Überflieger mit Oscar: Sebastian Koch im Carmen-Würth-Forum

Künzelsau  Der Schauspieler Sebastian Koch im Gespräch bei "Treffpunkt Forum" gibt sich schwäbisch bodenständig und plaudert über die Oscar-Verleihung in Los Angeles.

Von Sonja Reichert
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Überflieger mit Oscar: Sebastian Koch im Carmen-Würth-Forum

Lieber im Carmen-Würth-Forum als bei der Bambi-Verleihung in Baden-Baden.

Foto: Ufuk Arslan

Frenetischer Beifall für einen deutschen Weltstar nach der Steilvorlage von Harald Unkelbach aus dem Hause Würth: Sebastian Koch habe an diesem Abend die Laudatio für die Kategorie "bester Schauspieler national" bei der Bambi-Verleihung halten sollen. Er hat aber den Termin im Festspielhaus Baden-Baden zugunsten dieses Abends im Carmen-Würth-Forum in der Reihe "Treffpunkt Forum" abgesagt. Der in Obertürkheim bei Stuttgart aufgewachsene Oscarpreisträger und Fernseh-Moderatorin Bernadette Schoog duzen sich, sie kennen sich aus früheren Tagen als Wohngemeinschaftsmitglieder.

Eine Karriere als Schauspieler hatte er eigentlich nicht geplant, sondern wollte Musiker werden und als Gitarre- und Trompetenspieler eine Platte machen. Claus Peymanns Inszenierungen waren es, die ihn früh fürs Theater entflammten: Schiller-Theater Berlin und Schauspielhaus Bochum waren die ersten Stationen. Richtig los ging es mit seiner steilen Filmkarriere 1997 als Terrorist Andreas Baader in Heinrich Breloers Fernseh-Zweiteiler "Todesspiel".

Rasch kamen die ersten Preise

Schnell hagelte es erste Preise: Den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis für die Titelrolle in "Die Entführung des Richard Oetker", für die Rolle des Klaus Mann in der Familiengeschichte "Die Manns" den Bayerischen Fernsehpreis. Bisheriger Höhepunkt war die Verleihung des Oscars 2007 für das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" unter der Regie von Florian Henckel von Donnersmarck, in dem er den DDR-Dramatiker Georg Dreyman spielt, der mit seiner Lebensgefährtin überwacht und bespitzelt wird.

Was für ein Gefühl, so erzählt er, wenn ein kleiner, mit wenig Geld gemachter Film eines bis dahin unbekannten Kurzfilmregisseurs mit einem "And the Oscar goes to Germany" ausgezeichnet wird. Wenn plötzlich Tom Cruise dem Obertürkheimer die Hand schüttelt und Faye Dunaway neben ihm sitzt. Und auch dieses Jahr gab es eine Oscar-Nominierung für von Donnersmarcks "Werk ohne Autor", in dem Koch den SS-Obersturmbannführer Professor Seband spielt und 2018 dafür den Bambi verliehen bekam.

Er hat aufgehört, Kritiken zu lesen: Sagt er.

Dass dieser Film dann doch leer ausging, hat ihn enttäuscht. Und noch mehr, dass er in Deutschland fast nur Häme und Kritik einstecken musste, obwohl es ein Meisterwerk sei. Sebastian Koch führt es darauf zurück, dass in Deutschland, anders als in den USA, ein Regisseur von Donnersmarck, mittlerweile sein Freund, als Reizfigur gesehen werde. Ein großer Geist und großer Mann, der hier eben nicht kompatibel sei mit der deutschen Vorstellung von Normalität. Seitdem habe er auch aufgehört, Kritiken zu lesen.

Er selbst betrachtet sich als normal, das Schwäbische sei in ihm doch sehr verankert. Erfolg sei angenehm, aber nicht sein Ziel. Die Triebfeder für seine Arbeit, seinen Drang nach Perfektion, sei die Vorstellung, etwas zu machen, das bleibt, das die Welt verändere. Seit zwei Jahren konzentriert sich Koch neben der Arbeit an Filmen auf Lesungen in Verbindung mit klassischer Musik. Bei dieser Arbeit schätzt er das Minimalistische, die Flexibilität, wenn er mit zwei Scheinwerfern und einem Musiker wie Daniel Hope etwa Tolstois "Kreutzersonate" dem Publikum näher bringt.

Emotional dem Zuschauer näher kommen

Bei dieser "wunderschönen Arbeit" komme er dem Publikum emotional wieder näher. Emotional noch näher kommt der langbeinige 57-Jährige dem Publikum an diesem Abend, wenn er vorführt, wie er als "Seewolf" am Schiffsmasten herumbalancierte. Und man glaubt es ihm auch, dass er 1980 als Hochspringer bei den Olympischen Spielen in Moskau hätte dabei sein sollen, wären sie nicht vom Westen boykottiert worden. Ein Überflieger eben.

Zur Person: 1962 in Karlsruhe geboren, verbrachte Sebastian Koch Kindheit und Jugend bei Stuttgart bei seiner alleinstehenden Mutter. Eigentlich wollte er Musiker werden, die Inszenierungen des Stuttgarter Schauspieldirektors Claus Peymann brachten ihn Ende der 70er Jahre dazu, eine andere Laufbahn einzuschlagen. Koch studierte an der Otto-Falckenberg-Schule München. Neben der filmischen Arbeit hat er seine Rollenvielfalt auf der Bühne gezeigt, am Schauspielhaus Darmstadt, am Schillertheater Berlin und am Schauspielhaus Bochum.


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