Konzert des Pianisten Justus Frantz im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau

Künzelsau  Der 75-Jährige überzeugt im Carmen-Würth-Forum mit Dramatik und großen Gefühlen. Der Fokus liegt am Samstagabend auf drei der bekanntesten Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven. Frantz ergänzt seinen Auftritt mit einer aufschlussreichen Moderation.

Von Nina Piorr
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Überzeugt mit facettenreichen, unglaublich expressiven und zugleich gefühlsbetonten Interpretationen: Justus Frantz in Künzelsau.

Foto: Ufuk Arslan

Wie kein zweiter hat sich Ludwig van Beethoven der Gattung Klaviersonate zugewandt. 32 an der Zahl hinterließ er der Nachwelt. Sie legen Zeugnis ab über seine musikalische Experimentierfreude und die emotionale Dichte seines kreativen Schaffens. Anlässlich des 250. Geburtstags des gebürtigen Bonners fokussiert der Pianist Justus Frantz drei der bekanntesten Klaviersonaten Beethovens bei seinem Kammerkonzert im Carmen-Würth-Forum.

Mit facettenreichen, unglaublich expressiven und zugleich gefühlsbetonten Interpretationen der "Pathétique", "Mondscheinsonate" und "Appassionata" ruft der 75-Jährige beim Publikum wahre Begeisterungsstürme hervor. Nur schade, dass das gut eineinhalbstündige Konzert ohne Pause durchgezogen wird - dem Musikgenuss wäre eine solche durchaus zuträglich gewesen.

Beethovens Sonaten erinnern an Verletzlichkeit und Schicksalsschläge

"Das Konzertprogramm ist für mich geradezu ein Herzensprogramm", schwärmt der charismatische Justus Frantz. Denn Beethoven habe in jenen drei Sonaten geschrieben, wie es ihm ums Herz steht. So entstand die Klaviersonate Nr. 8 in c-Moll nach seiner Ertaubung. Ihr Beiname "Pathétique" spielt auf sein Leiden an. "Mit dieser Komposition wollte er dem Schicksal in den Rachen greifen"", zitiert der Pianist aus einem Brief Beethovens. In der Tat erinnern die dissonanten Akkordakkumulationen im "Grave" lautmalerisch an Schicksalsschläge. Die sanft im Piano erwachsende Melodie drückt hingegen Verletzlichkeit aus. Justus Frantz gelingt es, jede Note aufs Genauste zu gewichten.

Den Gegensatz zwischen schicksalsschwerer Dramatik und fast unbeschwert anmutender Virtuosität verpackt er in wunderbar gefühlvollem Spiel. Das "Adagio cantabile" bezeichnet Frantz in seiner aufschlussreichen Moderation als "eine der herrlichsten Tröstungen, die Beethoven uns geschenkt hat". Er schlägt ein weiches Legato an, aus dem er die Melodie in sachter Melancholie behutsam zutage treten lässt. Dem drängenden "Rondo" hingegen verleiht er ein schnelles Tempo und lässt erneut die Dramatik des ersten Satzes aufblitzen.

Dass Beethovens Klaviersonate Nr. 14 in cis-Moll den Namen "Mondscheinsonate" trägt, kann der Pianist nicht nachvollziehen. Der erste Satz stelle vielmehr den unaufhaltsamen Lauf der Zeit dar, während Beethoven im "Allegretto" mit viel Humor ein Dorforchester imitiere. Der dritte Satz hingegen vereine Wildheit und Todesangst zu einem ganz Großen: "So trägt er auch Erlösung in sich", findet Frantz.

Mit seinem zurückgenommenen Spiel, das von meisterhafter Emotionalität zeugt, bezaubert der Pianist im beschwerlich voranschreitenden "Adagio sostenuto" regelrecht die Zuhörer. Kurz blitzen hin und wieder kleine Lichtblicke auf, die sogleich von der vorherrschenden Melancholie eingeholt werden. Im Kontrast dazu setzt der zweite Satz in nahezu tänzerischer Unbekümmertheit ein. Die wilden Läufe des "Presto" kulminieren hingegen in gehämmerte Akkorde, die etwas Unausweichliches vermitteln.

Auf die Ovationen im Carmen-Würth-Forum folgt eine Chopin-Zugabe

Seine Klaviersonate Nr. 23 in f-Moll mit dem Beinamen "Appassionata" hat Beethoven selbst zu seinen größten Werken gezählt. Das schwer zu fassende "Allegro assai" tastet sich verhalten vor, die immer wieder versuchten Ausbrüche nimmt es sogleich zurück. Frantz artikuliert den großen Facettenreichtum an Klängen, Klangfarben und heraufbeschworenen Empfindungen sehr überzeugend. Im "Andante con moto" dominiert eine ruhige, tiefe Tonlage, die ein kurzes perlendes Aufleuchten in der Höhe durchbricht.

Plötzliche Akkord-Kaskaden münden nahtlos in den dritten Satz, der von dramatisch-bewegtem Drängen und sinnendem Schwelgen gekennzeichnet ist. Beim stürmischen Finale lässt Frantz regelrecht die Finger über die Tasten fliegen und erntet dafür stehende Ovationen. Mit einem nicht minder leidenschaftlich-emotionalen Chopin als Zugabe beschließt Justus Frantz diesen von großen Gefühlen gezeichneten Konzertabend.

 


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