Hohenloher Absturz-Opfer: Motorservice trauert um Mitarbeiter

Hohenlohe  Ein Opfer des Flugzeugabsturzes in Äthiopien ist ein junger Familienvater aus Öhringen. Nach Angaben seines Arbeitgebers war er dienstlich unterwegs.

Von unserer Redaktion
Absturzstelle
Bei dem Flugzeugabsturz in Äthiopien starben 157 Menschen.

Der bei dem Flugzeugabsturz in Äthiopien am vergangenen Sonntag tödlich verunglückte Mann aus Hohenlohe ist Mitarbeiter des Kolbenschmidt-Schwesterunternehmens Motorservice in Neuenstadt gewesen und war dienstlich zu einem Kunden unterwegs. Das bestätigte Folke Heyer, Pressesprecher des Automobilzulieferers, am Freitag auf Anfrage der Heilbronner Stimme.

Man habe nach Bekanntwerden des Unglücks intern darüber informiert, "auch im Beisein von Seelsorgern". Bei dem Verstorbenen handelt es sich nach Informationen der Heilbronner Stimme um einen jungen Familienvater aus Öhringen.

Keiner der Insassen überlebte

Die Kollegen des Mannes aus der Ersatzteilsparte Motorservice seien wie alle Mitarbeiter des Unternehmens tief betroffen, sagte Folke Heyer. "Wir unterstützen die Familie nach unseren Kräften bei diesem schweren Verlust." Der Mann war einer von fünf deutschen Passagieren, die im Flugzeug saßen. Bei dem Absturz hat niemand der 157 Insassen der Boeing 737 überlebt.

An Bord waren auch mehrere Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Sie waren auf dem Weg zu einer Konferenz des UN-Umweltprogramms in Nairobi, Kenia. Die Boeing war in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba gestartet.

Flugschreiber sind in Paris eingetroffen

Unterdessen sind die beiden Flugschreiber in Frankreich angekommen. Sie wurden zur Auswertung in die Büros der französischen Luftsicherheitsbehörde BEA gebracht. Die BEA hatte zuvor via Twitter mitgeteilt, die äthiopischen Behörden hätten bei der Untersuchung der Flugschreiber um Unterstützung gebeten.

Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein könnten. Für gewöhnlich werden die Flugschreiber nach Unglücken ins Land des Flugzeugherstellers geschickt, was in diesem Fall die USA gewesen wären.

Fachanwalt rechnet mit Schadenersatzforderungen gegen Boeing

Der Jurist Christof Wellens, Vorsitzender des Vereins „Crash – Gesellschaft für Opferrechte“, sieht nach dem Absturz in Äthiopien Schadensersatzforderungen von Angehörigen zukommen. Wellens sagte der Heilbronner Stimme: „Es ist sicherlich nach jetzigem Stand einigermaßen wahrscheinlich, dass sich aus dem Fall der abgestürzten Boeing 737 Max 8 ein Schadenersatzverfahren entwickeln wird.“ Wellens hat selbst Angehörige der Opfer des 2015 abgestürzten Germanwings-Fluges vertreten.

Für Wellens stellen sich drängende Fragen: „Hat der Hersteller nach dem ersten Absturz des Typs richtig gehandelt? Hätte man die Baureihe bis zur endgültigen Klärung der Ursache am Boden halten müssen? Eine unzureichende Warnung vor Risiken würde auch schon für eine Haftung ausreichen.“

Eine klare Meinung hat er zum europaweit verhängten Flugverbot für die Boeing 737 Max 8: „Ich selbst würde derzeit nicht einsteigen in das zwei Mal verunglückte Boeing-Modell. Das wäre mir eindeutig zu risikoreich.“

Probleme mit der Steuerungssoftware vermutet

Der Absturz am Sonntag in der Nähe von Addis Abeba ereignete sich nur fünf Monate nach einem ähnlichen Unglück in Indonesien. In beiden Fällen war eine relativ neue Boeing 737 Max 8 im Einsatz. Bei dem indonesischen Crash vermuten die Experten, dass eine von Boeing für den Flugzeugtyp entwickelte Steuerungssoftware eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte. Im Fall der Katastrophe von Äthiopien meldeten die Piloten laut der Airline Probleme mit der Flugsteuerung.