 16. Mai, auf der Landesgartenschau. Auftritte der Gladiatoren auf er Aktionsfläche in der Cappelaue sind um 11, 14 und 17 Uhr. Alle sind nochmals beim Römerfest am 2. und 3. Juli auf der Laga in Öhringen zu sehen.


Kommentar hinzufügen