Bestseller-Autor Sebastian Fitzek zu Gast im Carmen-Würth-Forum

Künzelsau  Über zwölf Millionen Bücher hat der Schriftsteller aus Berlin bislang schon verkauft. Bei der Gesprächsreihe "Treffpunkt Forum" gibt der 48-Jährige spannende Einblicke in die Entstehung seiner erfolgreichen Psycho-Thriller.

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"Ich versuche, Dinge von einer ganz anderen Seite zu betrachten", sagt Autor Sebastian Fitzek im Gespräch mit Moderatorin Bernadette Schoog.

Foto: Ralf Seidel

Stephen King, J.K. Rowling, Umberto Eco, John Grisham, Astrid Lindgren. So bekannt alle Autoren und Autorinnen sind, gemein ist allen ein holpriger Start ins Schriftstellerleben. Alle sahen sich oftmals mit ihren ersten Schreibversuchen einer schier endlosen Flut von Verlagsabsagen konfrontiert.

Auch Sebastian Fitzek kann davon ein Lied singen. "Ich habe für mein erstes Buch ,Die Therapie" insgesamt 13 Absagen erhalten, zwei Verlage haben sich bis heute nicht gemeldet", sagt der Autor und schmunzelt. 4000 Exemplare gingen zunächst von seinem Debüt in den Druck.

Sebastian Fitzek spielt gekonnt mit Alltagsängsten

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert, der 48-Jährige ist einer der erfolgreichsten Thriller-Autoren Deutschlands. Seine Veröffentlichungen wie "Das Kind", "Das Joshua Profil", "Noah" oder "Passagier 23" wurden allesamt zu Bestsellern, mehr als zwölf Millionen Bücher hat Fitzek bislang verkauft.

Am Dienstagabend war der Autor zu Gast bei der Gesprächsreihe "Treffpunkt Forum". Moderatorin Bernadette Schoog begleitete im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau den 80-minütigen Streifzug durch die Karriere des Schriftstellers.

"Wir stecken gerade mittendrin in einem Thriller, der sich Corona nennt", fasst Fitzek vor 400 auf Abstand sitzenden Besuchern die aktuelle Pandemie zusammen. "Wir stecken in einer Situation, in der unser Leben plötzlich mit einem Schlag nicht mehr so ist wie zuvor." Ähnliche Paukenschläge durchleben die Hauptfiguren in Fitzeks Psychothrillern. Er spielt gekonnt mit realen Alltagsängsten, denkt sich in die Köpfe von Psychopathen und konfrontiert, nicht gerade zimperlich, seine Protagonisten mit weitreichenden Auswirkungen.

Wie in seinem aktuellen Buch "Das Geschenk" (2019), aus welchem Sebastian Fitzek eine Kostprobe liest, und in dem der Analphabet Milan Berg unfreiwillig einer Entführung auf der Spur ist. Ähnliches erwartet den Leser in "Der Heimweg" (Droemer Verlag, 22,99 Euro), das am 21. Oktober erscheint.

Gewalt ist für den Autor kein Mittel zum Zweck

Trotz des oft in seinen Büchern beschriebenen Grauens sagt der populärste Thriller-Fabrikant des Landes: "Gewalt als solche interessiert mich als Autor gar nicht so sehr. Sie ist für mich kein Mittel zum Zweck. Mich interessiert mehr, wie sich der Mensch darauf verhält, wenn er davon betroffen ist." Meist begännen seine Bücher gemächlich, bevor sich "das Grauen leise reinschleiche".

Die Prämisse seiner Bücher entwickele sich erst beim Schreiben. Für die Handlungen findet der gebürtige Berliner Inspiration im Alltag. Er nutzt einen Trick, um daraus gruselige Szenarien für seine Bücher zu entwickeln: "Ich versuche, Dinge von einer ganz anderen Seite zu betrachten und eine Was-wäre-wenn-Situation zu erschaffen."

Fitzek, Vater dreier Kinder, ist nicht nur ein Bestsellergarant, sondern zusätzlich ein Meister der Selbstvermarktung. Eine Soundtrack-Lesetour, intime Wohnzimmer-Lesungen, sein Buch "Das Paket" lieferte er bei Fans höchstpersönlich als Postbote ab - der Berliner lässt sich immer wieder kreative Promo-Ideen einfallen.

"Ich mache Dinge nur, wenn sie mir Spaß machen", sagt der Autor, um aber gleich nachzuschieben: "Wichtig ist aber auch die Qualität. Keine Marketingkampagne kann einen lange oben halten." Deshalb gilt für den studierten Juristen: "Ich schreibe das Buch in erster Linie für mich selbst. Ich beurteile es danach, ob ich es selber gerne lesen würde."

Zur Person

Am 13. Oktober 1971 wird der Autor Sebastian Fitzek in Berlin geboren. Sein Vater ist Schuldirektor, seine Mutter Deutschlehrerin. Er studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen, promovierte im Urheberrecht und arbeitete dann als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands. Seit 2006 schreibt Fitzek Psycho-Thriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Zuletzt erschien "Das Geschenk" (2019). Fitzek lebt in Berlin und hat drei Kinder.


Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

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