Sanfte Töne ohne Effekthascherei

Schöntal - Wenn man heutige Interpretationen von Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" hört, überkommt einen der Eindruck effektreicher Ausdeutungen, gerade auch durch historische Instrumente oder deren Nachbauten begünstigt.

Von Ralf Snurawa
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Sanfte Töne ohne Effekthascherei
Matthias Gerchen, Bass, Max Ciolek, Tenor, und Stefanie Wüst, Sopran (von links) singen in Schöntal die Partien von Raphael, Uriel, Gabriel, Adam und Eva.Foto: Ralf Snurawa

Schöntal - Wenn man heutige Interpretationen von Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" hört, überkommt einen der Eindruck effektreicher Ausdeutungen, gerade auch durch historische Instrumente oder deren Nachbauten begünstigt. Da fährt ein Trompetenstoß wie ein Blitz drein oder scheppert das Naturhorn ganz königlich zum Gottesdank.

Beim Hohenloher Kultursommer war das in der Klosterkirche von Kloster Schöntal ganz anders. Rainer Homburg, der die Wiedergabe des Haydn-Oratoriums leitete, legte mehr Wert auf das feinsinnige Ausdeuten des Inhalts denn auf Effekthascherei. Natürlich stand das manchmal ein wenig im Widerspruch zu einzelnen Stücken in der "Schöpfung". Die "Vorstellung des Chaos" wurde dadurch eher geglättet. Auch das Werden des Lichts wurde bei Homburg keine Klangexplosion in C-Dur. Das lag auch an den feineren Stimmen der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben.

Transparenz

Dadurch erhielt der Gesamtklang aber umso mehr Transparenz, wie man es in den meist fugierten Schlusschören der drei Teile nachvollziehen konnte. Was nicht bedeutete, dass Chöre wie "Der Herr ist groß in seiner Macht" nicht entsprechend jubelnd im Ton ausfielen. In seinem ersten Terzett beim Schlusschor des ersten Teils "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" erwies sich das Terzett der Vokalsolisten als sehr schön harmonierend. Sopranistin Stefanie Wüst hatte zuvor in der Gabriel-Arie "Nun beut die Flur das frische Grün" mit ausgesprochen anmutigen Koloraturen zu entzücken verstanden.

Einfühlsam
 
Das wiederholte sie zu "Auf starkem Fittiche". Das Liebesgirren des Taubenpaares beschrieb sie mit sehnsüchtigem Ausdruck und nicht ohne Sinn für Humor. Dabei begleitete sie das Ensemble Musica Viva Stuttgart einfühlsam.

Zart gestaltet wirkte auch das Duettieren mit Bassist Matthias Gerchen in den Adam-und-Eva-Duetten. Auch Gerchen gelang mehr, das Sachte einzufangen, etwa als Raphael zu "Rollend in schäumenden Wellen", das seinen Höhepunkt im perfekten Ausklingen fand. Die anschaulichen Rezitative brachten sonore Bass-Tiefe wie beim Beschreiben der Tiere. Den strahlenden Ton traf Max Ciolek als Uriel in der einzigen Tenor-Arie sehr gut, wenn er wie im vorangegangenen Rezitativ auch zu übertriebenem Vibrato in "der Mensch wurde zur lebendigen Seele" griff. "Liebe, Glück und Wonne" klangen am Ende der Arie beinah selig. Die Beschreibung von Sonne und Mond gelang ihm spannend und nuancenreich.


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