Jazz-Festival Upbeat Hohenlohe: "Es wird immer spannender"

Interview  Das Festival Upbeat Hohenlohe startet an diesem Samstag in fünfte Saison. Der Jazzsaxofonist Johannes Ludwig ist Organisator und Musiker zugleich. Wir haben mit ihm über die Entwicklung des Festivals und seine Leidenschaft für Jazz gesprochen.

Von Tamara Ludwig
"Es wird immer spannender"

Saxofonist Johannes Ludwig ist viel beschäftig. Trotzdem kommt auch er als Profimusiker nicht ums Üben herum. Eine vernünftige Routine ist im Reisestress von Bühne zu Bühne nicht immer hinzubekommen, gibt er zu.

Foto: privat

Eine junge Jazzformation kommt für zwei Tage an eine Schule, gibt ein Werkstattkonzert und coacht das dortige Schulensemble. Zum Abschluss treten die Schüler als Vorgruppe der Profis bei einem öffentlichen Konzert auf.

Das ist das Prinzip von Upbeat Hohenlohe, das am Wochenende in seine fünfte Saison startet. Johannes Ludwig ist musikalischer Leiter des Festivals und erzählt im Interview, wie sich Upbeat entwickelt hat und wie er Organisation und Bühne in Einklang bringt.

 

Nach fünf Jahren Upbeat, wird es da nicht langsam langweilig?

Johannes Ludwig: Nein, auf keinen Fall. Gerade weil alles immer schnelllebiger wird, ist man froh, wenn man an etwas dranbleiben kann. Das Grundkonzept ist auf Kontinuität angelegt. Es wird daher immer spannender, weil man von Jahr zu Jahr Fortschritte macht.

 

Wie sehen diese Fortschritte aus?

Ludwig: Beim ersten Mal wusste niemand, was passiert. Ob wir die Schüler in nur zwei Tagen fit für das Konzert bekommen. Ob überhaupt jemand zum Konzert kommt. Durch die Kulturstiftung war zumindest Infrastruktur vorhanden.

 

Was war besonders positiv?

Ludwig: Auf jeden Fall, dass alle Beteiligten und das Publikum immer begeistert waren. Das ist auch der Grund, weiter an das Konzept zu glauben und daran festzuhalten. Es gab noch nie ein Wochenende, an dem man dachte, das ist heute aber irgendwie alles sch?

 

Was lief nicht so gut?

Ludwig: Wir haben es uns ehrlich gesagt leichter vorgestellt, Publikum zu generieren. Das lief schon schleppend. Vergangene Saison war endlich ein deutlicher Fortschritt erkennbar, einmal waren wir sogar ausverkauft.

 

Nach fünf Jahren Erfahrung: Wie begeistert man Jugendliche für Jazz, die damit noch nie in Berührung kamen?

Ludwig: Zunächst ist es wichtig, sie für live gespielte, handgemachte Musik zu begeistern. Mein größtes Anliegen ist, dass sie etwas spüren. Es gibt immer Schüler, die vielleicht gerade in einer schwierigen Phase sind, oder generell nicht so das Interesse haben. Aber vielleicht erreicht man die ja doch irgendwie.

 

Kein strenger Jazz-Unterricht?

Ludwig: Zuerst dachte ich, es wäre wichtig, auch die Geschichte der Musik und des Jazz zu vermitteln. Seit vergangener Saison haben wir versucht, das etwas lockerer anzugehen, vor allem Spaß zu haben.Wir wollen vermitteln, was es bedeutet, gemeinsam kreativ zu sein.

 

Nicht jeder, der ein Instrument spielt, ist automatisch Jazz-Fan?

Ludwig: Genau, es gibt immer einzelne, die sich interessieren. Die meisten Schüler haben andere Sachen im Kopf. Sie werden auch selten mit Jazz konfrontiert. Die Zeiten, in denen das populäre Musik war, sind lange vorbei. Lauter Jazzfans zu generieren, kann aber auch nicht das Ziel sein. Man muss lernen, nicht allzu viel zu erwarten.

 

Mit Of Cabbages and Kings ist zum ersten Mal eine Gesangsformation dabei. Wie kam das?

Ludwig: Gesang ist ein nicht zu unterschätzender Teil im Jazz. Ich kenne die Band und finde großartig, was die machen. Da haben wir uns entschlossen, einen Schulchor mal auf Jazz loszulassen.

 

Sie sind selbst viel unterwegs. Wie bringen Sie Bühne und Festival-Organisation in Einklang?

Ludwig: Manchmal bekomme ich das nicht so gut hin. Aber Jazzmusiker sind es gewöhnt, viele Baustellen zu haben. Allerdings war das letzte halbe Jahr sehr voll. Ich versuche so viel wie möglich vorauszuplanen, reise oft mit dem Zug, damit ich die Zeit sinnvoll nutzen kann.

 

Das Schipmann/Ludwig UK Quintet, mit dem Sie dieses Mal aktiv sind, ist eine neue Formation?

Ludwig: Wir sind zufällig aneinandergeraten, aber die Chemie hat sofort gestimmt. Ich habe immer Lust, Menschen aus anderen Szenen kennenzulernen, kreativ zu sein. Das ist mit das Schönste am Job. Pianist Sam Leak ist in England eigentlich schon ein Star.

 

Stars aus London in Hohenloher Schulen, klingt interessant?

Ludwig: Ja, mal sehen wie die Kinder damit umgehen, dass der Workshop auf Englisch stattfindet. Aber Musik funktioniert in jeder Sprache.

 

Termine

Samstag, 21. April, Stefan Karl Schmid/Philipp Brämswig Quartett, 19 Uhr, Hospitalkirche Schwäbisch Hall; Samstag, 28. April, Of Cabbages and Kings, 19 Uhr, Akademie Kupferzell; Samstag, 5. Mai, Schipmann/Ludwig UK Quintet, 19 Uhr, Blauer Saal, Schloss Öhringen.

 

Zur Person

Johannes Ludwig ist 1988 in Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) geboren. Er hat das Ganztagsgymnasium Osterburken besucht und anschließend in Nürnberg Jazz-Saxofon studiert.

Von 2012 bis 2014 studierte er Jazz-Komposition/-Arrangement in Köln. Inzwischen ist er in diversen Jazz-Projekten deutschlandweit und international aktiv. Mit seinem Johannes Ludwig Quartett belegte er im Jahr 2016 beim Neuen Deutschen Jazzpreis den zweiten Platz.

 


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