Zwei Angler aus Hohenlohe sterben in der Ostsee

Odense/Hohenlohe - Die vier am Dienstag in der Ostsee verunglückten Angler waren Hohenloher. Ihr Bootsausflug zwischen den dänischen Inseln Fünen und Langeland endete in einer Katastrophe.

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Odense/Hohenlohe - Zwei Hohenloher sind tot, zwei weitere konnten sich gerade noch an Land retten. Drei Wellen genügten, um den privaten Angelausflug in eine Katastrophe zu verwandeln. In der Ostsee war am Dienstag ein Boot gekentert. Die Todesopfer kommen aus Gaisbach und Crailsheim. Ein 49-jähriger Vater und sein 29 Jahre alter Sohn aus Schöntal-Westernhausen überleben mit knapper Not.

Die Polizei in Künzelsau will zu dem Fall in Dänemark Details weder bestätigen noch dementieren. Pressesprecher Jürgen Baierl: „Uns liegt nichts Schriftliches vor.“ Über den Hohenloher Fischereiverein Künzelsau knüpfte die Hohenloher Zeitung Kontakt zu den Überlebenden.

Was Dieter F. und sein Sohn Stefan (alle Namen von der Redaktion geändert) im Telefongespräch erzählen, ist keine schöne Geschichte. Mit zwei Freunden, dem Bootsführer Bernd B. (52) aus Crailsheim und ihrem Freund Roland S. (49) aus Gaisbach, waren sie am Dienstagmorgen in einem 4,35 Meter langen Motorboot zu einer Angeltour zwischen den Inseln Langeland und Fünen aufgebrochen. „Wir haben in Lohals aufs Wasser geschaut und gesehen, dass mehrere Boote draußen sind.“

Die Männerrunde um Bootsführer Bernd. B. sticht in See und fischt. Dieter F.: „Wir haben gut gefangen und wollten dann ein bisschen ins Tiefe wegen der Dorsche.“ Als nach 15 bis 20 Minuten kein Dorsch anbeißt, geben die Angler auf und kehren um. Das Unglück nimmt seinen Lauf. „Drei bis vier Wellen kamen aus dem Nichts auf uns zu“, sagt Dieter F. Sein Sohn erinnert sich, wie der Verstand die Gefahr ignorierte, als das Wasser ins Boot schwappte: „Ich habe gedacht: ,Meine Füße werden nass’.“ Die zweite Welle füllt das Boot, die dritte drückt es unter Wasser. „Die Schwimmwesten aktivierten sich, und wir versuchten, uns am Bootsrumpf festzuhalten“, sagt Dieter F.

Alle Versuche, das Boot umzudrehen, scheitern. Bernd B., den sowohl F. als auch sein Sohn als „erfahrenen Seefahrer“ beschreiben, habe sich zunächst dafür ausgesprochen, beim Boot zu bleiben, das langsam auf Fünen zutrieb.

Seil

„Wir mussten eine Entscheidung treffen“, sagt Dieter F, „das Wasser war kalt.“ Die Männer banden sich aneinander. „Wir waren alle an einem Seil“, bestätigt Stefan F. Etwa zwei Stunden lang schwimmt die Gruppe auf das geschätzte drei bis vier Kilometer entfernte Fünen zu. 500 Meter vor dem Strand bemerken Vater und Sohn, dass ihre Freunde fehlen. Das ist der Punkt, an dem Dieter F. nicht mehr weiter sprechen kann. Zu stark sind die Gefühle. Sein Sohn will die Freunde noch kurz zuvor hinter sich gesehen haben: „Bernd Bs. Gesicht war bereits blau.“ Auf allen Vieren kriechen beide bei Lundeborg an Land, brechen eine Hütte auf und senden einen Notruf per Telefon.


„Um 16.41 Uhr ging der Notruf ein“, berichtete Kai Jacobsen von der Polizei auf Fünen den Lübecker Nachrichten. 18 Minuten später ist ein Rettungshubschrauber vor Ort und zieht die beiden im Wasser treibenden Angler an Bord. „Sie wurden nach Odense ins Krankenhaus geflogen, einer der Männer von dort weiter ins Kopenhagener Rijks-Krankenhaus“, sagt Jacobsen
Bei Bernd B. können die Ärzte nur noch den Tod feststellen. Roland S. stirbt am Abend im Krankenhaus. Bei der Bergung soll ihre Körpertemperatur 22 Grad betragen haben.

Polizei

Die Berichterstattung im Internet deutet Leichtsinn an. Dieter F. und sein Sohn widersprechen: Der Kapitän sei umsichtig gewesen, sagen sie, und man habe seit Samstag auf besseres Wetter gewartet. Die dänische Polizei habe sie beide befragt, erklärt der 29-Jährige: „Ein Beamter hat gesagt, wir hätten das einzig Richtige gemacht“. Das Boot wurde erst später gefunden.
Zusammen mit der Lebensgefährtin des Bootsführers und Dieter Fs. Schwester wollen sich die beiden Schöntaler heute auf den Rückweg nach Hohenlohe machen. „Aber zuerst müssen wir noch das geborgene Boot holen“, sagt Stefan F, „das steht uns noch bevor“.



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