Wieder Kaffeefahrt-Betrüger verurteilt

Öhringen - Erneut ist die Justiz gegen die Anbieter unseriöser Kaffeefahrten vorgegangen. Wegen irreführender Werbung sind zwei Männer aus Bremen vom Öhringer Amtsgericht zu Geldstrafen von 90 Tagessätzen verurteilt worden.

Von Hagen Stegmüller
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Kaffeefahrten sind unseriös. Darauf weist die Polizei in regelmäßigen Abständen hin.Foto: dpa

Öhringen - Erneut ist die Justiz gegen die Anbieter unseriöser Kaffeefahrten vorgegangen. Wegen irreführender Werbung sind zwei Männer aus Bremen vom Öhringer Amtsgericht zu Geldstrafen von 90 Tagessätzen verurteilt worden. Ihre ehemalige Chefin (46) entging einem Schuldspruch nur wegen einer schweren Erkrankung. Unterdessen ist am Montag eine dubiose Verkaufsfahrt in Hall aufgelöst worden. Die Polizei hatte sich eingeschaltet.

Zehn Jahre fit

Am 26. Juni 2008 war den Teilnehmern einer Kaffeefahrt nach Pfedelbach das Blaue vom Himmel versprochen worden. Jeder Rentner sollte ein Fahrrad, eine Espresso-Maschine sowie "hochwertige Käsespezialitäten aus Holland" geschenkt bekommen. Weitere zwölf Geschenke wie eine Reise, Apfelsaft und Honig waren in dem Einladungsschreiben aufgelistet. Im Gegenzug sollten die Teilnehmer ein angeblich sensationelles Nahrungsergänzungsmittel für 2699 Euro kaufen.

"Wer die 60 Fläschchen einnimmt, ist für die nächsten zehn Jahre fit", erläuterte Marion G. (46), Firmenchefin und Leiterin der Verkaufsfahrt.

Man habe sich schon gedacht, dass die Leute übers Ohr gehauen werden sollen, räumte ein 59-jähriger Gehilfe von Marion G. vor dem Amtsgericht ein. Als Hartz-IV-Empfänger habe er den kleinen Zusatzverdienst aber gut gebrauchen können. Auch der 52-jährige Mitangeklagte legte ein Geständnis ab. Er sei Frührentner, Hausmann und habe einfach mal etwas anderes erleben wollen.

"Sie haben nur das gemacht, was Ihnen gesagt wurde", hielt Richterin Ursula Ziegler-Göller den Angeklagten zugute. Im Übrigen seien die beiden Bremer am Verkauf des nutzlosen und überteuerten Präparats nicht direkt beteiligt gewesen. Weil die Angeklagten mittellos sind, dürfen sie ihre Geldstrafe über 720 Euro in 20-Euro-Raten abstottern.

Längst haben sich die Anzeichen verdichtet, dass aus dem Raum Bremen wiederholt unseriöse Kaffeefahrten nach Hohenlohe angeboten werden. Am 10. Februar 2009 löste die Polizei im gleichen Pfedelbacher Lokal die Verkaufsveranstaltung des Cloppenburgers Marc-Sven B. (37) auf. Am selben Tag wurde in Unterohrn die betrügerische Kaffeefahrt von Armin S. beendet. Der 49-jährige Bremer hatte mit seiner "Oskar Reisen GmbH" falsche Gewinnversprechen abgegeben.

Ausgeladen

Derweil ist am Montag in Schwäbisch Hall eine Verkaufsfahrt mit 25 Rentnern aufgelöst worden. Die Polizei hatte von der Sache Wind bekommen und den Busfahrer kontrolliert. Als die Veranstalter ("Buchungszentrale Heyder") von dem Polizei-Einsatz erfuhren, wiesen sie den Busfahrer zum Rückzug an. Die Teilnehmer wurden wieder ausgeladen, sie waren mit einem Gewinnversprechen von "3 x 3000 Euro in bar" geködert worden.

Der Cloppenburger Marc-Sven B. ist im Januar vom Öhringer Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 3000 Euro (100 Tagessätze) verurteilt worden. Er hatte versucht, den Leuten ein angeblich krebsheilendes Mittel für 1098 Euro anzudrehen. Und Armin S. wurde wegen falscher Gewinnversprechen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Angeklagter wieder krank

Bereits im Januar hatte der Cloppenburger Kaffeefahrt-Mitarbeiter Marc-Sven B. (37) versucht, um seine Verhandlung vor dem Öhringer Amtsgericht herumzukommen. Er machte eine Erkrankung geltend. Weil die Richterin aber eine amtsärztliche Untersuchung forderte, kam der 37-Jährige doch. Wegen eines Verstoßes gegen das Unlautere-Wettbewerbs-Gesetz wurde er zu einer Geldstrafe über 3000 Euro (100 Tagessätze) verurteilt. Gegen das Urteil legte der Cloppenburger Berufung ein, seine Verhandlung hätte am 6. Oktober vor dem Heilbronner Landgericht stattfinden sollen. Erneut meldete er sich krank. Nach Angaben des Landgerichts wird der Berufungsprozess wohl erst 2011 über die Bühne gehen. has