Holbein-Madonna in Schwäbisch Hall präsentiert

Schwäbisch Hall - Eines der teuersten Kunstwerke Deutschlands hängt nun in Schwäbisch Hall. Die Sammlung Würth präsentierte die sogenannte Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren am Freitag in der Johanniterkirche.

Von Claudia Ihlefeld und lsw

 

Schwäbisch Hall - Es ist eines der schönsten Altmeister-Gemälde weltweit − und einer der spektakulärsten Kunstankäufe. Auch wenn sich der Unternehmer und Mäzen Reinhold Würth zum Preis nicht äußert: Mit der Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren dürfte der Hohenloher Unternehmer im Juli 2011 das teuerste Kunstwerk in Deutschland erworben haben. Für geschätzte 60 Millionen Euro.

Am Freitag wurde das Gemälde in Schwäbisch Hall präsentiert. „Das Werk ist eine wunderbare neue Erwerbung für unsere Sammlung“, sagte Kuratorin Sylvia Weber. Das Gemälde aus dem 16. Jahrhundert ist der neue Höhepunkt der Dauerausstellung „Alte Meister“ der Sammlung Würth. Ab Sonntag ist dieses Hauptwerk nördlicher Renaissancemalerei im Chor der Johanniterkirche zu bewundern.

Makellose Dame

Mit der "Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen" schuf Holbein 1526 in Basel eine Tafel, die gerne mit der Sixtinischen Madonna von Raffael verglichen wird und auf der nationalen Liste der zu schützenden Kulturgüter steht.

Knapp 500 Jahre später ist das Interesse an der makellosen Dame und an Holbein, der aufgrund seiner Bildfindung und Technik als der Fotograf unter den Renaissancemalern gilt, gewaltig: 2400 Rückmeldungen hat die Pressestelle der Würth-Gruppe erhalten für die Einladung zum Festakt in Sankt Michael. 1500 Besucher fasst die Kirche. Und so wird das Opening mit dem Staatsminister für Kultur, Bernd Neumann, mit Martin Roth, Direktor des Victoria & Albert Museum London und weiteren Gastrednern als Public Viewing auf den Haller Marktplatz übertragen.

Für mindestens zwei Jahre soll die Schutzmantelmadonna in ihrer Klimavitrine und umringt von anderen Alten Meistern der Sammlung im Chor der Johanniterkirche bleiben. Über die Versicherungssumme wird − und das ist in der Branche guter Brauch − nicht gesprochen.

Mit einem gesicherten Kunsttransport der Firma Hasenkamp, dem Spezialisten für sensible Fracht, der bereits eine Schönheit wie die Nofretete luftgefedert ins Berliner Bode-Museum schaukelte, war die Madonna Anfang August aus Frankfurt nach Hall gekommen.

In Frankfurt war der hochkarätige Holbein seit 2003 im Städel Museum ausgestellt − als Leihgabe des Adelshauses Hessen. Keine Frage, dass im Sommer auch das Städel für die Madonna geboten hatte. Das Duell entschied Würth für sich, Schwäbisch Hall und die Region − und der Kunstmarkt machte das Bild zum höchstbezahlten Alten Meister.

Dass Frankfurt enttäuscht war, ist für C. Sylvia Weber, die Direktorin der Sammlung Würth, nachvollziebar. "Das würde jedem Interessenten so gehen." Aber: "Die Ernsthaftigkeit des neuen Eigentümers stand für die Veräußerer außer Frage", stellt Weber klar. Zumal der Holbein der Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Eine Diskussion, ob das in Hohenlohe, Bayern oder Hessen geschieht, "ist nicht zeitgemäß". "Aber wir freuen uns sehr," sagt Weber.

Der Festakt für geladene Gäste am Sonntag, 17 Uhr, in St. Michael wird öffentlich übertragen.

 

Hintergrund: Hans Holbein der Jüngere und die Schutzmantelmadonna

Die sogenannte Holbein-Madonna oder Schutzmantelmadonna zählt zu den berühmtesten Kunstwerken des 16. Jahrhunderts. Sie gilt als eines der Hauptwerke nördlicher Renaissancemalerei. Hans Holbein der Jüngere (1497-1543) malte sie nach Angaben des Museums Würth in zwei Anläufen in den Jahren 1526 und 1528.

Auftraggeber des Gemäldes war der Basler Bürgermeister Jacob Meyer zum Hasen. In dem auf Nadelholz gemalten Ölbild kniet er mit seiner Familie zu Füßen Marias, die ihren Mantel schützend ausbreitet. Der vollständige Titel lautet daher auch „Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen“.

Die stellvertretende Museumsdirektorin Beate Elsen-Schwedler erklärt: „Holbein schöpft hier aus der Höhe der Kunst seiner Zeit, aus italienischen, niederländischen, deutschen und frankoflämischen Bildvorlagen.“ Das Gemälde stehe mittlerweile auf der nationalen Liste der zu schützenden Kulturgüter.

Das Bild blieb nach Angaben seines neuen Besitzers Reinhold Würth zunächst in Familienbesitz und wurde 1628 von dem Amsterdamer Kunsthändler Michel Le Blon für den damals enormen Preis von 1000 Imperiales erworben. Vermutlich um auf dem Kunstmarkt mehr Profit erzielen zu können, habe der Händler das Gemälde kopieren lassen.

Das Original gelangte in den Besitz der Herzöge von Lothringen. Prinz Wilhelm von Preußen kaufte es im Jahr 1822 und schenkte es seiner Frau Prinzessin Marianne von Hessen-Homburg. Über deren Erbschaft gelangte das Gemälde Mitte des 19. Jahrhunderts in das Eigentum der Großherzöge von Hessen und bei Rhein.

Zuletzt hatte die Erbengemeinschaft Hessen als damaliger Besitzer das Werk dem Städel Museum in Frankfurt am Main als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Weitere Infos unter www.schwaebischhall.de