Irritieren und unterhalten

Schwäbisch Hall  Schwäbisch Hall - Bis zur Auktion am 15. September stellt Bernhard Deutsch seine Kunstautomaten im Hällisch-Fränkischen Museum aus. Seit langer Zeit prägen sie das Schwäbisch Haller Stadtbild.

Von Matthias Slunitschek

Irritieren und unterhalten

Bernhard Deutsch mit der Poetischen Petra, die Gedichte spricht und interpretiert.

Fotos: Matthias Slunitschek

Schwäbisch Hall - Es hört sich wie eine Drohung an: Was bei der Finissage nicht versteigert wird, zerstört Bernhard Deutsch (53) vor den Augen des Publikums mit dem Vorschlaghammer. Das erleichtert dem Automatenbauer, Performancekünstler, Lebensphilosophen und Stadtführer den Abbau und schafft zuhause in der Villa Wunderwelt in Steinbach Platz für neue Projekte.

Henkersbrücke

Bis zur Auktion am 15. September stellt Deutsch seine Kunstautomaten im Hällisch-Fränkischen Museum aus. Seit langer Zeit prägen sie das Schwäbisch Haller Stadtbild. Jeder kennt die Dialoge von Frau Kehrer und Frau Schäufele auf der Henkersbrücke.

Für drei Monate stehen Politomaten, Esoteromaten und andere automatisierte Ideen jetzt im musealen Raum beisammen, um auch dort das zu machen, für das sie gebaut wurden: irritieren und unterhalten. Per Knopfdruck, Kurbel oder Münzeinwurf kann erlebt werden, welche Themen Bernhard Deutsch seit 35 Jahren beschäftigen.

Irritieren und unterhalten

Künstler Bernhard Deutsch und sein Schreck-o-mat.

Dabei steht Interaktion im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit. Sei es nur, dass sich jemand überlegen muss, ob er jetzt eine Münze einwerfen soll oder nicht. Lohnt es sich, 50 Cent in einen Lachomaten oder Schulomaten zu werfen? Die unterschwellige Konsumkritik funktioniert aber auch andersherum: Der Infomat liefert für zehn Pfennig schlappe 30 Minuten Information für den Ortsunkundigen. Wer hält das schon durch?

Seine frühe Arbeit, der Schreckomat, ein mit Monster-Show, PeepShow und Hörspiel-Thriller ausgestatteter Zigaretten-Automat, installierte Deutsch bei Nacht und Nebel in einem Gasthof. Der Wirt war nicht gerade begeistert, bis er selbst von ihm erschreckt wurde. Was an den nostalgischen Kästen und lebenden Puppen fasziniert, ist nicht nur eine kreative Behandlung, die jede Erwartungshaltung durch-bricht, sondern auch die raffinier-te handwerkliche Lösung jenseits von digitaler High-End-Technologie.

Bernhard Deutsch, der einige Semester Philosophie und Soziologie in Tübingen studierte, findet die Automatenkunst bei all ihren verschiedenen Spielmöglichkeiten völlig unterrepräsentiert. Umso besser für den freischaffenden Lebenskünstler. Mit seiner scheppernden Jahrmarktmusik, den abwegigen Dienstleistungen auf Knopfdruck und Schauspielen wie das mit Bootsmotoren und Styropor erzeugte Vitrinen-Schneegestöber besitzt er ein Ideenmonopol in der Region. Mit einem Anfangsgebot von 99 Cent kommen die Automaten unter den Auktionshammer. Man kann nur hoffen, dass es der einzige bleibt.

Ausstellungsdauer

Hällisch-Fränkisches Museum, Keckenhof 6, bis 15. September. Finissage: 15.30 Uhr mit Versteigerung der Exponate.