Das "Art Village" in Schwäbisch Hall nimmt Formen an

Schwäbisch Hall  Würth hat Großes vor für die Katharinenvorstadt und will das Angebot der Kunsthalle in Schwäbisch Hall erweitern. Drei Gebäude sollen abgerissen werden, zwei neue Häuserreihen gebaut werden. Ein Überblick über die Planungen des Projekts.

Von Thumilan Selvakumaran
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Links neben dem bestehenden Kunsthallengebäude, wo früher die Kunstakademie in denkmalgeschützten Objekten ihr Domizil hatte, soll eines von zwei neuen Gebäuden entstehen.

Visualisierung: Kunsthalle Würth

Zwar sind die Tore der Kunsthalle Würth in Hall wegen Corona derzeit geschlossen. Im Hintergrund wird aber fleißig getüftelt. Würth plant, das Angebot zu erweitern. "Es sollen rund 600 Quadratmeter weitere Ausstellungsfläche zu den bisher 2600 Quadratmetern dazukommen", berichtet C. Sylvia Weber, Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur in der Würth-Gruppe.

"Insbesondere im Bereich unseres Besucherzentrums, dem Shop, der Cafeteria, der Kunstvermittlung, dem Gruppenempfang und den sanitären Anlagen, entstehen bisher immer wieder Engpässe." Angebote und Wege sollen neu strukturiert und geordnet, Bürokapazitäten erweitert werden. Bei teilweise mehr als 150 000 Besuchern pro Jahr wolle Würth "dem Publikum angemessene Räumlichkeiten bieten". Drei Gebäude sollen dafür abgerissen, zwei neue Häuserreihen gebaut werden. Zu den Kosten schweigt Würth noch.

Das Projekt hat in den vergangenen Wochen Dynamik aufgenommen

Die Wege in den Räumen waren bereits vor Corona Thema. Statt Besucher hin- und zurückzuschicken, sollen Gäste Kunst in einem Rundgang genießen - teilweise unterirdisch. So hat es das Büro von Henning Larsen (gestorben 2013) konzipiert, der schon einst die Kunsthalle entworfen hatte. Sie wurde von Würth auf dem ehemaligen Gelände der Löwenbrauerei gebaut und 2001 eröffnet. Zu sehen sind dort bei kostenlosem Eintritt in wechselnden Ausstellungen vorwiegend Werke aus der privaten Sammlung von Reinhold Würth.

Geschaffen wurde die Kunsthalle nach Plänen des dänischen Architekten. Der dreigeschossige Bau ist aus lokalem Muschelkalk, Glas und Stahl konzipiert und bietet derzeit 2600 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Darüber hinaus zeigt Würth auch in der Johanniterkirche in Hall Kunst. Der Rundgang verbindet die bestehenden Kunsthallen-Gebäude mit den Neubauten - zum einen auf der Fläche der ehemaligen Kunstakademie, zum anderen zwischen Sudhaus und Langer Straße.

Das Projekt habe in den vergangenen Wochen "sehr viel Dynamik aufgenommen", berichtete Baubürgermeister Peter Klink in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Bebauungsplanänderung soll als Entwurf aufgestellt sowie das Areal im Parallelverfahren zum Sondergebiet "Kunst und Kultur" umgewidmet werden. Als "Art Village", also als Dorf der Kunst, sollen sich die Objekte in das mittelalterliche Ensemble der Katharinenvorstadt einfügen. Die Fassaden würden "in monolithischer Materialtextur, aus vermutlich Ziegel- oder Naturstein" gestaltet, die in "verschiedenen Verlegemustern trotzdem eine Gliederung innerhalb der Fassade zart erkennen lässt". Dasselbe Material werde sich als Schindeln im Dach wiederfinden.

Die Lärmproblematik muss gelöst werden

Bereits 2017 und 2019 hatte der Rat grundsätzlich der Erweiterung zugestimmt. Längst hat Würth die benötigten Immobilien erworben. Knackpunkte waren aber die beiden Objekte in der Kirchgasse 7 und 9, die unter Denkmalschutz stehen, sich laut Würth und Bauverwaltung aber ebenso wie das Gebäude Lange Straße 37 nicht in das Projekt integrieren ließen. Sie sollen weichen. Es habe eine Abwägung zwischen "zwei Belangen von großem öffentlichen Interesse" gegeben, so Klink. Letztlich müsse hier der Denkmalschutz hintenangestellt werden.

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim hält das für vertretbar. "Städtebaulich verspricht dies ein Juwel in der zukünftigen Entwicklung zu werden." Auch die Räte sind voller Lob. Ludger Graf von Westerholt (CDU) erwartet eine "hochwertige Architektur auf einem Niveau, das Herr Würth auch an anderer Stelle zeigt". Die Lärmproblematik, die etwa durch die Gastronomie immer wieder Thema in der Nachbarschaft war, müsse aber "gelöst sein". Außerdem soll die Verwaltung bei den Besucherströmen die Verkehrssituation im Blick behalten.

Hartmut Baumann, FWV-Sprecher, begrüßt das Vorhaben "außerordentlich". Nicht nur architektonisch werde die Anziehungskraft des "Art Village" über die Stadt hinausschwappen. "Das ist auch ein großer Schritt im kulturellen Bereich." Das sieht auch Walter Döring (FDP) so. Dies sei eine "weitere Bereicherung für die Stadt." Der Besuchermagnet bringe zudem Arbeitsplätze. Das Angebot werde "der Gastronomie und den Innenstadtgeschäften guttun".

Der SPD blute zwar als "Stadterhaltungspartei" das Herz, weil Gebäude abgerissen werden, meint Sprecher Nikolaos Sakellariou. In der Abwägung sei aber klar, dass die Sozialdemokraten das Vorhaben begrüßen. Der Haller Gemeinderat votiert letztlich mit 28 Stimmen für die Entwurfsaufstellung. Willem Tette (Grüne) und Tillmann Finger (Die Partei) enthalten sich. Michael Rempp (SPD) stimmt dagegen.


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