Kabarettistin Lisa Fitz in der Stadthalle in Künzelsau

Künzelsau  Mit ihrem wenig überzeugenden Programm "Flüsterwitz" gastiert die bayerische Kabarettistin in der Stadthalle in Künzelsau. Allein ihre Anekdoten sind scharfzüngig. Meistens fehlt jedoch der nötige Biss.

Email

Kabarettistin Lisa Fitz greift in der Stadthalle Künzelsau auch zur Akustik-Gitarre. Ihrem Bühnenprogramm "Flüsterwitz" fehlt der nötige Biss.

Foto: Ralf Seidel

Die "großen Themen" geistern Lisa Fitz in Corona-Zeiten durch den Kopf. Merkel, Trump, Nordkorea, Glyphosat, Söder - um nur einige zu nennen. Da holtert und poltert es im Oberstübchen. Zurück bleiben nur verbrannte Synapsen. Die bayerische Kabarettistin und Sängerin hat all die schwirrenden Gedanken in einem Programm gebündelt. Zum Auftakt der blau-weißen-Woche in Künzelsau steht die 69-Jährige mit "Flüsterwitz" am Donnerstagabend auf der Bühne der Stadthalle in Künzelsau.

Sie lässt sich den Mund nicht verbieten, diese wuchtige Powerfrau aus Bayern. Knapp 40 Jahre sagt, schreibt und singt Lisa Fitz, was sie denkt. Oft eckt sie damit gehörig an, in den letzten Jahren warfen ihr einige Medien die Verbreitung antisemitischer Verschwörungsideologien vor, die "Süddeutsche Zeitung" bescheinigte ihr gar, "auf einer rechtspopulistischen Klaviatur" zu spielen.

Lisa Fitz arbeitet sich an Männer-Frauen-Klischees ab

In ihrem zweistündigen Programm wirkt die in Zürich geborene Künstlerin oftmals krampfhaft politisch unkorrekt. Blutleerer Schelte über zu hohe Gehälter von Politikern und Ministeriumsberatern folgen abgedroschene Dicken-Witze über Peter Altmaier, Ursula von der Leyen wird zur "Flinten-Uschi". Und natürlich bekommt auch Angela Merkel ihr Fett weg: "Sie ist einfach unkaputtbar. Sie sitzt wie eine Kröte auf der Autobahn. Erklärt nichts und jammert nicht."

Vor allem mangelt es dem Programm an Struktur. Scheinbar wahllos springt Fitz mit bayerischem Mutterwitz und ungebrochenem Kampfgeist durch die Themen. Mal arbeitet sie sich an schon tausendfach durchgekauten Männer-Frauen-Klischees ab. Ja sicher, jeder Mann verbringt seine Zeit am liebsten wie ein Pascha mit Fußball vor dem Fernseher anstatt im Kabarett. Und natürlich wird jeder Kerl am Steuer seines Autos testosterongetrieben von archaischen Ur-Instinkten heimgesucht.

Dann geht es kopfüber in wenig tiefgründige Religionswitzchen. "Angst vor dem Islam habe ich nicht, denn ältere Frauen müssen sich laut dem Koran nicht verschleiern." Kurzum: Fitz fehlt der nötige Biss, wirklich treffsichere Analysen zu den Zuständen in der Welt fehlen leider gänzlich.

Gelungen sind die Anekdoten aus dem Alltag

Richtig gut sind dagegen ihre scharfzüngigen Anekdoten. Wie eine Alltagsszene aus einem bayerischen Wartezimmer, in dem ein dunkelhäutiger Patient, ein Neonazi mit Glatze und Springerstiefeln und eine betagte Seniorin aufeinandertreffen. Das eisige Schweigen der Protagonisten durchbricht die ältere Frau, die sich an den Skinhead wendet: "Gell, mein lieber Bub, du hast's grad auch nicht einfach. Erst die Chemo und jetzt auch noch die orthopädischen Schuh"."

Ein satter Kinnhaken gelingt Fitz auch gegen die "Verblödungswelle" der deutschen TV-Landschaft - allerdings nur durch ein Zitat ihres großen Vorbilds Dieter Hildebrandt: "Die Öffentlich-Rechtlichen haben die Hosen gestrichen voll, und die Privaten zeigen, was drin ist."


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

Kommentar hinzufügen