Ein Oscar-Preisträger zum Anfassen

Schwäbisch Hall  Nach seinem gewonnenen Oscar schaut Gerd Nefzer am Dienstag in seiner Heimatstadt Schwäbisch Hall vorbei. "Schicki-Micki ist nicht meine Welt", sagt Nefzer nach den ausgelassenen Hollywood-Partys. Er verspricht: Die goldene Statue soll langfristig einen Platz in der Stadt finden.

Von Torsten Büchele

Goldjunge zum Anfassen

Zwischenstopp in Schwäbisch Hall, bevor er nach Potsdam weiter fährt: Gerd Nefzer (Mitte) mit Sohn Luca (l.) und Halls OB Pelgrim.

Foto: Büchele

 

Endlich kommt Gerd Nefzer zu Wort. Bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles am Sonntagabend (Ortszeit) war der Schwäbisch Haller der letzte des vierköpfigen Teams, der seine Dankesrede halten durfte. "Und John Nelson hat bereits 45 Sekunden geredet." So blieb für Nefzer nur ein kurzes Statement: "Ich habe mich bei Deutschland bedankt, meinem Land."

Vielleicht ist es auch besser so. Nefzer gibt zu: "In Englisch war ich nicht der fleißigste Schüler. Meine Kinder korrigieren mich immer wieder." Vom Landwirt aus dem Ortsteil Gailenkirchen zum Oscar-Gewinner: Das ist eine Karriere.

Der Spezialeffektkünstler und sein Team der Nefzers Babelsberg GmbH aus Potsdam hatten am Sonntag den prestigeträchtigsten Filmpreis der Welt in der Kategorie Visuelle Effekte gewonnen. Sie steuerten die Effekte zu "Blade Runner 2049" bei, der insgesamt zwei Trophäen errang.

Ab Mittwoch ruft die Arbeit

Am Dienstagnachmittag genießt Nefzer mit Sohn Luca (15) die späten Sonnenstrahlen auf dem Marktplatz in Hall. Eine kurze Verschnaufpause nach dem Rückflug aus Los Angeles, bevor es am Mittwoch weitergeht ins Studio nach Babelsberg: "Es muss weitergehen, ich bin Unternehmer. Auch wenn man einen Oscar gewonnen hat, kann man nicht auftreten und sagen: ,Ihr könnt mich mal.""

Gelassen, in sich ruhend, trinkt Nefzer seine Limonade in der Außenbewirtung des Cafés am Markt. Mit dabei: die goldene Trophäe und die bronzene Bafta-Maske, der britische Filmpreis. Die hat Nefzer zwei Wochen zuvor gewonnen, inklusive eines Plauschs mit Herzogin Kate. "So ganz langsam kann ich es fassen. Es hat gedauert, und ich muss mich immer noch zwicken", gibt er zu. Lange hat sein Team auf die Preisverleihung warten müssen. "Unsere Kategorie kam irgendwann in der Mitte dran, vorher war eine Pause." Als dann sein Name aufgerufen wurde, "stieg der Puls auf 200. Ich musste ganz kräftig Luft holen, langsam aufstehen und vorsichtig vortreten".

Der Oscar als Freifahrtschein, auch für Partys

In der Nacht bekam Nefzer nur drei Stunden Schlaf. "Man hat uns gesagt, so ein Oscar ist ein Türöffner für jede Party in Hollywood." Das klappte, sogar an Straßensperren wurden sie durchgewunken. Am frühen Morgen musste Nefzer sogar auf eine Party bei Madonna verzichten, um wenigstens noch kurze Zeit die Augen auszuruhen.

Jane Fonda, Jennifer Lawrence − Nefzer hat Stars getroffen. "Aber sie präsentieren sich selbst und sind mit sich beschäftigt. Schicki-Micki ist nicht meine Welt."

Preis soll in Schwäbisch Hall bleiben

Im Flieger wollten alle Stewards und der Pilot die goldene Statue berühren. "Der ist schon durch so viele Hände gegangen." Nun kommt er erst einmal in Berlin in einen Tresor, bevor der endgültige Standort feststeht. "Er soll im Ländle bleiben, in der Stadt." Hermann-Josef Pelgrim (SPD) schaut ebenfalls vorbei, legt seine Hände um die 34 Zentimeter große und knapp vier Kilogramm schwere Statuette und stellt fest: "Der ist richtig schwer." Halls Oberbürgermeister gratuliert dem Sohn der Stadt: "Das ist ein Weltereignis, das auch auf Schwäbisch Hall abstrahlt." Eine Gelegenheit für Nefzer, um sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen, muss noch gefunden werden.

Der Effekte-Macher arbeitet bereits am nächsten Film. Das Thema darf er nicht verraten. "Der Reiz des Berufs ist sein Nervenkitzel. Jede Szene muss auf Anhieb sitzen. Aber der Druck ist brutal, man macht sich viele Gedanken. Die Work-Life-Balance ist nicht schön."